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Elektromobilität
Eine Amtsverwaltung stellt auf E-Autos um

Die Amtsmitarbeiter müssen sich noch an das neue Fahrgefühl gewöhnen: Denn die E-Autos haben ein Automatikgetriebe und sind nahezu geräuschlos.
Die Amtsmitarbeiter müssen sich noch an das neue Fahrgefühl gewöhnen: Denn die E-Autos haben ein Automatikgetriebe und sind nahezu geräuschlos. FOTO: Daniel Friedrich / LR
Massen. Viele Autofahrer sind noch nicht überzeugt. Doch in einigen Ämtern des Landkreises wird auf Elektroautos gesetzt - die einen ganz, die anderen zu Testzwecken. Über Erwartungen und Erfahrungen klimafreundlicher Fortbewegung. Von Daniel Friedrich und Manfred Feller

Während bei den Sondierungsgesprächen in Berlin noch über das Ende von Verbrennungsmotoren und um alternative, umweltfreundliche Antriebsarten gerungen wird, hat man sich im Amt Kleine Elster bereits entschieden: Mit dem Kauf von zwei Elektro- und einem Hybridfahrzeug will Amtsdirektor Gottfried Richter ein Zeichen in Richtung Klimaschutz setzen. „Wir als Amtsverwaltung möchten in gewisser Weise Vorreiter sein“, sagt Richter über die Neuanschaffung.

Als die Leasingverträge der alten Amtsfahrzeuge ausliefen, habe man sich schnell entschieden, dieses Mal einen neuen, klimafreundlichen Weg zu gehen. So schaffte sich die Verwaltung zwei weiße Elektroautos an, die zu 100 Prozent ohne Abgase auskommen. „Die Fahrzeuge erreichen mit einer Aufladung durchschnittlich 300 Kilometer“, erläutert Danilo Weser, beim Amt für die Fahrzeugbeschaffung zuständig. Das sei ausreichend, um Termine im Amtsgebiet oder auch in Herzberg oder Senftenberg wahrzunehmen. Doch mitunter stehen auch Langstreckenfahrten in die Landeshauptstadt Potsdam an. „Dann kommt die Reichweite der Elektroautos schon an ihre Grenzen“, begründet Gottfried Richter den Kauf eines dritten neuen Fahrzeugs: einem Hybrid-Passat. Dieser könne sowohl mit Batterie als auch mit Treibstoff angetrieben werden, quasi als Kompromiss.

Klimaschutz kostet Geld

Erwartet wird, dass die drei Autos insgesamt rund 3,2 Tonnen Kohlendioxid (CO2) im Jahr einsparen, zudem sind E-Autos von der KFZ-Steuer befreit. Je nach Entwicklung der Benzin- und Strompreise geht die Verwaltung davon aus, dass sich die Antriebskosten nun halbieren werden. Doch Amtsdirektor Richter macht auch klar: „Klimaschutz zum Nulltarif gibt es nicht.“ Denn die Leasingrate für die neuen Fahrzeuge liege – alle Einsparungen eingeschlossen – um 60 Prozent höher, als von herkömmlichen Autos.

Damit der Akku seines Dienstfahrzeugs einmal komplett geladen ist, muss es Gottfried Richter rund 17 Stunden an die Steckdose in seiner Garage anschließen. Am Starkstromnetz würde es nur vier bis fünf Stunden dauern. „Wenn die Nachfrage vorhanden ist und die finanzielle Unterstützung noch steigt, planen wir auch eine solche Schnellladestation in unserem Amtsgebiet“, sagt Richter.

Gute Erfahrungen in Plessa

Schließlich ist sein Amt im Elbe-Elster-Kreis nicht das einzige, das Erfahrungen mit Elektroautos sammelt oder bereits gesammelt hat: Knapp drei Wochen lang hat die Amtsverwaltung Plessa den vom regionalen Energieversorger zur Verfügung gestellten elektrischen Pkw BMW i3  getestet. Das Fazit des von insgesamt acht Mitarbeitern gefahrenen E-Autos fällt nach den Worten von Amtsdirektor Göran Schrey positiv aus: „Wir sind locker überall hingekommen. Das Auto ist leise und fährt sich aufgrund der fehlenden Gangschaltung leichter. Und es beschleunigt sehr gut. Wir waren zufrieden.“

Großes leisten musste das Elektrogefährt allerdings nicht. Die weitesten Strecken betrugen rund 50 Kilometer. Insgesamt wurden 650 Kilometer zurückgelegt. Für den Dienstgebrauch im Amtsgebiet zwischen Schraden und Staupitz reichte dies allemal. Die Reichweite des bereitgestellten Autos könne durch einen Benzingerator, der bei leeren Akkus Energie erzeugt, auf bis zu 300 Kilometer ausgedehnt werden. Geladen wurde an einer temporär aufgestellten Ladesäule von enviaM in der Amtsgarage in Plessa. Interessant sind für die Verwaltungen die laufenden Kosten: etwa fünf Euro koste die Elektroenergie für 100 Kilometer. Beim Benziner wären es 9,10 Euro, hat der Amtsdirektor ausgerechnet.

„Für den Dienstgebrauch im Amtsbereich ist das Auto praktikabel“, sagt Göran Schrey. Allerdings besitze die Verwaltung keinen Pkw. Die Mitarbeiter fahren mit ihrem eigenen Untersatz und erhalten dafür Kilometergeld. Das Amt plane aus Kostengründen auch keinen Fahrzeugkauf.

Für seine privaten Zwecke eigne sich so ein Fahrzeug nicht, gesteht der Amtsdirektor. „Ich möchte flexibel fahren. Mit einem Elektroauto muss ich mich vorher über Ladestationen informieren. Ist gerade dann eine frei, wenn ich sie brauche? Und ich muss eine längere Ladezeit in Kauf nehmen. Wenn eines Tages Preis und Reichweite stimmen, würde er zugreifen.

„Elektroautofahren macht Spaß“

Die Amtsverwaltung Plessa hatte sich mit vielen anderen Kommunen im enviaM-Gebiet für die Testwochen mit dem BMW i3 beworben. 31 Städte und Gemeinden haben den Zuschlag erhalten. Dazu gehörte vor Plessa auch die Amtsverwaltung Schradenland. „Elektroautofahren macht Spaß“, erinnert sich Amtsdirektor Thilo Richter gern an die Testwochen mit dem „tollen Auto“. Er sei sehr viele Kilometer gefahren und habe die Möglichkeiten ausgereizt. Die Batterien wurden gefahren, bis sie leer waren. Der Generator habe problemlos weitergeholfen. „Als Dienstwagen für Fahrten im Landkreis reicht so ein Auto“, meint Thilo Richter. „Meine größte Sorge war anfangs, ob ich aus der Kreisstadt Herzberg wieder zurückkomme.“ Die etwa 100 Kilometer hin und zurück meisterte das E-Auto jedoch. Es blieben trotz zügigen Fahrens noch einige elektrische Restkilometer übrig. Ein Problem ist das Laden. Die einzige öffentliche Station im Amt Schradenland besitze die Amtsverwaltung in Gröden, die aber nur nach Anmeldung genutzt werden kann.

„Diese Fahrzeuge sind praxistauglich, auch wenn der Anschaffungspreis abschreckend ist. Aber da wird sich was bewegen. Im Jahr 2030 wird fast jedes Auto eines mit Elektroantrieb sein“, ist Thilo Richter überzeugt, dass die Fahrzeuge verstärkt auch in den privaten Bereich einziehen werden. Auch bei den Smartphones sei die Entwicklung entsprechend des Bedarfs rasant gewesen.