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| 19:01 Uhr

Aus der Szene
Artlake: Mehr als Feel-Double

Artlake-Festival am Bergheider See 2018 FOTO:
Lichterfeld. Festival an der F60 setzt neben Musik auf künstlerischen und gedanklichen Austausch. Von Veit Rösler

Während die heißen Tage der vergangenen Wochen im Bergheider See bei Lichterfeld für einen spürbaren Rückgang des Wasserspiegels gesorgt haben, strömten von Donnerstag bis Sonntag insgesamt etwa 6500 Besucher zum diesjährigen Artlake-Festival in das Wald-, Wüsten- und Seengebiet um die Förderbrücke F60. Während auf Facebook die Veranstaltung vor der Eröffnung noch von etwa 4200 Teilnehmern des Sozialen Netzwerkes mit „nehmen teil“ deklariert wurde, zeigten sich über 30 400 als „interessiert“. Diese Zahlen zeigen, wie groß die Resonanz hätte sein können, wenn das Event nicht zeitnah vom Veranstalter als „Ausverkauft“ gekennzeichnet worden wäre.

„Extreme Besucherzahlen sind für uns nicht so wichtig. Uns kommt es auf die Qualität der Veranstaltung an. Die Leute sollen sich hier wohlfühlen“, meinte am Rande des Festivals Martin Salchow von der zehnköpfigen Artlake-Crew. Jeder Besucher solle einfach nur Spaß haben in kleineren und damit effektiven Gruppen. Es mache keinen Sinn, einen Workshop, der für 30 Menschen konzeptioniert sei, mit der doppelten Anzahl an Leuten vollzustopfen.

Das Artlake-Festival am Bergheider See nutzt Elemente des Feel nach, ist aber keine bloße Kopie.
Das Artlake-Festival am Bergheider See nutzt Elemente des Feel nach, ist aber keine bloße Kopie. FOTO: Veit Rösler

Sowohl bei den etwa 300 Künstlern als auch bei den Besuchern waren wie beim kürzlich stattgefundenen Feel-Festival, Teilnehmern aus zahlreichen Ländern aus ganz Europa vertreten. Eine Gruppe junger Leute aus Washington DC verband ihren Deutschland-Trip mit einem mehrtägigen Besuch beim Artlake. Für viele Besucher gilt das Artlake, inzwischen das vierte Festival unter dem Motto, als die „Kleine Schwester“ des Feel-Festivals.

Einfach faszinierend: Mehr als 300 Kunstprojekte gab es von Donnerstag bis Sonntag am Bergheider See zu erleben.
Einfach faszinierend: Mehr als 300 Kunstprojekte gab es von Donnerstag bis Sonntag am Bergheider See zu erleben. FOTO: Veit Rösler

Doch es gebe gravierende Unterschiede, so Martin Salchow. Während sich das Feel hauptsächlich der Musik widmet, stehen beim Artlake die Kleinkunst, Ausstellungen und Wokshops im Vordergrund, an denen sich die Besucher zum Teil mitten in der Handlung selber beteiligen können. Während beim Feel die Musik an gefühlt unzähligen Stellen rund um die Uhr aus den Boxen donnert, gibt es beim Artlake von etwa 8 bis 17 Uhr eine Musik- Pause, zumindest auf der geografisch oberen Ebene. Im Talkessel unmittelbar am See kann auch am Tage in den Sanddünen, direkt an der Wasserkante oder sogar im Wasser selbst getanzt werden.

Da taucht dann auch schon mal eine Wasserschlange auf. Immer mehr junge Leute werden bei der Ausgestaltung des Terrains kreativ.
Da taucht dann auch schon mal eine Wasserschlange auf. Immer mehr junge Leute werden bei der Ausgestaltung des Terrains kreativ. FOTO: Veit Rösler

Die Ruhe auf der oberen Kunstebene soll tagsüber die Hingabe und das Meditieren innerhalb der einzelnen Veranstaltungsbausteine ermöglichen. Das umfangreiche Programm aus hautnah und leidenschaftlich zelebrierter Kunst bietet Theater, Kino, Sport, Performance, Workshops und Lesungen zu unterschiedlichsten Themen. Insgesamt 318 Einzelveranstaltungen, noch dazu mit einem hohen Niveau spuckt der Rechner aus, wenn der täglich von 0 bis 24 Uhr laufende Terminkalender näher unter die Lupe genommen wird.

In dem seit Wochen detailreich und liebevoll von Künstlern und Bauarbeitern gestalteten Mikro- Universum, das zum Teil Segmente des Feel-Festivals nutzt oder kreativ erweitert, öffnen sich dem Besucher hochaktuelle zeitgenössische Fragen, künstlerische Schöpfungen, vielsprachiger kreativer Austausch und unterschiedlichste Experimente, die vor allem auf die Zusammenarbeit und das gemeinsame Miteinander von Menschen aus allen Teilen der Welt abzielen.

Während das Kulturamt des Elbe-Elster-Kreises mit profanen Mitteln um jeden Besucher kämpft, bekommt der Landkreis quasi durch die Hintertür eine internationale Veranstaltung mit Weltklasse in die gute Stube gesetzt. Fast schon heimlich entwickelt sich die Szenerie um die F60 zusammen mit dem Feel zu einem Hotspot der Musik- und Kunstszene in Deutschland und in Europa.

Und wie sieht die Zukunft aus? „Genau so rosig, wie das schöne Wetter beim diesjährigen Artlake. Wir wollen natürlich das Format auch in den nächsten Jahren weiter etablieren und weiter ausbauen. Die Veranstaltungen passen halt ganz einfach hierher an den Bergheider See“, sagt Martin Salchow. Das sogenannte „schöne Wetter“ hatte allerdings einen Wehmutstropfen parat: die Trockenheit! Das strikte Verbot von offenem Feuer erlaubte ausnahmslos mitgebrachtes Grillfleisch und Würstchen nur an einer zentralen Stelle unter den Augen der Feuerwehr – quasi mit dem Löschschlauch im Anschlag – zu grillen.

Bei der Hitze einfach ideal - die Nähe zum See.
Bei der Hitze einfach ideal - die Nähe zum See. FOTO: Veit Rösler
Der Vorwegweiser gibt einen Vorgeschmack auf die Vielfalt.
Der Vorwegweiser gibt einen Vorgeschmack auf die Vielfalt. FOTO: Veit Rösler
Artlake-Festival am Bergheider See 2018 FOTO: