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Archäologen checken Gas-Trasse

Entlang der künftig bei Drößig vorbeiführenden Europäischen Gas-Anbindungsleitung (EUGAL) sind derzeit Archäologen im Einsatz. Grabungsleiter Lutz Jansen (r.), hier mit seinem Kollegen Sven Weber, zeigt auf das 200 mal 60 Meter große Untersuchungsfeld.
Entlang der künftig bei Drößig vorbeiführenden Europäischen Gas-Anbindungsleitung (EUGAL) sind derzeit Archäologen im Einsatz. Grabungsleiter Lutz Jansen (r.), hier mit seinem Kollegen Sven Weber, zeigt auf das 200 mal 60 Meter große Untersuchungsfeld. FOTO: Gabi Böttcher
Drößig. Bevor die Europäische Gas-Anbindungsleitung (EUGAL) an Drößig vorbeiführen kann, sind die Archäologen im Einsatz. Auch wenn spektakuläre Funde bisher ausblieben, ist klar: Hier haben Menschen während der römischen Kaiserzeit im freien Germanien gesiedelt. Gabi Böttcher

Archäologen sind Bauleuten immer um mindestens eine Nasenlänge voraus. Zumindest dann, wenn es um bauvorbereitende Untersuchungen wie jene geht, die derzeit vor dem Ortseingang von Drößig laufen. Eines von insgesamt fünf auf Brandenburger Territorium agierenden Teams sucht hier noch etwa drei Wochen lang nach Spuren der Vorfahren und dokumentiert diese. Und das geschieht für die hier geplante Eugal-Ferngasleitung, die von Lubmin bei Greifswald, später 275 Kilometer durch Brandenburg bis nach Deutschneudorf in Sachsen und weiter nach Tschechien verlaufen soll. Der Baubeginn für einen ersten Abschnitt ist Mitte 2018 geplant. Auf Brandenburger Territorium werden entlang der Trasse der künftigen Eugal-Leitung an insgesamt 170 Plätzen Voruntersuchungen durchgeführt. Hier knüpft man an die Untersuchungsergebnisse beim Verlegen der Ostsee-Pipeline-Anbindungsleitung (Opal) an, die weitestgehend parallel verläuft.

Bei Drößig ist gegenwärtig ein etwa 200 Meter langer und 60 Meter breiter Streifen von der Mutterbodendeckschicht befreit und ein Planum für die weitergehenden Betrachtungen freigelegt worden. Getrennt nach Mutter- und Sandboden sind entlang des Untersuchungsbereiches die Deckschichten abgelegt worden. Grabungsleiter Lutz Jansen erklärt akribisch, wie Verfärbungen des Bodens registriert und als Indizien für archäologische Funde genauer in Augenschein genommen werden. Nicht immer sind es von Menschen angelegte Befunde. Einer, den er soeben mit seiner Kamera dokumentiert, war wahrscheinlich ein Tierloch. Sicher sei, dass im Bereich vor Drößig, aus Richtung Finsterwalde kommend, Menschen über mehrere Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte siedelten. Auf Belege dafür war man beim Bau der Opal-Leitung gestoßen. Der Zeitraum kann von der Mitte des 1. Jahrhunderts vor Christus bis zum 5. Jahrhundert nach Christus gefasst werden. Den großen Knüller, der zu überregionalem Aufschrei führen könnte, haben die Archäologen bei den Vorbereitungen für die Eugal-Leitung nicht gefunden. Bisher sind es vorrangig Keramikreste, die im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischem Landesmuseum genauer untersucht werden.

Südlich der Landstraße vor Drößig ist allerdings vor einigen Wochen in einem ersten Untersuchungsabschnitt auf 130 Metern Länge ein Highlight entdeckt worden. In zwei Dreierreihen angeordnete dunkle Erdlöcher lassen auf Pfosten schließen, die einst vermutlich ein kleines Gebäude, zum Beispiel einen Speicher, getragen haben. In diesem südlich der Straße gelegenen Untersuchungsfeld haben inzwischen wieder die Landwirte die Hoheit übernommen. Mais wächst heran. Nur in enger Abstimmung mit Landwirten, Waldbesitzern und Naturschützern könne man die Untersuchungen ausführen, betont Lutz Jansen.

Bei Drößig hatten die Arbeiten im ersten Untersuchungsfeld in der letzten Aprilwoche begonnen. Bei Rüdingsdorf in der Nähe von Luckau hatte die Archäologen die Arbeiten wegen des Kranichschutzes unterbrechen müssen. Dorthin gehen Lutz Jansen und sein Team von Drößig aus zurück.