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| 01:25 Uhr

Auch die DDR wollte U-Boote bauen

Neuer Schweißautomat der Firma Kjellberg, Type UPU.
Neuer Schweißautomat der Firma Kjellberg, Type UPU. FOTO: Archiv Hennig
Den Alliierten fallen bei der Einnahme und Besetzung der Konstruktionsbüros und Werften alle Baupläne, viele Sektionen und weitgehend fertiggestellte Bootskörper von den deutschen U-Booten in die Hände.

So kann es nicht verwundern, dass die konstruktive, betriebs- und militärtechnische Konzeption besonders dieser beiden Typen später vielen ausländischen Marine-Behörden als Vorlage für eigene Entwicklungen dient.
Anfang der 50er Jahre erinnert man sich beim Aufbau eigener Seestreitkräfte nunmehr in beiden deutschen Staaten an die bereits gebauten und teilweise erprobten Konstruktionen. Die Bundesmarine greift bei der Bildung ihrer U-Boot-Flottille zunächst mit Billigung der westlichen Alliierten ebenfalls auf Boote der deutschen Kriegsmarine zurück. So werden nacheinander drei gesunkene Boote gehoben und nach erfolgter Instandsetzung und Modernisierung im August 1957 das Boot U 2365 als U-Hai, im Oktober 1957 das Boot U 2367 als U-Hecht und im September 1960 das Boot U 2540 als U-Wilhelm Bauer in Dienst gestellt.
Wenig bekannt ist, dass schon vorher auch der militärische Schiffbau der DDR zeitweise solche Pläne verfolgte. Ein geheimes Marine-Bauprogramm der damaligen Volkspolizei See vom März 1953 sieht den Bau von 14 U-Booten bis 1956 und die Bildung einer eigenen U-Boot-Flottille vor. Zur Vorbereitung darauf wird mit dem „Unternehmen Stichling“ das auf der Reede von Warnemünde gesunkene Boot U 345 der deutschen Kriegsmarine gehoben, auf der Volkswerft Stralsund gesäubert und für eine technische Rekonstruktion vorbereitet. Daraus wird jedoch nichts und das Boot wird 1955 verschrottet.
Mit den Schweißköpfen von Linde und dem Maulwurf von Kjellberg stehen erstmalig Geräte zur Verfügung, mit denen das Lichtbogen-Schweißen im wahrsten Sinne des Wortes weitgehend automatisch vor-genommen werden und das hochleistungsfähige Unionmelt-Schweißverfahren in der industriellen Fertigung breite Anwendung finden kann. Es wird verfahrens- und gerätetechnisch zielstrebig weiterentwickelt und zu hoher Leistungsfähigkeit geführt. Noch heute ist dieses Verfahren, inzwischen international fir-menneutral als UP-(Unterpulver-) Schweißen bezeichnet, in vielen Varianten in der gesamten metallverarbeitenden Industrie ein leistungsfähiges, sicheres und damit unverzichtbares Verfahren.
Besonders mit dem Finsterwalder Schweißautomaten Maulwurf entsteht ein prinzipieller, konstruktiver Aufbau, der bei allen später entwickelten Schweißautomaten beibehalten wird und sich bis auf den heutigen Tag bewährt hat. Die Konstruktion des Maulwurfs wird nach Kriegsende zielstrebig verbessert, seine Produktion fortgesetzt und erweitert. Schweißautomaten aus Finsterwalde sowohl der Maulwurf selbst als auch die Forschungs- und Entwicklungsleistungen für in der Folge entwickelte neue Typen sind begehrte Reparationsgüter bzw. Reparationsleistungen, die bis Ende 1953 an die UdSSR zu liefern bzw. für sie zu erbringen sind. Auf seiner Grundlage entsteht in den 50 er Jahren die Typenreihe UPU (Unterpulver-Universal-Automat).
Bei der weiteren Entwicklung neuer, ebenfalls hochproduktiver Schweißverfahren und deren gerätetechnischer, industrieller Anwendung, wie dem Metall-Inertgas- (MIG-) oder dem Metall-Aktivgas- (MAG-) Schweißen steht diese entwickelte und erprobte Konstruktion erneut Pate. Auf seiner Grundlage entstehen dafür bei allen bedeutenden Herstellern von schweißtechnischen Ausrüstungen halb- oder vollautomatische Geräte für alle bedeutsamen industriellen Schweißverfahren. Selbst bei der Entwicklung der ersten, serienmäßig gefertigten Plasma-Schmelzschneid-Anlagen PA 100 und PA 20 wird zur Halterung und Führung des Brenners auf die Konstruktion der Fahrwagen von den Schweißautomaten zurückgegriffen. Dass bei all dem den Belangen und Forderungen des Schiffbaus, eines auch in der Volkswirtschaft der DDR besonders wichtigen Exportzweiges, eine besonders große Bedeutung zukam, versteh t sich von selbst. (Schluss)

LR-Serie Kjellberg Finsterwalde und der U-Bootbau
 Im November 1943 werden streng geheim U-Boot-Teile in die Finsterwalder Kjellberg Elektroden & Maschinen GmbH transportiert. Der Endsieg der Nazis soll gerettet werden, auch mit der bis dahin erfolglosen U-Boot-Flotte. Neue Boote müssen her und schneller gebaut werden durch Verschweißen der Segmente. Das bringt Europas größte Spezialfabrik für Lichtbogen-Schweißanlagen und Elektroden ins Spiel. Die Finsterwalder Schweißexperten sehen die Chance, „etwas Besonderes zu leisten für den Sieg“ . Der Finsterwalder Regionalhistoriker PETER HENNIG, selbst langjährig leitender Mitarbeiter bei Kjellberg, ist den Vorgängen gründlich nachgegangen und hat in einer Serie für die RUNDSCHAU ein Stück Technikgeschichte der Entwicklung von Schweißverfahren im Zusammenhang mit der Beteiligung des Betriebes an der Rüstungsindustrie im Zweiten Weltkrieg dargestellt.