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| 01:33 Uhr

Archäologen legen mittelalterliche Weingruben bei Doberlug frei

Grabungsleiter Thomas Merkel legt im Stadtteil Doberlug die mittelalterlichen Weingruben, die sich in dunklen Erdverfärbungen abheben, frei. Foto: Dietmar Seidel
Grabungsleiter Thomas Merkel legt im Stadtteil Doberlug die mittelalterlichen Weingruben, die sich in dunklen Erdverfärbungen abheben, frei. Foto: Dietmar Seidel FOTO: Dietmar Seidel
Doberlug-Kirchhain. Einen ersten Hinweis auf Weinanbau der Mönche im Bereich der Hauptstraße von Doberlug-Kirchhain fanden sich bei archäologischen Grabungen vor vier Jahren. Daran können die Mitarbeiter der Stolzenhainer Grabungsfirma von Andrea Hofmann jetzt anknüpfen. leh

Denn bei den aktuellen Arbeiten entlang des südlichen Sommerweges bis zum ehemaligen Rautenstock fanden sich wieder Belege für den Weinanbau der Zisterzienser.

„Anhand der Erdverfärbungen sind ganz deutlich einstige Weingruben zu erkennen, in die jeweils zwei Setzlinge kamen“, erklärt Archäologe Bruno Mezec, der damit darauf verweist, dass sich die Mönche streng an die antiken Weinbau-Regeln gehalten haben. „Die Gruben verlaufen in Reihen von Nord nach Süd, wie man sich einen Weingarten vorstellt.“ Mittelalterliche Weingruben, so nachweisbar in der Fläche wie in Doberlug, seien ein neuer und damit bedeutungsvoller Fund bezogen auf ganz Deutschland, ordnet der Experte ein.

Ganz vorsichtig tragen Grabungsleiter Thomas Merkel und seine Helfer Schicht für Schicht ab, um die Weingruben freizulegen und sie dokumentieren zu können. „Vermutlich zwischen 1200 und 1300, das ist anhand gefundener Keramik einzuordnen, haben die Mönche außerhalb des Klosters, hier wo sich heute die Stadt befindet, mindestens einmal versucht, einen Weingarten anzulegen“, so Mezec. „Vermutlich war es aber an dieser Stelle ein Misserfolg, denn die Gruben sind nur angelegt und nie verändert worden. Das kann anhand der Mistpackungen, die auch für die Erdverfärbungen sorgen, geschlussfolgert werden.“

Bruno Mezec, der sich über die archäologischen Funde hinaus für die Doberluger Weinbaugeschichte interessiert und von alten Weinkellern in der Stadt gehört hat, würde sich über entsprechende Hinweise unter Telefon 03533 811021 freuen.

Die Stolzenhainer Grabungsfirma stieß auch zwischen Refektorium und Klosterkirche unlängst auf originale Spuren der Zisterziensermönche. „Dort haben wir Platten vom Kreuzgang gefunden. Insgesamt 19 Fliesen mit floralen Motiven. Die besterhaltene war leider sofort über Nacht verschwunden. Jetzt werden die Platten dokumentiert, bevor sie ins Archäologische Landesmuseum nach Wünsdorf kommen“, berichtet Andrea Hofmann, die insgeheim hofft, dass die gestohlene Fliese auch wieder auftaucht.