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Anstoß für sechs kickende Eritreer

Die Finsterwalder Spielvereinigung hat sich räumlich tüchtig erweitert. Zur Einweihung überreicht Frank Zimmermann (r.), stellvertretender Bürgermeister, dem Vereinsvorsitzenden Sebastian Schulz ein paar neue Bälle.
Die Finsterwalder Spielvereinigung hat sich räumlich tüchtig erweitert. Zur Einweihung überreicht Frank Zimmermann (r.), stellvertretender Bürgermeister, dem Vereinsvorsitzenden Sebastian Schulz ein paar neue Bälle. FOTO: Babbe
Finsterwalde. Seit mehr als 100 Jahren hat der Finsterwalder Fußball an der Kirchhainer Straße eine feste Adresse. Spektakuläre Siege sind hier seitdem viele Male gefeiert worden – aber ganz selten eine so große Einweihung. Der letzte Freitag war solch ein Tag. Am alten Vereinsheim der Spielvereinigung ist für viel Geld angebaut worden. Dieter Babbe /

Fast 150 000 Euro hat der Anbau gekostet, in dem sich die Spieler in modernen und großzügigen Räumen umziehen und duschen können. Auch für die Zuschauer stehen neue Toiletten zur Verfügung, sogar eine separate Behindertentoilette gibt es jetzt. Mit immerhin 90 000 Euro hat die Stadt, die Eigentümerin vom Einheit-Platz ist, dem Verein unter die Arme gegriffen - nachdem man viele Jahre vergeblich auf Fördergeld gehofft hatte, wie Frank Zimmermann, der stellvertretende Bürgermeister, bei der Einweihung erinnert hat. Wenn schon Bauleute im Haus waren, ist bei der Gelegenheit gleich auch die Küche der Gaststätte komplett saniert worden, was noch mal 10 000 Euro gekostet hat. Nicht zuletzt durch die Hilfe von Sponsoren und weil einige Mitglieder selbst die Ärmel hochgekrempelt haben, konnte der Verein die hohen Kosten stemmen, würdigte der Vorsitzende Sebastian Schulz.

Im Jahre 1931 bekam die Spielvereinigung den Sportplatz, auf dem man schon seit Jahren spielte, von Kommerzienrat Max Koswig, dem größten Tuchunternehmer der Sängerstadt, geschenkt - der bis 1945 auch seinen Namen trug. Koswig war es dann auch, der dem Verein 1937 - zum 25. Jubiläum der Spielvereinigung - den Bau des Vereinsheims spendierte. In den 60er- und 70er-Jahre sind hier Umkleideräume, Versammlungsraum, Küche und Terrasse sowie die Innentoiletten dazu gekommen.

Sportlich ist die Spielvereinigung der derzeit erfolgreichste Fußballklub in Finsterwalde. Bei mehr als 250 Mitgliedern sind über die Hälfte Kinder und Jugendliche. 14 Mannschaften spielen bei der Spielvereinigung jede Woche um Tore und Punkte. Hinzu kommt eine Mini-Spielgruppe, wo die die jüngsten Kicker erst 3,5 Jahre jung sind. "Wir setzen auf kontinuierliche Nachwuchsarbeit”, sagt der Vorsitzende Schulz. Wenn es im Sommer bei der Ersten einen größeren Spieler- und auch Trainerwechsel geben wird, werden die Lücken aus den eigenen Reihen geschlossen.

Seit kurzem kommt Verstärkung aber auch noch aus einer anderen Ecke. Erstmals in der langen Vereinsgeschichte gehören Ausländer zum Mannschaftsbild der Spielvereinigung. Nachdem sechs junge Eritreer, alles Bewohner vom Flüchtlingsheim am Lausitz-Flugplatz, anfangs nur zum Schnuppern auf den Einheit-Sportplatz kamen, sind sie jetzt mit Trikots und Schuhen voll eingekleidet. "In dieser Woche trainieren die Eritreer erstmals mit unseren Männern von der Zweiten Mannschaft”, kündigt Sebastian Schulz an.

Auch in Sachen Bauerei ist nach dem Anbau noch nicht das letzte Wort gesprochen. Wenn jetzt vor der Haustür die Kirchhainer Straße neu gemacht und nach dem Abriss der Brücke von der früheren Crinitzer Bahn die Senke aufgefüllt wird, bekommt der Traditionsverein endlich einen städtischen Abwasseranschluss - und einen völlig neuen Eingang zum Sportplatz auch.