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| 01:03 Uhr

Auf der Suche nach der Seele von Finsterwalde

Finsterwalde.. Dem Bürgermeister gefällt, was eine Projektgruppe der Finsterwalder Friedensdekade mit Hilfe des Berliner Instituts für Kognition und Ästhetik (IKAE) in der Stadt vorhat. Deshalb musste Johannes Wohmann nicht lange überredet werden, die Schirmherrschaft zu übernehmen, wenn die „Seele von Finsterwalde“ erforscht wird. Die IKAE-Leute nennen es den sozialgenetischen Code. Auf der Grundlage einer Befindlichkeitsstudie wollen die Wissenschaftler positive Möglichkeiten und Ressourcen für die Stadt aufdecken und damit „Anschubenergien“ vermitteln. Von Jürgen Weser

Ernst Handl, Kirsten Hense und Miken Rohdenburg stellten die interdisziplinäre Forschungsgruppe von IKAE, ihre Arbeitsweisen und Ziele in einem Pressegespräch vor. Im Frühjahr hat Friedemann Müller von der Evangelischen Jugend Finsterwalde IKAE angesprochen, solch eine Untersuchung im Rahmen der Friedensdekade zum Thema „Wer kriegt was?“ durchzuführen. Für das Institut, so Handl, sei die Aufgabe reizvoll, weil Finsterwalde die erste Stadt ist, deren sozialgenetischen Code man knacken möchte. Große Erfahrungen hat die Forschungsgruppe bisher mit Wirtschaftsunternehmen und anderen Sozietäten gemacht, um bei der Optimierung von Arbeitsabläufen und Unternehmensstrukturen behilflich zu sein. So sei zum Beispiel die Zusammenarbeit mit dem Bundesumweltamt sehr fruchtbar gewesen. Dabei gehe es ihnen, legte Kirsten Hense Wert auf die Bemerkung, um das Herausfinden schöpferischer Potenzen und nicht etwa um den Abbau von Arbeitsplätzen.
Kirsten Hense erläuterte das Vorgehen in Finsterwalde und wie man zu wissenschaftlich fundierten Ergebnissen kommen wolle. Heute und am nächsten Dienstag wird es so genannte experimentelle Aktionsinterviews verschiedener Art im öffentlichen Raum von Finsterwalde nach dem Zufallsprinzip geben. Etwa 25 Studenten der Evangelischen Fachhochschule der Sozialwissenschaften Berlin werden die Forschungsgruppe unterstützen und am Stadtpark, vor der Sparkasse, am Markt und an der Südpassage ihre Stände aufgeschlagen haben und auf Passanten zugehen. Die Ergebnisse dieser „Interviews“ , die natürlich anonym erfasst werden und bleiben, so Kirsten Hense, sollen in einem zweiten Untersuchungsschritt von so genannten „Experten“ diskutiert und bewertet werden. Für diesen qualitativen Untersuchungsteil sind 72 Finsterwalder im Vorfeld von der Projektgruppe der Friedensdekade nach repräsentativen Gesichtspunkten ausgewählt und zur Mitarbeit eingeladen worden. Der findet am 10. November vor und in den Räumen der evangelischen Gemeinde statt. Hier hoffen die Wissenschaftler von IKAE und Friedemann Müller auf die Mithilfe aller eingeladenen Experten, denn „je mehr teilnehmen, um so aussagefähiger wird das Ergebnis“ . Noch am gleichen Abend, so das ehrgeizige Ziel der Forschungsgruppe, soll das Untersuchungsergebnis in einer öffentlichen Veranstaltung im Rahmen der Friedensdekade veröffentlicht werden, verspricht Ernst Handl. Schautafeln, Piktogramme, Bildmaterial und Vorträge sollen das Ergebnis der wissenschaftlichen Untersuchung präsentieren, dass nach den Vorstellungen der IKAE-Leute „natürlich ein diskutierbares“ sein werde.
Dass dieses Projekt zu Stande gekommen ist, sei auch der engagierten Arbeit der jugendlichen Projektgruppe aus Finsterwalde zu danken, lobt Jugendwart Friedemann Müller seine engsten Mitstreiter wie Mareike Lentz, Christine Krink, Christin Robert, Markus Melke und Charleen Baer. Sie haben intensiv an der Ideenfindung mitgewirkt. Außerdem müssen sie alle technischen und organisatorischen Voraussetzungen absichern. Jetzt sind die Finsterwalder und ihre Besucher gefragt.