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| 01:37 Uhr

Alter Stallboden in Gruhno soll Heuhotel werden

Gruhno. Die vielen Löcher im Ziegeldach lassen nicht nur Licht, sondern auch Regen ins Haus. Innen ist bereits die Lehmdecke eingestürzt. Eine mit zwei Holzbrettern vernagelte Eingangstür warnt: Betreten verboten – Einsturzgefahr! Ausgerechnet dieses Haus, das älteste in Gruhno, soll erhalten und zu einem Kulturhof werden. Von Dieter Babbe

Der Name Christoph Scholbach und die Jahreszahl 1848 sind über der Eingangstür ins Holz geritzt. Bis 1995 hat Wilhelm Streeck, ein eingeheirateter Nachfahre, hier als Letzter bis zu seinem Tode gelebt. Seit dem steht der kleine Vierseitenhof mit dem Bauernhaus im Fachwerkstil leer – und ist dem Verfall preisgegeben. Zumindest in den Gedanken einiger Gruhnoer lebt das marode Anwesen wieder auf.

„Wir wollen aus dem noch ursprünglich erhalten gebliebenen Bauernhof einen Kulturhof machen“, sind sich Sybille Schrey und Eckhard Heinrich mit dem Förderverein Gruhno einig. Ein Förderverein, der eigentlich gegründet wurde, um die fast 180 Jahre alte Schröther-Orgel wieder wie früher zum Klingen zu bringen. Und das nicht nur zu Gottesdiensten, sondern auch bei Konzerten, die das kleine Gruhno mit nur 140 Einwohnern den Ruf eines Kulturdorfes verleihen soll. „Da passt es gut, den Bauernhof unmittelbar neben unserer Kirche, der ebenso ein Denkmal ist, gleich mit zu nutzen“, so Heinrich, der Vereinsvorsitzende.

Und Sybille Schrey weiß auch schon, wo was hinkommt: Aus dem Wohnhaus mit der einzigartigen „schwarzen Küche“, einer Kammer mit offenem Rauchfang, wird ein Museum mit einer Ausstellung historischer Fotos. Mehr als 1600 alte Bilder aus der Gruhnoer Dorfgeschichte hatten Sybille Schrey und Bernhard Wagner in aufwendiger Kleinarbeit für die als Buch erschienene Dorfchronik zusammengetragen. In der früheren Scheune hätte ein Bistro Platz, im ehemaligen Waschhaus mit Sommerküche zwei schicke Gästezimmer. Der einstige Kuhstall wird zum Veranstaltungssaal – und auf dem Boden lädt ein Heuhotel zum Übernachten ein. Auf der Wiese hinterm Hof, wo jetzt noch der Nachbar seine Rinder weidet, könnten Zelte stehen, wenn junge Leute sich zum Kultur-Camp treffen.

Noch befindet sich der Streecksche Bauernhof im Privatbesitz. Doch den für einen symbolischen einen Euro ins Vereinseigentum zu überführen, sei nur noch eine Formsache, erklären Schrey und Heinrich. Weit aus schwieriger wird es, die mindestens 800 000 Euro zusammenzubekommen, um das baufällige, 160 Jahre alte Anwesen zu sanieren. „Wir wollen alle möglichen Förderstellen abklappern und auch um Spenden bitten“, hat sich der Verein mit seinen 15 Mitgliedern vorgenommen.

„Die Zeit drängt“, sagt Eckhard Heinrich mit Blick aufs löchrige Dach. „Wir müssen als Erstes das Fachwerkhaus winterfest machen.“ Im Winter über will man auf Geldsuche gehen, um „eine mutige Idee“, wie Landrat Christian Jaschinski (CDU) jüngst bei seinem Besuch in Gruhno sagte, zu verwirklichen. „Wenn wir am Ende feststellen müssen, wir bekommen leider das viele Geld nicht zusammen, dann war es wenigstens ein schöner Plan“, sagt Sybille Schrey.

Wer für das Projekt spenden möchte: Kontonummer 201003872 bei der Elbe-Elster-Sparkasse, Bankleitzahl 18051000.