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| 01:30 Uhr

Archäologen dokumentieren Urnengräber in Doberlug-Kirchhain

Doberlug Kirchhain. Mit den ersten wärmeren Sonnenstrahlen nach dem langen Winter startet der Erweiterungsbau an der Berg-Grundschule, hatte Kerstin Stahl von der Stadtverwaltung versichert. Sie hat Wort gehalten: Seit einer Woche tut sich was auf dem Schulhof. Mit den Bauleuten rückten aber auch die Archäologen an. Sie suchen und finden, was die Erde über Jahrtausende bewahrt hat: sehr gut erhaltene Urnengräber aus der Bronzezeit. Von Heike Lehmann

Eine Überraschung ist der Fund nicht. „Wir befinden uns laut Bodendenkmalliste des Landkreises auf einem bronzezeitlichen Bestattungsplatz“, so Enrico Dieke vom städtischen Bauamt. Deshalb erteilte der Landkreis die Auflage zur archäologischen Begleitung der Baumaßnahme, von der jetzt Stadtverwaltung und Schule hoffen, dass sie nicht zu viel Zeit raubt. „Am Mittwoch vor einer Woche haben wir den Schnee abgefahren. Frost steckte nicht in der Erde, also konnten wir loslegen. Am Freitag kamen die Bagger“, so Dieke. Drei Mitarbeiter der Berliner Grabungsfirma ABA arbeiten seitdem in enger Abstimmung mit der Firma Zobel, um den Bau so wenig wie möglich auszubremsen. Fünf Urnenbestattungsgräber mit Leichenbrand haben sie bereits freigelegt und etwa 20 verzierte Beigabengefäße sichern können. „Elf waren komplett erhalten, was selten ist“, so Ausgrabungstechniker Christian Bildt. Auch der Metalldetektor habe angeschlagen und so konnten unter anderem zwei Bronzenadeln geborgen werden, die darauf hindeuten, dass eine Frau bestattet worden ist. Weil Unterricht anschaulicher nicht sein kann, fanden die Geschichtsstunden der Berg-Grundschule natürlich kurzerhand am Grabungsfeld statt.

Zur genaueren zeitlichen Einordnung, die Bronzezeit reicht etwa von 2200 v. Chr. bis 1200 v. Chr., muss die Keramik ausgewertet werden. „Dazu wird sie gereinigt und stellenweise zusammengesetzt, bevor sie nach Wünsdorf ins Archäologische Landesmuseum kommt“, so Bildt. In der etwa 40 Zentimeter tiefen freigelegten Fläche haben die Archäologen auch den vermutlichen Verbrennungsplatz zur Einäscherung ausgemacht. Am Rand der Baustelle deuten Steine auf die Begrenzung einer weiteren Urnenstätte hin. „Die bleibt in der Erde. Wir erfassen nur, was durch die Baumaßnahme zerstört wird“, so Bildt. Dann zeigt er vorsichtig eine Tasse mit abgebrochenem Henkel – eines der gut erhaltenen Beigabengefäße. „Vielleicht war ja mal Getreide darin“, vermutet Bildt.