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| 18:22 Uhr

Aus der Amtsstube in den Garten

Wilfried Klähr will sich nach 21 Jahren als Bürgermeister nur noch Haus, Hof und seinem großen Garten widmen.
Wilfried Klähr will sich nach 21 Jahren als Bürgermeister nur noch Haus, Hof und seinem großen Garten widmen. FOTO: Dieter Babbe
Massen. Mit Politik hatte er früher nichts am Hut – außer: AGL-Vorsitzender war der Anlagenfahrer mal in der Schraube. Nach der Wende wurde Wilfried Klähr viermal zum Bürgermeister von Massen gewählt – "einer der erfolgreichsten Industriegemeinden zwischen Elbe und Elster und darüber hinaus", wie der bald 70-Jährige stolz sagt. Jetzt hängt er die Politik an den Nagel . Dieter Babbe

Mehr a ls zwei Jahrzehnte hat Wilfried Klähr, in Wehnsdorf geboren und erst durch die Heirat zum Massener geworden, die Geschicke seiner Gemeinde mit ihren vier Ortsteilen maßgeblich mitbestimmt. Die vielen Firmengründungen im Gewerbegebiet gehören zu den Sternstunden des Bürgermeisters - "ich habe die Grundsteinlegungen nicht gezählt, an denen ich teilgenommen habe", sagt er. Mit dem Amtsdirektor sei man ein gutes Gespann gewesen, lobt Klähr den Verwaltungschef Gottfried Richter - die beide ein fast blindes Vertrauen verbindet. "Durch die Einnahmen von unserem Gewerbegebiet konnten wir uns fast alle Wünsche erfüllen", sagt Klähr - und zählt auf: neue Turnhalle, glatte Straßen, preiswerte Abwasserentsorgung, sanierte Dorfgemeinschaftshäuser, schmucke Kitas, die beiden Schulen, der bäuerliche Museumshof. Und nicht zuletzt: Eine Kopfprämie für Neubürger, die den Einwohnerschwund zwar nicht aufhalten, aber abbremsen konnte.

Freilich hat Wilfried Klähr auch Sorgenkinder. Der Lehrerblock sollte schon vor zehn Jahren abgerissen werden, weil er der neuen Finsterwalder Umgehungsstraße im Wege steht. Seit dem sind die Wohnungen leer, die Fenster eingeschmissen beziehungsweise ausgebaut - "ein Schandfleck gleich am Ortseingang", ärgert sich der Bürgermeister jedes Mal, wenn er daran vorbei fährt. Und nicht nur darüber: "Uns sind in all den Jahren mindestens 150 000 Euro Mieteinnahmen durch die Lappen gegangen." Wilfried Klähr vertraut der Ankündigung aus Potsdam: Kommendes Jahr soll es losgehen mit dem Straßenbau - dann kommt endlich die Ruine weg.

Auch für alte Molkerei gibt es Lichtblicke. "Die Gemeinde hat das verwilderte Gelände ersteigert. Ein Teil der maroden Gebäude wird nächstes Jahr abgerissen, für den Rest suchen wir Investoren. Die Freiflächen wird die Schule für ein Umweltprojekt nutzen", sagt Wilfried Klähr.

Viermal ist Wilfried Klähr zum Bürgermeister gewählt worden, anfangs noch mit dem Parteibuch der CDU in der Tasche - aus der er später verärgert ausgetreten ist. "Es war die Zeit der Gemeindezusammenschlüsse. Breitenau und Möllendorf wollten zu Massen. Dazu gab es eine Bürgerversammlung, wo man den Leuten noch Hoffnung machte. Danach sagte mir der CDU-Landtagsabgeordnete im Vertrauen: In Potsdam ist schon alles entschieden - Breitenau und Möllendorf kommen nicht nach Massen. Das empfand ich als Leuteverdummung", erinnert sich Klähr.

Mit Martin Schiffner, Lutz Modrow und Eckhard Nadebohr bewerben sich gleich drei Kandidaten um den Stuhl, auf dem Wilfried Klähr für wenige Tage noch sitzt. Er macht kein Hehl daraus, warum Modrow sein Favorit ist: "Der will wie ich, dass Massen weiter eigenständig bleibt und nicht zum Ortsteil von Finsterwalde oder von dort verwaltet wird. In dem Fall haben wir in der Gemeinde nichts mehr zu melden. Wen interessiert denn in Finsterwalde, was in Rehain passiert", stellt Wilfried Klähr die rhetorische Frage - und behauptet gleich noch: "Unsere Grundschule, die wir gerade erst mit viel Kampf gerettet haben, steht bei einer Eingemeindung früher oder später auf dem Spiel, wenn wir zum Anhängsel der Stadt werden."

Kommenden Montag tagt die alte Massener Gemeindevertretung . Es wird eine Abschiedsrunde für Wilfried Klähr. "Mit fast 70 ist es Zeit aufzuhören", sagt der Tanneberger - der sich künftig nur noch um Haus und Hof und seinen großen Garten kümmern will .