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Grippewelle
Auf der Grippe-Scheitelwelle

Die Grippe hat derzeit Hochkonjunktur. Doch neuste Zahlen deuten auf eine leichte Entspannung der Situation hin.
Die Grippe hat derzeit Hochkonjunktur. Doch neuste Zahlen deuten auf eine leichte Entspannung der Situation hin. FOTO: Karl-Josef Hildenbrand / dpa
Elbe-Elster. Fast dreimal so viele Grippefälle wie im Vorjahr. Anstehen in Arztpaxen und Apotheken. Von D. Friedrich, R. Pötzsch, B. Rudow, S. Kunze und F. Claus

Die Grippewelle hat das Elbe-Elster-Land weiter fest im Griff. Nach Auskunft des kreislichen Gesundheitsamtes sind bis heute 601 Erkrankungsfälle mit dem Virus Influenza B gemeldet worden. Das sind fast dreimal so viele Fälle wie im vergangenen Winter 2016/2017. „Von Entwarnung kann keine Rede sein“, schätzt Kreissprecher Torsten Hoffgaard die aktuelle Situation ein.

Nach Angaben des Robert-Koch-Institutes in Berlin hat sich die Situation zuletzt allerdings leicht entspannt. Das Kartenmaterial der Kalenderwoche 10 (siehe Grafik) zeigt für die Elbe-Elster-Region lediglich noch eine „moderat erhöhte Aktivität“ der Erkrankungen an, während die Rate eine Woche zuvor noch als „stark erhöht“ eingestuft wurde. „Viele der älteren gemeldeten Patienten waren nicht gegen die Grippe geimpft“, konstatiert Hoffgaard.

Aktue Atemwegserkrankungen in der Kalenderwoche 10 des Jahres 2018.
Aktue Atemwegserkrankungen in der Kalenderwoche 10 des Jahres 2018. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau

Die Krankenhäuser in Herzberg, Elsterwerda und Finsterwalde indes seien zwar gut ausgelastet, „voll sind wir aber nicht“, sagt der Ärztliche Direktor der Elbe-Elster-Kliniken, Professor Roland Reinehr. Entsprechende Berichte, wonach der Standort Finsterwalde aus Kapazitätsgründen keine Grippe-Patienten mehr aufnehme, weist er zurück: „Es gab lediglich Tage, an denen wir stundenweise an die Kapazitätsgrenzen kamen. So ist in Elsterwerda eine Zeit lang die Notaufnahme geschlossen worden.“ Die Arbeitsfähigkeit der Häuser sei zu jeder Zeit gegeben gewesen.

Nach Klinikangaben mache die Zahl der Grippepatienten derzeit nur einen geringen Anteil an Patienten aus. Bei Atemwegserkrankungen kommen aktuell vermehrt die Beatmungsbetten zum Einsatz. „Davon haben wir in Herzberg und Elsterwerda jeweils sechs, in Finsterwalde sind es baubedingt nur vier Betten. Diese halten wir sowohl für Grippefälle als auch für andere schwer erkrankte Patienten vor und verteilen gegebenenfalls innerhalb des Landkreises um“, berichtet Professor Roland Reinehr. Dass die saisonale Grippe momentan grassiere, sei seiner Meinung nach nichts Ungewöhnliches. „Jedoch haben wir seit Weihnachten ein kontinuierlich hohes Niveau.“

Die Grippewelle macht sich auch im Finsterwalder Elbe-Elster-Klinikum bemerkbar. Einen Aufnahmestop für Grippepatienten habe es jedoch nicht gegeben, heißt es aus der Klinik.
Die Grippewelle macht sich auch im Finsterwalder Elbe-Elster-Klinikum bemerkbar. Einen Aufnahmestop für Grippepatienten habe es jedoch nicht gegeben, heißt es aus der Klinik. FOTO: Daniel Friedrich / LR

Wer seine Grippe im eigenen Bett auskuriert, für den bleibt vorher langes Anstehen in so mancher Apotheke nicht aus. Die Erkältungswelle halte sich weiter auf hohem Niveau, schätzt zum Beispiel Britta Petschick aus Schlieben ein. „Es ist ein ständiges Kommen und Gehen“, berichtet die Apothekerin. Hustensaft, Halspastillen und Nasenspray seien weiterhin sehr gefragt. Auch rund 80 Prozent der Kunden der Finsterwalder Engel-Apotheke würden an einem grippalen Infekt leiden, berichten die Mitarbeiter dort. Die Zahl der Grippefälle sei dagegen deutlich geringer.

Ariane Bönisch, Fachärztin für Innere Medizin in Mühlberg, kann Anzeichen für eine Grippe-Epidemie nicht feststellen. „Es sind zumeist grippale Infekte“, sagt sie. Auch aus Kindergärten oder der Mühlberger Schule sind ihr keine gehäuften Grippeerkrankungen bekannt. Andres sei das im benachbarten Sachsen, wo Regionen stark betroffen seien. „Ich habe auch Patienten von über der Elbe. Die berichten von hohen Krankenständen.“

In der Gemeinschaftspraxis der Allgemeinmedizinerin Cornelia Höhne und der Kinderärztin Gerrit Meier in Herzberg ebbt die Influenza-Welle langsam ab. „Wir haben in diesem Jahr so viele Fälle von Influenza B nachgewiesen, wie seit vielen Jahren nicht mehr“, bestätigt Cornelia Höhne die Zahlen des Gesundheitsamtes. Betroffen waren alle Altersgruppen. Und die Erkrankten seien nicht geimpft gewesen, sagt sie. „Auch wenn der Erreger wechselt, sind diejenigen, die sich jährlich impfen lassen, besser geschützt“, meint sie. Hoch sind in ihrer Praxis ebenfalls die Erkrankungen an grippalen Infekten, die auch mit Erbrechen und Durchfall einhergehen können. „Allein am vergangenen Montag habe ich deswegen mindestens zehn Krankenscheine ausgestellt“, sagt Höhne. Ihr Rat, um solche Erkrankungen zu vermeiden: viel frische Luft, gesunde Ernährung, viel trinken und reichlich Schlaf. „Ausreichender Schlaf stärkt das Immunsystem“, betont die Herzberger Ärztin.