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Fischwilderei
Auf der Suche nach schwarzen Schafen

Dieses Schild weist Wolfgang Mittelstädt als Fischereiaufseher aus – einer von 28 im Elbe-Elster-Kreis.
Dieses Schild weist Wolfgang Mittelstädt als Fischereiaufseher aus – einer von 28 im Elbe-Elster-Kreis. FOTO: Dieter Babbe
Tröbitz/Schönborn. Fischereiaufseher Wolfgang Mittelstädt aus Schönborn ist Fischwilderern und Tierquälern auf der Spur. Von Dieter Babbe

Etliche Stunden hockt Wolfgang Mittelstädt schon am Ufer des Großen Wildgruber Sees – ohne einen Fang. Als er kurz einnickt, bewegt sich plötzlich seine Angel. Ein Barsch? Ein Karpfen? Ein Aal? Nichts davon – auf seiner Angelrute sitzt ein kleiner Eisvogel. Wolfgang Mittelstädt genießt diesen seltenen Anblick, mehr noch als wäre ein Fisch an der Angel.

„Ich bin ein Naturmensch“, gesteht der 53-jährige Petrijünger, der von Kindheit an angelt, angesteckt von der Leidenschaft seines Opas, der am Teupitzer See einen Bungalow hatte. Längst ist vor allem die Schwarze Elster, aber auch der Kleine Wildgruber See das Revier von Wolfgang Mittelstädt. Hier hat der Tröbitzer Anglerverein, den der Schönborner seit 15 Jahren leitet, seit Jahrzehnten die Pflege des idyllischen Gewässers übernommen. In der früheren Kohlegrube leben viele Fische von A wie Aal bis Z wie Zander und am Ufer haben einige Biber ihre Burgen gebaut. Nicht nur die Nager, vor allem die letzten Stürme haben große, starke Bäume umgeknickt und die Landschaft beinahe in einen Urwald verwandelt. „Das Wasser im See ist glasklar und sauber, man kann bis sieben Meter auf den Grund gucken“, schwärmt Wolfgang Mittelstädt. An den Ufern des wild-romantischen Sees halten die Tröbitzer Vereinsmitglieder in Arbeitseinsätzen mehr als ein Dutzend Stellen frei, an denen Angler, viele fremde darunter, ihre Ruten auswerfen können.

Die heile Natur nicht nur rund um den Kleinen Wildgruber See auch der nächsten und übernächsten Generation zu erhalten, hat Wolfgang Mittelstädt, von Beruf Glasermeister, vor vier Jahren bewogen, ehrenamtlicher Fischereiaufseher zu werden – einer von derzeit 28 im Elbe-Elster-Kreis. „Es gibt unter den Anglern immer wieder schwarze Schafe, die sich nicht an die Regeln halten“, hat Wolfgang Mittelstädt bei seinen Kontrollen an den Gewässern rund um Tröbitz festgestellt. „Im Schnitt bei jeder vierten Kontrolle gibt es Beanstandungen.“ Dabei ertappt der Fischereiaufseher nicht nur Schwarzangler, die ohne Angelberechtigung angeln – „das ist Wilddieberei“, sagt Wolfgang Mittelstädt.

Ein Straftäter sei auch, wer mit mehr als zwei Angeln angelt, lebende Köderfische an den Haken hängt und mehr als die erlaubte Zahl von Fischen mit nach Hause nimmt. Dabei fühlt sich der Fischereiaufseher auch als Tierschützer. „Fische dürfen nicht gequält werden“, sagt Wolfgang Mittelstädt – und erzählt von einem Fall, wo etliche gefangene große Bleie hochkant in einem Eimer mit wenig Wasser gepfercht waren. „Ein Angler muss bei jedem Fang wissen, ob er den Fisch mitnehmen will. Ansonsten muss er ihn sofort wieder ins Wasser lassen. Fische dürfen in einem Netz nicht den ganzen Angeltag festgehalten und dann am Ende wieder freigelassen werden.“

Besonders ärgert sich Wolfgang Mittelstädt über die zunehmende Zahl von „Trophäenanglern“, die auf Jagd nach kapitalen Fischen sind, sie fotografieren, um damit im Internet protzen zu können – „solche Leute haben keine Achtung vor der Kreatur“. Immer wieder passiert es auch, dass der Fischereiaufseher auf Angler trifft, die am Gewässer tagelang zelten und feiern und am Ende noch leere Flaschen und Blechbüchsen zurücklassen.

„Ich treffe immer mehr Angler, die sich nicht an die Normen halten - wollen. Und wenn sie erwischt werden, wird endlos diskutiert. Der Respekt vor dem Gesetz hat bei vielen deutlich abgenommen“, muss Wolfgang Mittelstädt feststellen. Dabei will er bei seinen Kontrollen nicht „Störenfried“ am Gewässer sein, wie er sagt. „Man muss als Fischereiaufseher auch diplomatisch vorgehen – oftmals reicht eine mündliche Verwarnung.“ Aber wenn die nicht hilft, meldet Wolfgang Mittelstädt den Vorfall der Unteren Fischereibehörde, die Ordnungsstrafen ausspricht, in schweren Fällen sogar die Staatsanwaltschaft informiert. Manchmal, wenn zum Beispiel Angler Hunde dabei haben, wünschte sich der Fischereiaufseher, lieber zu zweit auf Kontrollgang gehen zu können.

Über 15 Prozent der Mitglieder im Tröbitzer Anglerverein sind Kinder und Jugendliche – mehr als in vielen anderen Vereinen im Elbe-Elster-Kreis, die in den letzten Jahren zunehmend unter Mitgliederschwund leiden. „Über das Angeln lernen junge Leute die Natur kennen und lieben, es fördert die Heimatverbundenheit“, sagt Wolfgang Mittelstädt.

Auch ein Grund, weshalb sich der leidenschaftliche Petrijünger noch an anderer Stelle um den Nachwuchs kümmert. Dreimal im Jahr nimmt er Prüfungen für die Erteilung eines Fischereischeins ab. „Von 600 Fragen zur Fisch-, Gewässer-, Geräte- und Gesetzeskunde müssen 60 Fragen beantwortet werden, davon 45 Antworten richtig“, erklärt Wolfgang Mittelstädt. Um die 30 meist jungen Leute erwerben so jedes Jahr im Finsterwalder Altkreis neu den auf Lebenszeit gültigen Brandenburger Fischereischein. „90 Prozent der Jugendlichen verlassen leider unseren Verein, wenn sie zur Lehre oder zum Studium gehen“, bedauert der Vereinsvorsitzende Wolfgang Mittelstädt – und freut sich aber: „Die Hälfte kehrt irgendwann wieder zurück, in unseren oder einen anderen Verein in der Region.“