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Architektenpreis
Anderes Bauen bedarf der Überzeugung

Clemens Habermann, Jürgen Habermann und Lukas Bartke (v.r.) im  evangelischen Gemeindehaus Finsterwalde, wofür es den Brandenburgischen Baukulturpreis gab.
Clemens Habermann, Jürgen Habermann und Lukas Bartke (v.r.) im  evangelischen Gemeindehaus Finsterwalde, wofür es den Brandenburgischen Baukulturpreis gab. FOTO: Architekturbüro Habermann / Weser Jürgen
Finsterwalde. Der Brandenburger Baukulturpreis ging 2017 an das Architekturbüro Habermann – für das neue evangelische Gemeindehaus in der Schloßstraße. Jürgen Weser

Aufregung herrschte seit einigen Tagen im Architekturbüro Habermann. Jürgen und Sohn Clemens Habermann sowie Lukas Bartke waren nach Potsdam zur Vergabeveranstaltung vom renommiertesten Architekturpreis des Landes Brandenburg eingeladen. Am Mittwoch dann das große Ereignis: Für das neue Evangelische Gemeindehaus in der Schloßstraße Finsterwalde wurden sie mit dem Brandenburgischen Baukulturpreis 2017 ausgezeichnet. Ausgelobt wird er von der Brandenburger Architekten- und Ingenieurkammer unter Schirmherrschaft des Ministeriums für Infrastruktur.

Die Freude ist bei allen drei Architekten riesengroß. Zwar haben sie mit dem Preis der Deutschen Bauzeitung und dem Ziegelpreis bereits zwei Auszeichnungen für den Backsteinziegelbau erhalten, aber der Baukulturpreis als wichtigster Architekturpreis des Landes Brandenburg ist eine besondere Ehrung.

Für Jürgen Habermann ist neben der persönlichen Würdigung wichtig, dass mit dem Preis auch eine kleine Stadt im Süden Brandenburgs jenseits der großen Metropolen geehrt wird und Aufmerksamkeit erfährt. Momentan, so Clemens Habermann, befinde sich das Gemeindehaus auch noch im Rennen um den internationalen Architekturpreis der Wüstenrot-Stiftung, die das Bauen in denkmalwürdiger Bausubstanz in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Fokus hat.

Dabei war dem Bauprojekt der Erfolg nicht unbedingt von Beginn an sicher. Die Kirchengemeinde Finsterwalde hatte den Bau des Gemeindehauses ausgeschrieben. Jürgen Habermann wollte 2012 etwas Gemeinsames mit seinem Sohn Clemens, der gerade im Masterstudiengang war, in Angriff nehmen. Der stimmte zu und holte den Studienfreund Lukas Bartke mit ins Boot. Erfahrung traf auf Lust am Außergewöhnlichen und so entstand der Entwurf in der Tradition der Backsteinarchitektur als „Zwilling“ zum benachbarten neogotischen Pfarrhaus als historischer Backsteinbau. Ihr Ziegelbau setzte sich aber nur knapp im Bauausschuss der Kirchengemeinde gegen einen modernen Entwurf durch. Es dauerte dann bis 2015, ehe das Bauobjekt realisiert werden konnte. Vor einem Jahr ist es unter großem öffentlichen Interesse seiner Bestimmung übergeben worden. „Anderes Bauen bedarf der Überzeugung und braucht Zeit“, kommentiert Jürgen Habermann. Die Hartnäckigkeit hat sich gelohnt, nicht nur wegen des Preises.

Gelobt werden inzwischen von den Nutzern die Funktionalität, die Einzigartigkeit der lebendigen Klinkerarchitektur mit sakraler Wirkung auch im Innenbereich, die klare Gliederung der Räumlichkeiten und die verblüffende Großzügigkeit der einzelnen Bereiche trotz der geringen Ausmaße des Hauses sowie die Umsetzung im Detail. „Die Tradition von Backsteinarchitektur konsequent durchsetzen“, war das erklärte Ziel von Lukas Bartke und Clemens Habermann und wurde bei der Preisvergabe von der Jury ausdrücklich hervorgehoben. Beide schwärmen von der Kraft nordischer Backsteinkirchen. Für Jürgen Habermann ist wichtig, dass das Gebäude an die Nachbarschaft angelehnt wurde und „eine besondere städtebauliche Interpretation entstanden ist“.

Die Preisträger wissen, dass ihr Erfolg viele Väter hat. Pfarrer Markus Herrbruck und der Kirchenkreis Niederlausitz wussten sie als starke Partner bei der Durchsetzung des anspruchsvollen Projektes an ihrer Seite. „Die Baufirma Lindstädt musste mit den traditionell hergestellten Ziegeln umgehen, die heimische Tischler- und die Elektrofirma haben sich mit toller Arbeit in das ungewöhnliche Bauvorhaben eingebracht und ungewohnte Bauabläufe und Arbeitsweisen bewältigt“, lobt das Architektenteam.

Das Architekturbüro Habermann hat bereits zahlreiche Markenzeichen in Finsterwalde gesetzt. Die Hauptstelle der Sparkasse, der Stadtwerke-Komplex, das Kjellberg-Technikum, die Umgestaltung des Sängerstadt-Gymnasiums und zuletzt der Umbau einer ehemaligen Villa in der Leipziger Straße zum attraktiven Wohnhaus sind einige Beispiele.

Nach der Freude über den Architekturpreis steht für Jürgen und Clemens Habermann der Bau der Finsterwalder Stadthalle als nächste Herausforderung bevor. Sie stecken mitten in den Planungsarbeiten.

Evangelisches Pfarrhaus (links) und neues Gemeindehaus Finsterwalde
Evangelisches Pfarrhaus (links) und neues Gemeindehaus Finsterwalde FOTO: Architekturbüro Habermann