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| 17:13 Uhr

Altenpfleger funken SOS nach Berlin

Ulrich Wank, Pflegedienstleiterin Karina Gutsche (M.) und Stellvertreterin Rebecca Fuchs schlagen Alarm.
Ulrich Wank, Pflegedienstleiterin Karina Gutsche (M.) und Stellvertreterin Rebecca Fuchs schlagen Alarm. FOTO: Dieter Babbe
Finsterwalde. In der Altenpflege kriselt es tüchtig – zum Leidwesen vor allem der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen. Am gestrigen Tag der Pflege haben Mitarbeiter im Lebenszentrum "Am Schloss" Alarm geschlagen – und ein symbolisches "Rettungspaket" an die Bundesregierung geschickt. Beate Möschl und Dieter Babbe

"Es ist fünf Minuten vor 12", sagt Ulrich Wank, seit März der neue Leiter der Pflegeeinrichtung in der Brandenburger Straße. Der 51-jährige gelernte Altenpfleger beschreibt das Problem: Seit Einführung der Pflegeversicherung als fünfte Säule der Sozialversicherung im Januar 1995 sind zwar die Anforderungen an die Pflege und die Kosten stetig gestiegen, die Anteile jedoch, die die Pflegeversicherung je nach Pflegestufe übernimmt, nur geringfügig. Leidtragende sind Pflegebedürftige und Angehörige, vor allem bei stationärer Pflege in Stufe I und II. Was nicht durch die Pflegeversicherung gedeckt wird, zahlen sie anteilig zu, denn bei diesen Pflegestufen der Pflegeversicherung ist der Anteil seit 1995 nicht erhöht worden.

"Meine Forderung an die Politik ist, finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, damit der Pflegeschlüssel erhöht werden kann. Jährlich steigende Zuzahlungen der Bewohner und Angehörigen sind nicht der richtige Weg. Oft sind deren Mittel auch schon aufgebraucht", sagt Ulrich Wank. "Das ist nicht mehr tragbar, weil die Betroffenen in Sozialhilfe fallen und die Kommunen die sozialen Leistungen stemmen müssen." Immer wieder gebe es Fälle, wo Bewohner das Pflegeheim verlassen und in anderes wechseln müssen, weil sie die Kosten nicht aufbringen können.

"Jeder Mensch möchte am Ende seines Lebens in Würde gepflegt werden. Es darf nicht vom Geldbeutel abhängen, ob man sich das leisten kann", erklärt Ulrike Bennewitz, Geschäftsführerin der Lebenszentrum gGmbH. Um sich bei der Politik Gehör zu verschaffen, beteiligen sich rund 30 Einrichtungen der Diakonie in Brandenburg am bundesweiten Aktionstag. "Wir haben von Mitarbeitern und Angehörigen unserer Bewohner Postkarten gesammelt, die aus die Missstände hinweisen." Diese Karten hat Ulrich Wank am gestrigen Montag "Fünf vor 12 Uhr" in ein Rettungspaket gesteckt und anschließend zur Post gebracht - Adressat ist Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU).

"Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Die Arbeit der Pflegekräfte wird zu wenig wertgeschätzt", verweist Karina Gutsche, die Pflegedienstleiterin. Es gehe nicht nur um eine höhere und einheitliche Bezahlung, sondern auch darum, das Image des Berufsstandes zu verbessern.

Zum Thema:
Derzeit kümmern sich 42 Pflegekräfte um 90 Heimbewohner. Zum 1. Juni soll die neunte und letzte Wohngruppe eröffnet werden, in denen jeweils bis zwölf Bewohner betreut werden. Dann ist das Lebenszentrum, das am 3. Juli fünfjähriges Bestehen in Finsterwalde feiert, voll belegt.