ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:49 Uhr

Unterwegs mit sozialer Ader
Anna Wessel zieht es von Doberlug nach Westafrika

Anna Wessel sagt adé. Für Pfarrer Manfred Grosser war sie während ihres Gemeindepraktikums eine zuverlässige Mitstreiterin.
Anna Wessel sagt adé. Für Pfarrer Manfred Grosser war sie während ihres Gemeindepraktikums eine zuverlässige Mitstreiterin. FOTO: LR / Gabi Böttcher
Doberlug-Kirchhain. Eigentlich wollte Anna Wessel nur bis März in Doberlug-Kirchhain bleiben. Inzwischen ist es Mai geworden. In der Evangelischen Klosterkirchengemeinde Doberlug fühlt sie sich wohl. Doch jetzt geht die 18-Jährige nach Ghana. Von Gabi Böttcher

An neu hinzu gewonnenen Lebenserfahrungen mangelt es Anna Wessel nach sieben Monaten ihres Praktikums in der Evangelischen Klosterkirchengemeinde Doberlug nicht. Pfarrer Manfred Grosser und dessen Familie, ja die gesamte Kirchgemeinde haben dafür gesorgt, dass sich Anna aufgenommen und gebraucht fühlte. „Ich habe hier durchweg nette Menschen kennengelernt, wurde oft zum Essen eingeladen“, erzählt die junge Frau. Sie konnte ihre Fähigkeiten, die sie bereits in ihrer Heimat in Schleswig-Holstein mit dem Erwerb eines Jugendgruppenleiter-Scheines unter Beweis gestellt hatte, nach Herzenslust einbringen. Ob bei der Arbeit mit den Pfadfindern, mit den Konfirmanden, bei Jugendfreizeiten, als Helferin bei der montags stattfindenden Tafel-Ausgabe in Kirchhain oder der Unterstützung des Schuljugendreferenten im evangelischen Gymnasium – Annas Mitarbeit war gefragt.

Pfarrer Manfred Grosser lobt: „Sie ist belastbar, ein Typ, der ranklotzt. Man konnte ihr Aufgaben aufs Auge drücken, die sie ganz eigenständig erledigt hat“, sagt er. Mit dem Jugendgottesdienst am Samstag, 5. Mai, hieß es für Anna Abschied nehmen von Doberlug-Kirchhain. Tags darauf ging es zunächst nach Hause, nach Mehlbek. Impfungen und Vorbereitungen für die Reise nach Ghana stehen an.

Dafür, dass Anna nach ihrem Abitur erst einmal drei Monate nicht so recht wusste, wie es weitergehen soll, hat sie jetzt eine Vorstellung von ihrer Zukunft. Die Überlegung, Gemeindepädagogin zu werden,  sei tatsächlich in Doberlug-Kirchhain gereift. Mittlerweile hat sie sich an der Evangelischen Fachhochschule in Moritzburg für ein Studium beworben, eine weitere Bewerbung läuft in Dresden im Bereich Soziale Arbeit. All das passt zu dem nächsten Schritt, den die junge Frau gehen wird. Im Juni führt sie der Weg für drei Monate nach Ghana. In der Hauptstadt Accra wird Anna in verschiedenen Projekten mit Kindern arbeiten. Hier kann sie ihre Englisch-Kenntnisse anwenden.

Als Anna Wessel vor sieben Monaten nach Doberlug kam, war sie überrascht, dass es hier so wenige gläubige Menschen gibt. Aus ihrer starken, heimischen  Bonifatiusgemeinde kommend, musste sie sich auf die neue Situation einstellen. Aber das steckte ja auch hinter ihrem Entschluss, in Neuland aufzubrechen, sich auf neue Umstände einzulassen.  Kontakte in die Sängerstadtregion werde sie mit Sicherheit weiter halten. Zu Menschen wie den Dombrowes, die sie in Finsterwalde kennenlernte, aber natürlich auch zur Pfarrersfamilie Grosser. Die Region mit ihrer ländlichen Ruhe und gleichzeitig guten Lage zu Orten wie Dresden, Meissen und Berlin gefalle ihr gut.

Pfarrer Manfred Grosser möchte an Annas Engagement in der Jugendarbeit der Gemeinde anknüpfen und zum Herbst eine Stelle für ein Freiwilliges soziales Jahr einrichten. Das sei eine Stelle, die in die Region ausstrahle und jungen Menschen helfe, ihren Horizont zu erweitern. Um eben diesen Horizont geht es auch Anna, die sich mit großer Offenheit auf ihre Aufgabe in Westafrika freut. „Ich denke, dass die Arbeit dort meinen Blick auf unsere Konsumgesellschaft schärft, dass die Erfahrung, mit wenig auszukommen, eine gute, prägende Erfahrung sein wird.“

Mal sehen ob sie Zeit findet,  den Lesern  der RUNDSCHAU von ihren Eindrücken zu berichten.