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Aus den Fehlern für die Stadthalle lernen

Leserbrief. Irene Scholz aus Finsterwalde schreibt zur Diskussion über einen Stadthallenbau in Finsterwalde: Wie viele Bürger unserer Stadt bin auch ich für die Stadthalle. Ich schließe mich den fairen Ausführungen und sachlichen Begründungen von Frau Homagk, Frau Kuhn und Herrn Schäfer in der Stadtverordnetensitzung vom 25. März an, weil auch ich der Meinung bin, dass man die 2185 Bürgerstimmen akzeptieren muss.

Was nicht heißt, dass ich die Handlungsweise der SPD gutheiße.

Fairerweise sollten die Stadthallenbefürworter zu ihrem Stimmrecht kommen, aber nicht über den juristischen Weg, wie es die SPD ankündigt. Damit würde zu viel Zeit verschwendet werden und es würde dem Ansehen unserer Stadt noch mehr schaden.

Von Stadthallengegnern angesprochene Bedenken und Zweifel, wie falscher Standort, kein erfolgversprechendes Betreiberkonzept, unkalkulierbare Kosten, unverbindliche Informationsveranstaltungen, zu große und zu teure Halle, sind Probleme, für die doch gemeinsam Lösungswege gefunden werden sollten. Das setzt allerdings gegenseitige Achtung, sachliche Auseinandersetzung und Kompromissbereitschaft voraus.

Die Abgeordneten sollten jetzt auf einen Nenner kommen, um die noch günstigen finanziellen Voraussetzungen für den Bau der Halle nutzen zu können. Wenn das Kind im Brunnen liegt, ist es zu spät. Ich erinnere an die Folgen des Verlustes des Kreisstadtstatus für Finsterwalde.

Bei Gesprächen betreffs Stadthalle gibt es immer wieder Bürgerfragen zum Viktoria-Hotel. Wie haben sich Altbürgermeister Herr Wohmann und Stadtväter bei der Versteigerung der Immobilie Viktoria-Hotel im Jahre 1999 mit eingebracht?

Hatte man sich damals nur mit dem Hundertwasserhaus beschäftigt? Warum wurden Meinungen aus der Bevölkerung zum damals noch erhaltenswerten Viktoria, im Zentrum der Stadt liegend, nicht öffentlich zur Diskussion gestellt?

Das sind Bürgerfragen, die den Wunsch nach einer Kulturstätte mit besonderem Kulturerlebnis, wie einst im Viktoria-Hotel, deutlich zum Ausdruck bringen.

In diesem Zusammenhang erinnere ich an die LR vom 26. Juni 2009. Mehrere Studien belegten, dass das Schwimmstadion nicht nur baulich verschlissen, sondern in seiner Größe auch völlig überdimensioniert sei. Wer glaube, das Freibad sanieren zu müssen, "ist nicht von dieser Welt", formulierte der damalige Bürgermeister Herr Wohmann pessimistisch.

Und wieder steht mit der Stadthalle ein wichtiges Projekt für Stadt und Bürger zur Diskussion, das Mut und Optimismus zur Entscheidung fordert.

Den Mut sollte das Schwimmstadion geben, das schon zum Tode verurteilt war und dank des jetzigen Bürgermeisters Jörg Gampe und der Einsatzbereitschaft vieler Bürger wiedereröffnet werden konnte.

Somit genießen wir seit Jahren wieder das immer schöner werdende Stadion mit dem 10-Meter-Sprungturm, der eine Besonderheit ist. Eine weitere Besonderheit wird unsere Stadthalle sein und sie wird der Stadt guttun, denn es steht ja auch die Kreisgebietsreform an.

Ein Schwimmstadion, das schon zum Tode verurteilt war, lebt!

Das Schwimmstadion konnten wir Bürger vor dem Plattmachen retten. Der kleine gemütliche Park mit den Bänken unter der langen Pergola zum Alexanderplatz hin, die Idylle einer Kleinstadt, musste wegen des klobigen Neubaus am Engpass trotz Protesten von Bürgern kurz nach der Wende weichen.

Wir sind nicht mehr Kreisstadt, haben keine Kinder- und Entbindungsstation mehr, Kreisgericht und Finanzamt sind weggezogen worden, die Barmer GEK geht und in der LR vom 27. März dieses Jahres liest man die provokatorische Äußerung der Ortsvorsitzenden der SPD, Christina Eisenberg: "Sollte die Stadthalle gebaut werden ist zu befürchten, dass sie weiter die Stadt spaltet." - Was soll denn noch alles passieren in und mit unserem schönen und liebenswerten Städtchen?!