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Alte Dame Erna hat großen Charme

Viele Bungalows säumen die Ufer der einzelnen Teiche. Gregor Zakarzecki aus Rückersdorf hat sich vor einigen Jahren mit Familie einen zweiten Bungalow gekauft. Auch seine Enkel kommen gern mit nach Bad Erna. Er sagt: "Das ist hier ein schönes Fleckchen mit Wassergrundstück."
Viele Bungalows säumen die Ufer der einzelnen Teiche. Gregor Zakarzecki aus Rückersdorf hat sich vor einigen Jahren mit Familie einen zweiten Bungalow gekauft. Auch seine Enkel kommen gern mit nach Bad Erna. Er sagt: "Das ist hier ein schönes Fleckchen mit Wassergrundstück." FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Bad Erna gilt als frühes Musterbeispiel der Rekultivierung nach der Kohle. Es ist das älteste Naherholungsgebiet der Niederlausitz. Heute vor 90 Jahren, am 12. August 1927, wurde das Strandbad eröffnet. Heike Lehmann

Wie schön es in Bad Erna - unmittelbar vor den Toren der Stadt Doberlug-Kirchhain - ist, merken viele erst auf den zweiten Blick. An den Ufern von Hauptteich, Ostteich, Westteich und Hunteteich stehen zahlreiche Bungalows, die ihren Besitzern an Wochenenden und vor allem im Sommer ein Ort der Erholung sind.

Auch Eva und Gregor Zakarzecki sind Bungalowbesitzer. Obwohl sie aus dem nahen Rückersdorf mit eigenem Naherholungsgebiet und großem See vor der Haustür kommen. "Aber dort gibt's doch nicht so schöne Wassergrundstücke wie hier", sagt Eva Zakarzecki, die eigentlich aus dem bergigen Thüringen stammt. Und weil Zakarzeckis mittlerweile auch etliche Enkel haben und es in dem 2011 erworbenen Bungalow eng wurde, haben sie im März dieses Jahres einen zweiten gekauft - auch mit direktem Zugang und eigenem Strand am Hauptteich. Genüsslich angelt Opa Gregor dort in dieser Woche mit der 14-jährigen Enkeltochter Carolin aus Berlin. "Angeln ist die schönste Entspannung", schwärmt er. Und auch von Bad Erna als "schönes Fleckchen mit Wassergrundstück".

Vor fünf Jahren hat Jens Selinger aus Herzberg einen Bungalow am Ostteich von einem Onkel übernommen. "Immer, wenn wir frei haben, sind wir hier, um Ruhe zu finden und abzuschalten vom Arbeitsstress", sagt der 45-Jährige, der in der Woche auf Montage ist. Seine Frau arbeitet als Altenpflegerin und weiß die Ruhe gleichfalls zu schätzen.

Ebenfalls am Ostteich haben Walter und Jutta Scholz aus Doberlug-Kirchhain ihr Refugium. Die Rentner nutzen jedes schöne Wetter für Bad Erna. "Wir haben unser Grundstück hier auf dieser Seite des Ostteichs am längsten. Die anderen sind alle schon Nachkommen oder neue Besitzer", sagt Walter Scholz. Gebaut haben Scholzes ihr kleines Häuschen, das nie zu Übernachtungszwecken dienen sollte, Anfang der 1960er-Jahre. Es ist die Mischung aus frischer Waldluft und Wasser, die die beiden Doberlug-Kirchhainer bis heute mögen.

Das Naherholungsgebiet Bad Erna liegt im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft und ist aus dem Braunkohlenabbau hervorgegangen. 1886 begann mit der Grube Ida die Kohlegewinnung östlich der Bahnlinie. Dort werden heute die Restseen Barschteich, Blauer See, Inselteich, Welsteich und Franzosenteich hauptsächlich als Angelgewässer genutzt. Anfang der 1920er-Jahre war das Kohlevorkommen in der Grube Erna erschöpft. Nach deren Stilllegung sammelte sich in den Restlöchern das Grundwasser. Vor allem an den Wochenenden herrschte am heutigen Hauptteich starker Badebetrieb trotz des noch vorhandenen Steilufers.

Am 12. August 1927 wurde das Strandbad eröffnet. 1928 hat die Stadt Dobrilugk von der Gemeinde Lindena das gesamte Terrain gekauft. "Am 13. Mai 1928 konnte in Bad Erna auch eine Gondelstation eingeweiht und der Bevölkerung zur Nutzung übergeben werden", schreibt Dr. Andreas Hanslok, Leiter des Weißgerbermuseums, in "Doberlug-Kirchhain. Kleine Städtechronik".

Anfang der 1930er-Jahre brach auf der Halbinsel im Hauptteich ein Bauboom aus. Ein Herr Schreier aus Bad Liebenwerda ließ eine Gaststätte bauen und organisierte Veranstaltungen und Strandfeste. Sogar ein Bahnhaltepunkt wurde an der Rückersdorfer Blockstelle eingerichtet. Die steile Böschung wurde abgetragen, Umkleidehäuschen errichtet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Strandbad durch den Rat der Stadt Doberlug am 5. Juni 1949 wiedereröffnet. Die Gaststätte wurde ausgebaut, neue Garderoben- und Umkleideräume entstanden. In den 1960er-Jahren wurden die Ufer um Hauptteich und Ostteich parzelliert und mit Wochenendhäusern bebaut. Etliche Großbetriebe haben ihren Beschäftigten so Erholungsorte angeboten. Inzwischen sind fast alle Häuschen in privatem Besitz. Etwa 400 Bungalownutzer gibt es. Die Stadt Doberlug-Kirchhain ist Verpächter. "Die Stadt könnte etwas mehr für die Pflege tun", meint Jutta Scholz. "Mit dem Boot kommt man kaum noch durch die Brücke."

Die Waldschänke, Inhaberin ist Birgit von Rein, ist Hauptanlaufpunkt für Speis und Trank und hält Übernachtungsangebote für Urlauber vor. Der Hauptstrand wirkt einladend. Auf dem Wasser schwimmen Inseln für mehr Badespaß. Ein Schwimmmeister ist tagsüber vor Ort. Noch in diesem Monat soll dank Sponsoring durch die Sparkasse Elbe-Elster ein attraktiver Piratenspielplatz entstehen.

Das Strandbad Erna ist 90 Jahre alt und versprüht Charme wie eh und je. Monika Dümchen aus Münchhausen bringt es auf den Punkt: "Idyllisch, schön und romantisch finde ich es hier. Die Kinder lieben das", sagt sie, während sie einen gemieteten Bungalow für eine gemeinsame Ferienwoche mit ihrem Enkel Jason aus Österreich und dessen Freund Sören aus Doberlug-Kirchhain vorbereitet. "Wenn ich noch jünger wäre", setzt sie an und gerät ins Träumen.

Zum Thema:
Für den heutigen Samstag hat die Waldschänke ein Festprogramm zusammengestellt. Ab 13 Uhr erklingt Blasmusik sowie Tanzmusik und Manuel Meier spielt die Steirische Harmonika. Sängerkarneval und Männerchor Doberlug treten auf. Bademoden im Wandel der Zeiten werden vorgeführt. Die freiwillige Feuerwehr und der Lanz Bulldog Club Lindena sind dabei.Am Sonntag, 27. August, wird ab 10 Uhr bei freiem Eintritt die Bademeisterparty gefeiert - mit Hüpfburg, Familien-Schlauchbootrennen, Volleyballturnier und Live-Musik.

Vor allem Familien und Ferienkinder schätzen die Badefreuden im abgegrenzten und überwachten Nichtschwimmerbereich.
Vor allem Familien und Ferienkinder schätzen die Badefreuden im abgegrenzten und überwachten Nichtschwimmerbereich. FOTO: Heike Lehmann
2017: Ein schwimmender "Eisblock" sorgt am Hauptstrand für modernes Kletter- und Badevergnügen.
2017: Ein schwimmender "Eisblock" sorgt am Hauptstrand für modernes Kletter- und Badevergnügen. FOTO: Heike Lehmann