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Angst vor neuen Ideen? Ich fürchte die alten!

Kurzweilig und informativ: Podiumsgespräch mit Diana Zeitschel, Panagiofis Kilimis, Thomas Mierisch, Gabriele Knütter und Andy Hoffmann (v.l.).
Kurzweilig und informativ: Podiumsgespräch mit Diana Zeitschel, Panagiofis Kilimis, Thomas Mierisch, Gabriele Knütter und Andy Hoffmann (v.l.). FOTO: Böttcher
Finsterwalde. Die Trommlergruppe "Natsumi Taiko" um Kerstin Lorenz lieferte für den 19. Tag der Ausbildung und Beschäftigung am Freitagabend in der Aula der Finsterwalder Oscar-Kjellberg-Oberschule schon mal einen kraftvoll-innovativen Auftakt. Ohne Innovationen keine Zukunft – das gilt für alle Lebensbereiche, ganz besonders für wirtschaftliches Wachstum. Beim Unternehmerabend zum Messeauftakt wurde das deutlich. Gabi Böttcher

Zu den Paradebeispielen des Erfolges auf der Grundlage von Innovationen und Wachstum gehört die in diesem Jahr mit dem Elbe-Elster-Ausbildungsstar geehrte uesa GmbH aus Uebigau. Bereits mit dem Oskar des Mittelstandes und zuletzt 2015 als Top-Innovator in der Branche Elektronik/Elektrotechnik bedacht, sei die Auszeichnung mit dem Ausbildungsstar 2016 ein erneut "erfreuliches Zeichen des Dankes und der Anerkennung für in vielen Jahren Erreichtes". - Uesa-Geschäftsführer Helmut Hoffmann freut sich über zahlreiche Gratulanten, die sich dem Urteil der Jury anschließen. 80 Prozent der beim Elektro- und Schaltanlagenbauer ausgebildeten jungen Menschen sind seit dem Jahr 1990 auch übernommen worden.

Fachkräfte und Technik

Ohne engagierte Facharbeiter und Facharbeiterinnen seien die Erfolge des Unternehmens nicht möglich gewesen, würdigte Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU). Die Qualifizierung der Belegschaft, gepaart mit modernster Technik, sei das Erfolgsrezept für das gleichbleibend hohe Qualitätsniveau, das die uesa GmbH ihren anspruchsvollen Kunden biete. Für Heinz-Wilhelm Müller, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Cottbus, gehört es untrennbar zusammen, als Unternehmer auch innovativ zu sein.

Dass sich uesa in diesem Jahr gegen weitere sieben Bewerber durchsetzen konnte, bringt Uebigau-Wahrenbrücks Bürgermeister Andreas Claus auch mit einer Innovation der Nominierung in Verbindung. Die vier Kommunen der Kurstadtregion hatten uesa als gemeinsamen Vorschlag eingereicht.

Inspirierender Abend

Das Unternehmerforum zum Auftakt der Ausbildungsmesse geht auch im Jahr 2016 als inspirierender, Kontakte vermittelnder und Optimismus säender Abend in die Geschichte ein. Jens Zwanzig, Geschäftsführer der Regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Elbe-Elster, wies auf einen sich in jüngster Zeit verstärkenden Trend hin. Unternehmen müssten auch innovativ sein, um Azubis für sich zu gewinnen. Wenn die vor drei Jahren von Sängerstadt-Bürgermeister Jörg Gampe geäußerte Hoffnung, die nächste Ausbildungsmesse in einer neuen Stadthalle zu präsentieren, auch nicht aufging - das nächste Mal solle sie tatsächlich Veranstaltungsort sein.

In gewohnt unterhaltsamer Manier führte Thomas Mierisch von der Agentur für Arbeit durch ein kurzweiliges Podiumsgespräch. Diana Zeitschel und Panagiofis Kilimis vom Innovationszentrum Moderne Industrie (IMI)Brandenburg machten ihre Angebote an kleine und mittelständische Firmen deutlich, bei Herausforderungen zunehmender Automatisierung und Digitalisierung der Unternehmensprozesse zu unterstützen. Das kleinste Unternehmen, das bisher Hilfe beim IMI suchte, zählt vier Mitarbeiter.

Schulungsstätte angedacht

Auf 200 Mitarbeiter gewachsen ist die Gesellschaft für Telearbeit GmbH (Gefta), ein Viertel der Mitarbeiter agieren in Heimarbeit in Elbe-Elster. Vom Tag eins an dabei ist Gabriele Knütter. Sie vertrat am Freitagabend Unternehmensgeschäftsführer Thomas Dehler als lebendiges Beispiel einer auch in Elbe-Elster geschriebenen Erfolgsgeschichte. Vor vier Jahren hatte dieser innovative Vorstoß, Arbeit zu den Menschen in die ländliche Region zu bringen, in Partnerschaft mit der Agentur für Arbeit begonnen. Gabriele Knütter ist heute Teamleiterin. Per Videoeinspiel schickte auch Geschäftsführer Thomas Dehler seine Grüße nach Finsterwalde. Er versehe nicht, warum Menschen Angst vor neuen Ideen hätten. "Ich fürchte die alten", so Dehler. An eine Schulungsstätte für Führungskräfte in Sachen "Work at home" im Bereich Herzberg ist gedacht.

Dass eine weitere Expansion dieses Heimarbeit-Angebotes zumindest in Finsterwalde nicht mehr an unzureichenden Internetverbindungen scheitern soll, daran arbeiten die Stadtwerke Finsterwalde intensiv. Mit dem Ziel, "das Netz auch über Finsterwalde hinaus auszurollen". Wie Stadtwerke-Geschäftsführer Andy Hoffmann eindrucksvoll belegen konnte, sind seit 2014 in Partnerschaft mit der Kommunalen Wohnungsgesellschaft mehr als 2300 Wohnungen mit einem Glasfaseranschluss versorgt worden. "Unser Netz kann 1 GBit/s sowohl im Up- als auch im Download liefern", so Andy Hoffmann. Das Glasfasernetz fungiert als Innovation mit Sogkraft für große Industrieunternehmen, aber auch für kleine Firmen mit mehreren Standorten und hohem Bedarf an schnellen, unkomplizierten Datentransporten. Ein Nachfrage-Ende ist nicht in Sicht.