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| 15:34 Uhr

Standesämter vorgestellt
Am 18.8.18 bisher eine Trauung

Die Standesbeamtinnen von Sonnewalde im Trauzimmer im Schloss: Ute Reinold (l.) und Heidi Skowronek.
Die Standesbeamtinnen von Sonnewalde im Trauzimmer im Schloss: Ute Reinold (l.) und Heidi Skowronek. FOTO: Heike Lehmann
Sonnewalde. Im Standesamt der Stadt Sonnewalde wartet man auch mal auf Brautpaare. Von Heike Lehmann

Seit dem 11.11.1985 besiegelt Ute Reinold von Amts wegen das Glück zwischen zwei Menschen. Sie ist seit 33 Jahren Standesbeamtin in Sonnewalde. Wie oft sie das Ja-Wort gehört hat, weiß sie nicht genau. Aber sie überschlägt schnell. „Durchschnittlich finden 15 Trauungen im Jahr in Sonnewalde statt – bei nur 3300 Einwohnern eine durchaus gute Quote“, wie sie meint. „Das heißt, ich habe um die 500 Ehen geschlossen.“

Seit dem 1. Oktober 2001 ist auch Heidi Skowronek, die Sekretärin des Bürgermeisters, Standesbeamtin. In der Stadtverwaltung arbeitet sie schon seit 19 Jahren. Was beide Frauen trotz ihrer Berufserfahrung und Lebensjahre zugeben, ist, dass sie vor jeder Trauung Herzklopfen haben – und das, obwohl es noch nicht wirklich eine echte Panne oder überhaupt Schrecksekunde gegeben hat. „Und wenn, dann merkt es das Brautpaar ohnehin nicht“, sagt Ute Reinold. Was dagegen hilft? „Man muss zeitig genug da sein und dann ein bisschen runterfahren“, meint Heidi Skowronek.

Geheiratet werden darf in Sonnewalde an allen Tagen – außer sonn- und feiertags, das verbietet das Gesetz. „Gewählt wird meist der Samstag und da zunehmend der Nachmittag, gern auch erst 14.30 Uhr oder 15.30 Uhr“, verdeutlicht Ute Reinold. Das habe mit der Feierkultur zu tun. Und weil Sonnewalde, im Gegensatz zu anderen Standesämtern der Region, diese Uhrzeiten ermöglicht, kommen die Heiratswilligen längst nicht nur aus der eigenen Stadt und deren Ortsteilen. „2017 habe ich sogar einige Berliner getraut. Ein Paar hatte per E-Mail angefragt“, erinnert sich Ute Reinold. „Sie kamen dann auch nur zu dritt mit Kind.“

Im Sonnewalder Standesamt werden aber nicht nur Ehen geschlossen. Ute Reinold kümmert sich auch um Vaterschaftsanerkennungen, Erklärungen zur Namensführung und Sterbefälle und sie stellt Urkunden aus. „Auch die Ahnenforschung ist bei uns ein ganz großes Thema. Viel Zeit aber kosten momentan Anfragen zu Rückführungsansprüchen an Grund und Boden“, erzählt sie.

Zurück zum Heiraten. „Ich habe nie eine eingetragene Lebenspartnerschaft in Sonnewalde gehabt, aber als das Gesetz gleichgeschlechtliche Ehen zuließ, da saßen sofort zwei Männer bei mir und wollten heiraten. Es waren wohl mit die ersten im Landkreis Elbe-Elster.“

„Wer heute mit 30 den Bund der Ehe eingeht, ist jung“, sagt Heidi Skowronek. „Mit 18 und 20 Jahren heiraten wie früher, die Zeiten sind vorbei. Heute leben die Paare schon länger zusammen, haben Kinder, bevor sie dann heiraten“, meint sie. 35 Plätze bietet das Trauzimmer im Schloss, mit zusätzlichen Stühlen haben bis zu 50 Gäste Platz – „dann ist es aber wirklich eng“, gibt Ute Reinold zu. Andere Trauorte gibt es in Sonnewalde nicht. Individuelle Wünsche während der Trauung würden aber gern erfüllt. Die Palette reicht von der eigenen Musik, sogar selbst gedichtete Lieder hat es schon gegeben, über Livemusik mit Geige, Trompete oder Gesang, bis hin zum Hund, der bei der Zeremonie dabei sein sollte. „Einmal wollte unbedingt die Mutter ein paar Worte sagen, warum nicht?“, meint Ute Reinold. Heidi Skowronek ergänzt: „Ein Brautpaar hat sogar mal getanzt.“ Und auch vor dem Schloss passiert viel. Vor kurzem erst gab es lautes „Tatütata“, weil das Paar bei der Feuerwehr aktiv ist. Öfter fahren Motorräder vor, Tauben steigen auf, Holz wird gesägt oder ein Bettlaken ausgeschnitten.

Auch Kurioses wissen die Sonnewalder Standesbeamtinnen zu berichten. „Ich habe mal fast eine Stunde auf eine Doppelhochzeit gewartet, an einem Ostersamstag. Das waren zwei Schwestern, deren Eltern aus Finsterwalde waren. Das ist lange her, Handys gab es noch nicht. Man hatte wohl nicht beachtet, dass zwei Bräute bei einem Frisör die doppelte Zeit brauchen“, erinnert sich Ute Reinold. Und auch daran: „Es kam mal ein Busfahrer ohne Hochzeitsgesellschaft aus Finsterwalde, um zu sehen, ob seine Fahrgäste schon da sind. Man hatte sich verfehlt. Der Bus ist leer an ihnen vorbeigefahren, weshalb schnell private Autos organisiert wurden.“

Am 18.8.18 wird nach jetzigem Stand eine Trauung in Sonnewalde stattfinden. „Die war weit im Voraus reserviert“, so Ute Reinold. Mit den besonderen Daten haben’s die Sonnewalder nicht so. Am 8.8.88 war keine Trauung, am 9.9.99 nicht, aber am 5.5.05. Da hat Heidi Skowronek geheiratet. Getraut wurde sie von Kollegin Ute Reinold.