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"Als Tochter hat man da gern mal hintenan gestanden"

Diana Tobien und Angel Rubio begeisterten musikalisch. Allein das Mini-Konzert der beiden war den Vernissage-Besuch wert.
Diana Tobien und Angel Rubio begeisterten musikalisch. Allein das Mini-Konzert der beiden war den Vernissage-Besuch wert. FOTO: Böttcher
Massen. Wer der 2013 verstorbenen Künstlerin Gudrun Bröchler-Neumann weder zu Lebzeiten persönlich noch in ihren Werken begegnet ist, hat etwas versäumt. Ebenso derjenige, der die Vernissage zur Ausstellung mit Arbeiten der bedeutenden Lausitzer Künstlerin am Freitagabend im Bürgerzentrum Massen verpasst hat. Gabi Böttcher

Beeindruckend, wie Nachlassverwalterin und Tochter Jana Zadow-Dorr mit Ehemann Cornell und Helfern den sonst kühlen, nüchternen Saal des Energie-Service-Centers (ESC) in einen temporären Ort der Kunst und des ehrenden Gedenkens an die im sächsischen Freital geborene Künstlerin verwandelt haben. Nach einer Lehre als Porzellanmalerin folgte Bröchler-Neumanns Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Danach zunächst in Lübbenau und Cottbus freischaffend tätig, fand die Künstlerin schließlich in Sellendorf (Teltow-Fläming) ihren Lebens- und Schaffensraum.

Den Traum von einem Sommeratelier in ihrer grünen Oase habe sie sich nicht mehr erfüllen können, blickt Tochter Jana Zadow-Dorr in ihren Erinnerungen an die Mutter zurück. In den letzten Jahren habe sie noch den Speckstein für sich entdeckt. Relativ spät habe sie zur Ölmalerei gefunden. Zeit ihres Lebens habe die Kunst für sie im Mittelpunkt gestanden. "Als Tochter hat man da gern mal hintenan gestanden. Aber ich habe das verstanden", erzählt Jana Zadow-Dorr.

Bewusst den Aufwand der Ausstellungsgestaltung selbst in die Hand nehmend, verwirklichte sie den lange gehegten Plan, ihre in Finsterwalde verstorbene Mutter erstmals auch in Elbe-Elster vorzustellen. Das Mosaik an der Schule Nord in der Sängerstadt sei übrigens auch von ihr.

Und weil Gudrun Bröchler-Neumann neben der Malerei auch der Musik sehr zugetan war, gehörte zur Vernissage am Freitagabend auch handgemachte Musik von besonderer Klasse. Im Duo präsentierten Diana Tobien (Gesang, Piano, Melodica, Percussion) und der am Abend zuvor aus Spanien angereiste Angel Rubio (spanische Gitarre, Gesang) vom Bolero bis zur Summertime-Version Ohrenschmaus vom Feinsten. "Mutti wäre glücklich gewesen, so eine Musik zu hören", dankte Tochter Jana und erinnerte sich an das Flötenspiel der Mutter am Lagerfeuer in Sellendorf. Sie las zudem an diesem Abend aus dem Tagebuch der Mutter - Passagen über die intensive Beziehung zur griechischen Insel Kreta, die im künstlerischen Schaffen Ausdruck fand. Die Verehrung für den griechischen Schriftsteller Nikos Kazantzakis spiegelt sich in der Übernahme seiner Grabstein-Inschrift auf den ihren in Sellendorf: "Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei."

Wer die seltene Gelegenheit zur Begegnung mit dem facettenreichen Werk von Gudrun Bröchler-Neumann in Massen noch nutzen möchte, kann dies nur noch in dieser Woche tun.

Ausstellung Gudrun Bröchler-Neumann im ESC Massen:

Donnerstag, 19.30 bis 21.30 Uhr mit Lesung aus unveröffentlichten Bulgarischen Impressionen und der Gitarristin Ilona Sommerfeld; Freitag, 17 bis 21 Uhr; Samstag, 15 bis 19 Uhr, 17 Uhr spielen "The Flying Rockets" auf; Sonntag, 15 bis 19 Uhr.