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"Auch eine Form des Umweltschutzes"

Gundula Frank, Leiterin Tierproduktion in der Sonnewalder Agrargenossenschaft, führte durch die Anlage.
Gundula Frank, Leiterin Tierproduktion in der Sonnewalder Agrargenossenschaft, führte durch die Anlage. FOTO: Torsten Pötzsch/top1
Sonnewalde/Zeckerin. Der Chef der Sonnewalder Agrargenossenschaft, Thomas Jülke, hat kürzlich Mitglieder des Nabu-Regionalverbandes Finsterwalde und Interessenten in der Zeckeriner Milchviehanlage begrüßt. Die Gäste sollten sich vor Ort ein eigenes Bild von moderner Landwirtschaft machen. Torsten Pötzsch/top1

Wenige Tage zuvor hatte Jülke genau zu diesem Thema beim Nabu-Regionalverband einen Vortrag gehalten.

Zwar sagt der Volksmund "Man ist, was man isst". Doch schon lange wissen wir kaum noch, woher unser Essen kommt, was drin ist und unter welchen Bedingungen es produziert wird. Immer wieder sorgen Lebensmittelskandale für Verunsicherung bei den Verbrauchern. Meist steht dabei die intensiv betriebene industrielle Landwirtschaft in der Kritik. Thomas Jülke weiß, wie Lebensmittel produziert werden und ließ deshalb hinter die Kulissen in seiner Anlage blicken.

Das Interesse am Besuch der Sonnewalder Agrargenossenschaft war sehr groß. Darüber freute sich der Finsterwalder Nabu-Chef Karl-Ulrich Hennicke. Die Zeckeriner Milchviehanlage gehört zur Sonnewalder Agrargenossenschaft. Sie beherbergt 480 Holstein-Frisien zur Milchproduktion. Insgesamt gehören zur Genossenschaft 1200 Rinder, 800 Schafe und eine Landwirtschaftsfläche von zirka 2300 Hektar.

Durch die Anlage führten der Geschäftsführer und die Leiterin Tierproduktion, Gundula Frank. Beim Rundgang gab es eine sehr große Transparenz, alles war frei zugänglich. Die Antworten auf die vielen Fragen zeugten zudem von enormem Fachwissen. Die Tiere zeigten sich in den stillen Ställen recht gelassen und entspannt und machten einen gesunden und gepflegten Eindruck. Thomas Jülke erklärte das mit seiner Firmenphilosophie: "Wir wollen und müssen von unserer Arbeit leben und das ist die Arbeit mit den Tieren. Geht es den Tieren gut, geht es auch uns gut."

Doch es blieb immer auch eine Spur von Skepsis, so beim Thema des erhöhten Einsatzes von Antibiotika. "Wir leiden sehr unter diesem Vorwurf", erklärte Gundula Frank. "Ist eine Kuh krank, werden natürlich Arzneimittel eingesetzt. Das ist ganz normal. Es wird aber alles genauestens dokumentiert. Werden Antibiotika eingesetzt, gibt es eine ganz genau vorgeschriebene Wartezeit, bis die Milch wieder verwendet oder das Tier geschlachtet werden darf. Würden wir uns nicht an diese Auflagen halten, wäre das für uns der Todesstoß."

Von Interesse war auch die Futterfrage. Mit 12 000 Tonnen Silageproduktion im Jahr ist die Agrargenossenschaft fast ein "Selbstversorger". In die Tröge kommt, was auf den Feldern wächst. Zugekauft werden nur Sojaschrot, Mineralstoffe und Vitamine.

Gut zwei Stunden dauerte der Rundgang. Am Ende waren die Landwirte und die Naturschützer gleichermaßen zufrieden. "Wir kommen hier schlauer raus, als wir hinein gegangen sind", fasste Karl-Ulrich Hennicke zusammen. "Man ist beeindruckt vom Engagement und der Professionalität der Mitarbeiter, von der Effektivität der getätigten Investitionen und dem Willen, die Produktion transparent zu machen. Natürlich gibt es bei verschiedenen Fragen unterschiedliche Auffassungen, das ist normal. Ich kann aber sagen, die Tiere haben es gut hier."

Bei den unterschiedlichen Auffassungen meinte der Nabu-Chef unter anderem den Einsatz von Herbiziden und Insektiziden, die Einfluss auf Natur und Umwelt nehmen. Hennicke sagt: "Hier bringt aber die Technik Nutzen für Mensch und Tier. Nach ermitteltem Bedarf werden die Stoffe auf den Flächen ausgebracht. Das ist in meinen Augen auch eine Form des Umweltschutzes."