Es steht der Vorwurf des Betruges im Raum. Der 30-jährige Angeklagte soll einem Altenpfleger für 570 Euro ein Auto verkauft haben. Jedoch seien die Angaben zum Twingo nicht korrekt gewesen. Eigentlich hätte das Fahrzeug nicht einmal den angegebenen TÜV haben sollen, das Auto sei eigentlich nicht verkehrstauglich. Der Beschuldigte zeigt sich uneinsichtig: Er habe den Twingo gar nicht verkauft. Deswegen erhebt er Einspruch gegen den Strafbefehl.

Der 36-jährige Geschädigte sieht das anders. Dem Amtsgericht schildert er, das besagte Auto über eine Internetplattform entdeckt zu haben. Er sei froh gewesen, ein günstiges Auto für den Weg zur Arbeit gefunden zu haben. Mehr hätte er sich auch nicht leisten können.

Auch der Kontakt zum Verkäufer sei Online zustande gekommen. Der Angeklagte habe angegeben, das Fahrzeug für seine Mutter verkaufen zu wollen. Für die Übergabe sei eine abgelegene Straße in Dresden vereinbart worden. Der Altenpfleger habe sich das Auto angesehen, dem Kaufvertrag zugestimmt. Das Geld wechselt den Besitzer, ebenso der Autoschlüssel. Doch schon zu diesem Zeit fällt auf: Die Ausweisnummer des Verkäufers fehlt auf dem Vertrag.

Auto weist bei Heimfahrt erste Mängel auf

Der Beschuldigte habe seinen Ausweis nicht dabei. Die Nummer sowie den Zweitschlüssel wollte er nachreichen, berichtet der Zeuge und meldet das Fahrzeug daraufhin selbstständig für den Verkehr an. Vom Angeklagten hört er jedoch nichts mehr. Dieser bleibt unerreichbar.

Dafür seien bereits bei der Heimfahrt erst Mängel am Wagen deutlich geworden, wie etwa die kaputte Scheibenwischanlage. In der daraufhin aufgesuchten Werkstatt erfährt der Zeuge, dass am Auto so einiges nicht mehr ganz rund laufe. Die Aussage aus der Werkstatt: In dem Zustand in dem sich das Fahrzeug befinde, dürfe es eigentlich gar keinen Tüv haben. Wie die Hauptuntersuchung überstanden wurde, bleibt fraglich.

Inzwischen kommen noch andere Ungereimtheiten zu Tage. Dem 36-Jährigen fällt auf, dass auf dem Kaufvertrag nicht der Name des Verkäufers steht, sondern der einer Frau – der „Mutter“, wie zunächst angegeben. Der Zeuge recherchiert. Tatsächlich handelt es sich bei der Dame um die Vorbesitzerin des Twingos. Die habe das Auto für 90 Euro an den Angeklagten verkauft. Ihr Sohn sei er nicht.

Angeklagter gibt sich selbstsicher: „Du kannst mir gar nichts“

Durch Zufall sei der Zeuge schließlich dem Beschuldigten an einer Tankstelle in Röderland begegnet. Auf das Auto angesprochen habe der Verkäufer des Wagens nur gelacht. „Du kannst mir gar nichts“, soll er zu dem 36-Jährigen gesagt haben. Eine Klärung der Situation sei ausgeblieben.

In der Werkstatt tun sich mittlerweile immer neue Abgründe auf. Das Auto habe sich überhaupt nicht mehr starten lassen. „An den Kabeln der Wegfahrsperre wurde rumgefummelt“, schildert der Zeuge. Erst mit dem Zweitschlüssel, dem ihm die Vorbesitzerin zugeschickt habe, ließ sich das Problem beheben.

Angeklagter will Tat nicht begangen haben

Bis zuletzt bleibt der Angeklagte bei seinem Standpunkt: Er habe kein Auto verkauft und sei deswegen auch nicht bereit den Schaden zu ersetzen.

Der Zeuge hingegen ist sich sicher, dass es sich bei beim Angeklagten um den Verkäufer des Autos handelt. Auch die Vorbesitzerin des Wagens habe den Beschuldigten identifizieren können. Ein Blick in die Vergangenheit des Mannes gibt ebenfalls Aufschluss über seinen Werdegang. Wie die Richterin erklärt, sei es für ihn nicht der erste Betrugsfall: Urkundenfälschung, Kennzeichenmissbrauch und der Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz sollen ebenfalls zu seinen Vergehen gehören.

Die Richterin spricht eine Geldstrafe aus. Der Angeklagte soll 90 Tagessätze zu je 15 Euro zahlen. Auch das zu unrecht erlangte Geld soll er zurück erstatten. Einsicht zeigt der 30-Jährige auch weiterhin nicht. Während der Urteilsverlesung schüttelt er nur den Kopf.