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Zukunftsstadt Finsterwalde
Alte Weberei und Stadthalle in Symbiose

So könnte es aussehen: Neues Leben im Hof zwischen zwei ehemaligen Industriebrachen — der Schäferschen Tuchfabrik und künftigen Stadthalle und der Alten Weberei (r.), dem künftigen Kreativzentrum.
So könnte es aussehen: Neues Leben im Hof zwischen zwei ehemaligen Industriebrachen — der Schäferschen Tuchfabrik und künftigen Stadthalle und der Alten Weberei (r.), dem künftigen Kreativzentrum. FOTO: ® STUDIO CLEMENS HABERMANN
Finsterwalde. Zukunft zum Greifen nah. Und das emotional anrührend. Dieses Gefühl griff Donnerstagabend im imposanten Industriebau Alte Weberei um sich. Von Gabi Böttcher

Mehr als 50 Akteure und Interessierte waren zu einem neuerlichen Gedankenaustausch über Zukunftsprojekte für die Sängerstadt gekommen. Diesmal in jenen aufstrebenden Stadtteil an der Oscar-Kjellberg-Straße, der durch den Neubau einer Stadthalle in Symbiose mit dem baulichen Erbe der Schäferschen Tuchfabrik bald zum Magneten für Einheimische und Gäste werden soll. Als Komplettierung für das Areal präsentierte Architekt Clemens Habermann Entwürfe für die Zukunft des vis a vis befindlichen Industriebaus der Alten Weberei. Diese Überlegungen sind als Teil eines Gesamtkonzeptes im Gespräch, mit dem Finsterwalde  den Sprung unter die letzten acht Teilnehmer im Bundeswettbewerb um die Zukunftsstadt schaffen will. Hier geht es um Lösungen, die deutschlandweit Stadtentwicklung inspirieren können.

Für Dr. Matthias Baxmann, Fachreferent für Denkmale der Technik und Industrie im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege, ist Finsterwalde bereits Vorreiter im Lande. Er lobte, dass in den Entwürfen für die Alte Weberei „bereits denkmalpflegerisch gedacht“ wurde. Zwei Panoramafenster in den Gebäuderücken Richtung Park einzufügen, dürfte kein Problem sein. Auch eine Dach-Begrünung oder Photovoltaik wären denkbar.

Clemens Habermann, selbst ein kreatives Kind der Stadt, legt Wert auf eine Entwicklung der Alten Weberei als Zeitdokument der Industriearchitektur im Einklang mit moderner Nutzung. In verschiedenen Zeiten für den Bau verwendete Ziegel zeigen sich als Collage, die in die Zukunft passen. Die Giebelseiten könnten das erleuchtete Logo der Stadthalle tragen.  Die Öffnung des Baus zu einem gemeinsamen Hof mit der künftigen Stadthalle lässt eine Symbiose in den Nutzungsmöglichkeiten zu. Für ihre  bereits gelebte Nutzung des Gebäudes empfingen die Künstler Jens Puppe und Sebastian Arsand an diesem Abend vom Architekten den Ehrentitel: Katalysatoren vor Ort. Matthias Baxmann würdigte sie als Raumpioniere. Ein Besuch ihrer Ateliers im oberen Geschoss  implizierte geradezu den Wunsch nach einem „Mehr  davon“. Die Alte Weberei zu einem Zentrum der Kreativwirtschaft, zu einem Ort der Begegnung mit Kunst und Musik auszubauen, schien vielen an diesem Abend sehr gut vorstellbar und erstrebenswert. Das Cello-Quartett mit Emely Köpke, Franz Krause, Karl Schwarz und Johannes Schöne sowie ihrem Lehrer Nassib Ahmadieh gab diesen Überlegungen musizierend einen wirkungsvollen Schub.

Für Bürgermeister Jörg Gampe (CDU), der als Schüler in diesem Haus noch „Webstühle und fliegende Schiffchen“ erlebte, einige Zeit später  als Verwaltungschef zum Unterstützer der Künstlerkolonie in der Industriebrache wurde und die Überlegungen zu deren Nutzung forcierte, würde sich mit einem Kreativzentrum ebenfalls ein Kreis schließen.

„Zukunft denken 2030“ — dieser Einladung der Stadt am Donnerstagabend gefolgt zu sein, bereute offenbar niemand. Vielmehr kam es zu einem angeregten Gedankenaustausch. Maximilian Siegert: „Dies hier ist ein super schöner, stehengebliebener Ort, über den man am besten nur eine Lasur  legen sollte. Die Architektur spricht zu einem.“ Als gebürtige Finsterwalderin ist Irene Scholz begeistert: „Es wäre schön, wenn diese Vision umgesetzt werden könnte. Ich bin stolz auf meine Stadt.“ Harald Breitzke, der schon vielen Einladungen der Zukunftsstadt-Akteure gefolgt war: „Ich werde das weiter erzählen, was hier passiert, habe heute auch zwei Bekannte mitgebracht. Wir brauchen Zukunftsideen. Ich habe vier Enkel.“

Clemens Habermann regte ähnlich der kreislichen Unterstützung für Medizinstudenten ein Äquivalent für Kunst- und Kulturschaffende an. Jürgen Weser kann sich in der mittleren Etage eine Kleinkunst-Bühne gut vorstellen. Sebastian Arsand und Jens Puppe brachten eine Kunstsammlung, eine Dauerausstellung beziehungsweise die Kooperation mit anderen Sammlungen und Museen ins Gespräch. Der SPD-Stadtverordnete Alexander Piske erklärte, er sehe in den Entwürfen für die Alte Weberei eine gute Symbiose mit der Stadthalle und wünschte den hier bereits heimischen Künstlern Bestandsschutz.

Zusammen mit weiteren Zukunftsideen für weitere  Standorte  der Stadt ist nun noch im ersten Halbjahr 2018 der Finsterwalder Beitrag für den Bundeswettbewerb zusammenzustellen. Zunächst wird er den Stadtverordneten präsentiert.

Doch zuvor wird am 16. Februar über eine weitere Idee diskutiert –  eine neue  Mensa am Gymnasium.

Großes Interesse und angeregte Gespräche gab es Donnerstagabend in der Alten Weberei. Die Zukunft schien greifbar.
Großes Interesse und angeregte Gespräche gab es Donnerstagabend in der Alten Weberei. Die Zukunft schien greifbar. FOTO: Gabi Böttcher / LR
Architekt Clemens Habermann stellt die Entwürfe für die Alte Weberei vor.
Architekt Clemens Habermann stellt die Entwürfe für die Alte Weberei vor. FOTO: Gabi Böttcher / LR