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| 16:53 Uhr

Von geschickten Händen
Aufpoliert zurück ins Museum

 Das Werk Doberlug-Kirchhain der HIL GmbH übergibt einen restaurierten russischen Luftabwehrpanzer „Schilka“ an das Militärhistorische Museum Dresden. Dort wird der Panzer ab Donnerstag in der Außenausstellung zu sehen sein. Das Team der HIL GmbH, das den Panzer restauriert hat, bei einem letzten Foto mit dem Zwölfeinhalb-Tonner.
Das Werk Doberlug-Kirchhain der HIL GmbH übergibt einen restaurierten russischen Luftabwehrpanzer „Schilka“ an das Militärhistorische Museum Dresden. Dort wird der Panzer ab Donnerstag in der Außenausstellung zu sehen sein. Das Team der HIL GmbH, das den Panzer restauriert hat, bei einem letzten Foto mit dem Zwölfeinhalb-Tonner. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain . Nach einjährigem „Kuraufenthalt“ in der Heeres­instandsetzungslogistik (HIL GmbH) ist ein Luftabwehrpanzer wieder ausstellungsreif. Von Heike Lehmann

40 Jahre währt die gute Zusammenarbeit des Doberlug-Kirchhainer Instandsetzungswerks mit dem Militärhistorischen Museum in Dresden. „Was zu NVA-Zeiten gut funktioniert hat, wurde vom Systeminstandsetzungszentrum und später auch von der HIL GmbH übernommen und fortgeführt“, sagt Werkleiter Peter Beuckmann. Rad- und Kettenfahrzeuge, sogar einen Oldtimer, einen Opel P 4, haben die Doberlug-Kirchhainer in den letzten Jahren fürs Museum hergerichtet. Nächste militärische Großgeräte warten schon auf die geschickten Hände der Instandsetzungslogistiker aus der Niederlausitz.

In dieser Woche wurde das jüngste Projekt erfolgreich abgeschlossen. Einen russischen Luftabwehrpanzer „Schilka“, benannt nach einem Fluss in Ostsibirien, haben die Doberlug-Kirchhainer restauriert. Am Dienstag wurde die Selbstfahrlafette ZSU-23-4 wieder abgeholt. Mitarbeiter und Werkleitung haben sich aufgereiht. Handys werden gezückt, um den Moment der Verladung festzuhalten.

Mit Argusaugen verfolgt auch Fred Koch, Leiter Sammlung und Forschung sowie Sachgebietsleiter Militärtechnik im Museum, wie das immer noch 12,5 Tonnen schwere Schmuckstück vom Kran angehoben wird, die Ladefläche des Lasters darunter rollt und der Panzer sanft aufgesetzt wird.

Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr gehört zu den bedeutendsten Geschichtsmuseen Europas. Im Zentrum der Ausstellung stehen der Mensch und die Frage nach den Ursachen und Folgen von Krieg und Gewalt. Über 10 000 Exponate erzählen bewegende Geschichten. „Vor der Neueröffnung 2010/11 haben wir alle Fahrzeugsysteme für die Außenausstellung restauriert. Je nach Anforderung werden die Geräte lauffähig oder demilitarisiert als Ausstellungsstücke wieder hergestellt. Vieles landet auch im Depot unter der Erde“, sagt Peter Beuckmann.

 Werkleiter Peter Beuckmann überrascht Fred Koch, Leiter Sammlung und Forschung sowie Sachgebietsleiter Militärtechnik im Museum, mit einer Miniaturausgabe des restaurierten Schilka.
Werkleiter Peter Beuckmann überrascht Fred Koch, Leiter Sammlung und Forschung sowie Sachgebietsleiter Militärtechnik im Museum, mit einer Miniaturausgabe des restaurierten Schilka. FOTO: Heike Lehmann

Nicht so dieser Schilka. Fred Koch kennt seine Geschichte: „Dieser Panzer, Baujahr 1972, fuhr bei der NVA bis zu deren Auflösung und danach diente er der Bundeswehr an der Nachrichtenschule in Bad Ems als Ausbildungsgerät. Am 18. August 1994 kam er in unser Museum und stand im Freigelände, wo er ab Donnerstag auch wieder für den Besucher sichtbar ist.“

Bis heute ist dieser Panzertyp – von 1980 bis 1990 wurde er in Doberlug-Kirchhain instandgesetzt – im Bestand der russischen Armee und von mehr als 20 weiteren Staaten. Auch in Syrien und im Golfkonflikt kam er zum Einsatz. Der mit Radarschirm ausgestattete Flakpanzer dient der Bekämpfung niedrig fliegender Kampfflugzeuge und Hubschrauber sowie leicht gepanzerter Bodenziele. Er erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 50 km/h. Tiefflieger erkennt das System auf Entfernungen von bis zu zwölf Kilometern. Die Vierlingsflak kann pro Minute 3000 Schuss abgeben.

Das Museumsstück kann nicht mehr fahren und nicht schießen. „Die Vorgaben macht der Restaurator“, so Beuckmann. Das Geschick für die Umsetzung bieten seine Mitarbeiter – Schrauber, Lackierer, Schweißer, Tischler, Sattler.

Auftrag der HIL GmbH ist es, landbasierte Waffensysteme der Bundeswehr in 70-prozentiger Verfügbarkeit zu erhalten. Aufträge wie die vom Museum sind das Sahnehäubchen für Mitarbeiter. Wer an so einem Projekt beteiligt wird, darf sich ausgezeichnet fühlen. Diesmal hat ein Fünferteam die Aufgabe übernommen – parallel zur eigentlichen Produktion. Vorarbeiter Robert Stuckas, René Klaß, Lars Steinke, Jens Krüger sowie Jens Lahne von der Arbeitsvorbereitung haben das Fahrzeug gereinigt, vom Rost befreit und neu lackiert. „Innere Technik wurde schonend ausgebaut. Radar, Turm und Waffen sollten dennoch beweglich bleiben. Die Mechanik dafür haben wir uns ausgedacht. Sonst ist am Fahrzeug alles original“, versichert Jens Lahne.

Für Robert Stuckas, seit 2012 HIL-Mitarbeiter, war die Arbeit eine willkommene Abwechslung zum Werksalltag. „Die ältere Technik im Originalbild zu erhalten, ist eine schöne Herausforderung. Da muss jede Schraube am Ende wieder an ihre Stelle“, sagt er. Das ist die Akribie, die man im Dresdner Museum schätzt.

Öffnungszeiten des Militärhistorischen Museums Dresden, Olbrichtplatz 2: täglich außer mittwochs 10 bis 18 Uhr, montags von 18 bis 21 Uhr freier Eintritt.