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| 02:39 Uhr

Am Bergheider See Zukunft gestalten

So könnte das innovative Haus aussehen, das ab Herbst dieses Jahres am Bergheider See seinen Platz finden soll.
So könnte das innovative Haus aussehen, das ab Herbst dieses Jahres am Bergheider See seinen Platz finden soll. FOTO: Fraunhofer IVI
Lichterfeld. Der Bergheider See bekommt eine Attraktion, die bundesweit einmalig ist. Der Prototyp eines schwimmenden Hauses, das sich autark versorgen kann, soll bis Mitte 2017 hier auf dem Wasser liegen. Doch zunächst ist die Herkulesaufgabe zu lösen, bis zum 31. August dieses Jahres die Infrastruktur an Land vorzubereiten. Gabi Böttcher

Nicht am Geierswalder See im Sächsischen, wo ein Liegeplatz bereits reserviert war, sondern am Bergheider See im brandenburgischen Lichterfeld soll ab Herbst dieses Jahres das innovative Haus entstehen. Prof. Dr. Matthias Klingner, Chef des Fraunhofer-Institutes für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI in Dresden, hat es am Mittwochabend im Werkstattwagen der Förderbrücke F 60 während der Sitzung der Gemeindevertreter von Lichterfeld-Schacksdorf verkündet: "Ja, wir machen es gern hier." Die im Herbst 2014 offiziell gestartete Forschungsarbeit von 15 Partnern am Projekt "autartec® - FreiLichtHaus" soll damit für Fachwelt und Touristen sichtbar werden. Der am Projekt beteiligte Spezialist für schwimmende Häuser, der Metallbau-Unternehmer Thomas Wilde aus Massen, baute die Brücke an den Bergheider See. Bürgermeister Ditmar Gurk und die Gemeindevertretung Lichterfeld-Schacksdorf sowie Gottfried Richter, Amtsdirektor im Amt Kleine Elster, stellten nunmehr die Weichen für eine Herkulesaufgabe: Bis 31. August dieses Jahres soll die Infrastruktur an Land mit Zufahrtsstraße und Bootsanleger fertig sein. Das wiederum geht nur gemeinsam mit der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) als Projektträger. Wirtschaftswege, die zur Sanierung am Bergheider See zwingend erforderlich sind, werden zur Basis für die öffentlichen Straßen. Über das Bund-Länder-Abkommen zur Finanzierung der Braunkohlesanierung kommen 80 Prozent der Mittel, für die Gemeinde bleiben 20 Prozent. Insgesamt sind 3,5 Millionen Euro notwendig. Der Anteil der Gemeinde fließt aus Grundstücksverkäufen und soll - wenn noch nötig - aus einem Kredit finanziert werden. Mit dem Beschluss der Haushaltsdokumente für 2016 besiegelten die Gemeindevertreter in dieser Woche ihren Part.

Für den 15. Mai ist der Baustart geplant, Gründonnerstag ist das Vorgespräch zum Bauantrag. Der Zeitplan ist eng gestrickt. Thomas Wilde vom Projektteam hat für den Aufbau des Hauses vor Ort die Regie übernommen.

Der Lohn für ein erfolgreiches Zusammenwirken in der Region ist vielversprechend: Prof. Dr. Matthias Klingner erklärt, dass das autartec-Haus wirtschaftliches Wachstum in der Region befeuern und auch den Tourismus beleben soll. Es werden innovative Produkte und Technologien angewandt und demonstriert, die neue Siedlungen am oder im Wasser sowie in Gebieten ermöglichen, in denen es keine Infrastruktur gibt. Dazu zählen die Stromerzeugung durch organische Photovoltaik, die Stromspeicherung über langlebige Batterietechnologien, die Gewinnung von Wärme durch Solarthermie und ein biologie- und chemiefreies Abwassersystem. Energiespeicher, die in Treppen- und Gebäude integriert sind und Platz zum Leben schaffen sowie Leichtbaumaterialien werden eingesetzt. "Und wir wollen auch ein architektonisch schmuckes Haus an den Bergheider See stellen", sagt Matthias Klingner. Auf eine Sonnenterrasse habe Thomas Wilde besonderen Wert gelegt.

Der Massener Pionier auf dem Gebiet der schwimmenden Häuser sagt: "Es ist uns eine große Freude, bei einem solchen innovativen Projekt mitzumachen." Innovativ wird es durchaus auch für die beteiligten Behörden. Sie haben es zum Beispiel mit Baustoffen zu tun, die im Landkreis nie zuvor in einem Bauantrag vorgekommen sind.

"Der Landkreis unterstützt uns mit Vollgas", sagt Amtsdirektor Gottfried Richter. Und Matthias Klingner macht klar: "Meine Hochachtung für Ihr Engagement. Wir müssen drängeln. Eine Projektverlängerung gibt es nicht, nach drei Jahren ist Schluss."

Zum Thema:
Das autartec®-FreiLichtHaus-Projekt wird als innovativer Wachstumskern in der Region Südbrandenburg / Ostsachsen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit acht Millionen Euro gefördert. Angesichts des schnell wachsenden Bedarfes an energetisch und raumklimatisch funktionalisierten Gebäuden sollen autartec®-Technologien für weitgehend eigenversorgte Gebäude entwickelt und vermarktet werden.