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Arbeitseinsätze auf dem Gut Kleinhof angeordnet

Doberlug-Kirchhain.. Die schwere Zeit nach Ende des Zweiten Weltkrieges brachte viele Entbehrungen, aber auch Verordnungen der neuen Machthaber. Die RUNDSCHAU beleuchtete diese Zeit in der Stadt Doberlug und veröffentlicht heute Teil I zur Stadt Kirchhain. Von Kurt Beilfuß

Am Sonntag, dem 22. April 1945, erreichten die ersten Einheiten der Roten Armee die Stadt. Zur Errichtung der Stadtkommandantur musste die Villa Schöne am Hagwall geräumt werden. Am 26. April setzte der Stadtkommandant den Stadtarbeiter Karl Kühne als Bürgermeister ein. Zunächst wurde eine neue Stadtverwaltung aufgebaut. Bei der Auswahl der Personen war Vor aussetzung, dass die Mitarbeiter keine Mitglieder der NSDAP und ihrer Organisationen waren und eine antifaschistische Einstellung hatten. Die vor ihnen stehenden Aufgaben erforderten hohe Einsatzbereitschaft, Willenskraft und Durchsetzungsvermögen.
Am 22. Juni wurde dem Stadtkommandanten die personelle Aufstellung der Stadtverwaltung überreicht. Vorgegeben waren: Bürgermeisterei, Dolmetscherei, Hauptbüro, Finanzwesen, Arbeitsamt, Polizei mit Einwohnermeldeamt, Standesamt, Ernährungsamt, Licht- und Wasserwerke, Schutz- und Kriminalpolizei, Feuerwehr. Ein antifaschistischer Block wurde gebildet, der Einfluss nahm auf die Stadtverwaltung und Empfehlungen gab. Folgende Straßen wurden umbenannt: Manteuffelstraße in Karl-Liebknecht-Straße, Hindenburgstraße wieder in Ackerstraße, Sedanstraße in Berliner Straße, Friedrichstraße wieder in Hauptstraße, Wilhelmstraße in Leipziger Straße, Lüderitzweg in Rosa-Luxemburg-Straße, Carl-Peters-Weg in Ernst-Thälmann-Straße, Moltkestraße in Goethestraße, Saarlandstraße in Dresdener Straße.
Der antifaschistische Block empfahl, alle Evakuierten, die noch einen weiteren Wohnsitz hatten bzw. keine Arbeit in der Stadt ausübten, auszuweisen, um Platz zu schaffen für die Flüchtlinge, die aus den Gebieten östlich von Oder und Neiße kamen.
Ab 16. Juni 1945 wurde auf Anordnung des Kommandanten das Polizeiwesen aufgebaut. Die ihm zugestellten Leute begaben sich an die nicht leichte Aufgabe, Ruhe und Ordnung zu schaffen. In der Bevölkerung herrschte vielfach die irrige Ansicht, dass nun ein gesetzloser Zustand herrsche. Dem musste die Polizei entgegentreten. Es gab Hausdurchsuchungen wegen Waffenbesitz und faschistischer Literatur. Einschreiten musste die Polizei bei böswilligem Fernbleiben von Arbeitseinsätzen, die von der Kommandantur befohlen worden waren. So gab es in der Erntezeit viel zu tun auf dem bisherigen Rittergut Kleinhof, auf dem von April bis September 1945 eine Einheit der Roten Armee einquartiert war. Der verlustlosen Einbringung der Ernte galt die ganze Aufmerksamkeit. Da das Korn sofort gedroschen wurde, hatte die Polizei Lagerräume für die Trocknung des Getreides zu beschaffen. Es gab sie in der Stadtbrauerei, auf der Kegelbahn und im Saal des Hotels „Zur Sonne“ , im Saal des Schützenhauses und der Reichsbrauerei, im Gemeinschaftsraum der Möbelfabrik Hensel & Söhne, in den Gerbereien Oettrich, Jacob, Mann, Fieritz, Schilling, Flemming, Hollmigk, Ilgenstein, Teichler, Weiland, Schnitter und anderen Betrieben. Gemahlen wurde das Korn in den drei Mühlen von Richard Geistmeier, Richard Förster und Radlach. (wird fortgesetzt)