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| 14:25 Uhr

Adventsserie
Als Elsterwerda noch ein Postamt hatte

In vielen Städten sind die Postämter geschlossen worden. So auch in Elsterwerda. Längst gibt es andere Eigentümer und Nutzer.
In vielen Städten sind die Postämter geschlossen worden. So auch in Elsterwerda. Längst gibt es andere Eigentümer und Nutzer. FOTO: Manfred Feller / LR
Elsterwerda. Inschriften an Häusern zeugen oft von einer wechselhaften Geschichte der Gebäude. In einer LR-Adventsserie spüren wir sie auf.

Das waren noch Zeiten, als es auch in Elsterwerda ein großes Postamt gegeben hat. Der repräsentative Klinkerbau war am 1. April 1905 feierlich eröffnet  worden  als Kaiserliches Postamt Elsterwerda. Es hat in der Folge Generationen von Postbeamten, so nannten sie sich lange Zeit, und Kunden gesehen. Viele Gedanken verbinden sich damit vor allem bei den Älteren. Wenn auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, Erinnerungen an das Postamt und die Arbeit darin haben, dann schreiben Sie uns bitte heute bis 13 Uhr eine E-Mail an elsterwerda@lr-online.de oder rufen zwischen 13 und 14 Uhr an (Telefon 03533 519424)!

Der Ortschronist von Sallgast Wolfgang Bauer hat Fakten zum Werksgasthaus in Poley zusammengetragen (Adventstürchen 12). George Alberti, ein Kaufmann aus Nauen bei Berlin, hatte 1870 den Gutsbezirk Poley erworben und als erstes eine Ziegelei, die spätere Kunstziegelei, errichtet, da er hier reiche Tonvorkommen vorgefunden hatte. Dabei war er auch auf Braunkohle gestoßen, die er mit einfachen Mitteln auszubeuten versuchte.

Das war der Anfang der Grube „Bismarck I“ auf Poleyer Flur. Doch hatte er sich dabei offensichtlich finanziell übernommen und musste Konkurs anmelden. Sein Schwiegervater, ein Herr Sittel aus Nauen, erwarb die gesamte Konkursmasse, um sie für die Familie zu retten.

1890 hatte sich George Alberti wieder finanziell erholt und meldete die Grube „Bismarck I“ erneut an. Er begann zunächst mit sechs Beschäftigten einen Tiefbaubetrieb. 1892 beantragte er  schon den Bau einer Brikettfabrik und eröffnete den ersten Tagebau. Nach weiteren drei Jahren folgte das erneute finanzielle Aus. Ein Paul Nime wurde als Zwangsverwalter eingesetzt. Der wiederum war Beauftragter eines Fritz Friedlaender aus Berlin.

Im Februar 1895 erwarb Friedlaender die Grube „Bismarck I“ in Poley bei einer Zwangsversteigerung durch Meistgebot von 500 000 Reichsmark und führte den Betrieb unter dem Namen „Poleyer Werke Fritz Friedlaender, Braunkohlenfabrik, Dampfziegelei, Verblendstein- und Terrakottenfabrik, Mahl-, Öl- und Schneidemühle“  weiter.

Die schnelle Entwicklung seiner Werke führte zu einem Anstieg der benötigten Arbeitskräfte.  Sächsische, vor allem aber oberschlesische Bergarbeiter, wanderten zu. Das wiederum führte schnell zu einem Wohnungsproblem. So ließ Friedlaender ab 1899 die „Kolonie Poley“, eine komplette Arbeiter-Wohnsiedlung in unmittelbarer Nähe der Werksanlagen, errichten.

Ab 1. Oktober 1899 hatte Poley seine eigene Schule mit zwei Lehrern, eine Poststelle und das Werksgasthaus. Sogar ein kleiner Friedhof an der Chaussee kam noch dazu. Letzterer war nötig, weil es immer wieder zu schweren Unglücksfällen mit tödlichem Ausgang im Gruben- und Werksbetrieb kam.

Die verstärkte Auskohlung des Oberflözes im Poleyer Grubenfeld führte zu immer größerer Ausdehnung. Folglich mussten Flächen auf Särchener (Annahütter), Klettwitzer und Sallgaster Revier von der BUBIAG dazugekauft werden.

Nachdem im Tagebau das Kohlefeld nordwestlich von Poley bis wenige hundert Meter vor der Bahnlinie der Schipkau-Finsterwalder Eisenbahn abgebaut war (etwa um 1918), und das Restloch 45, der spätere Sallgaster Grubenteich übrig blieb, ging es im Tiefbau in nordwestlicher Richtung weiter. Dieser Tiefbau erstreckte sich bis zum Bahnhof nach Sallgast. Die dabei entstandenen Bruchlöcher kennzeichnen noch heute die unterirdischen Abbaufelder zwischen dem Grubenteich und der jetzigen Kreisstraße K 6226 Sallgast-Lichterfeld. Hier wurde noch bis Ende der 1920er-Jahre die Kohle des 1. Flözes gewonnen. 1931 kommt es zur Stilllegung der Grube. Die Rohkohle des Oberflözes war erschöpft. Die letzten Sicherungsarbeiten wurden am 13.08.1931 der Bergbehörde als beendet gemeldet.

In Poley ging in den Werksanlagen von „Bismarck I“ mit einer neuen Produktionslinie der Betrieb noch weiter. Hier wurde für die BUBIAG ein Schwellenimprägnier- und Bohrbetrieb für Bagger- und Bahnschwellen aus Holz eingerichtet. Auch das Sägewerk wurde weiter betrieben. Beides wurde erst in den 1980er-Jahren stillgelegt.

Das Werksgasthaus existierte noch bis Ende der 1980er-Jahre. Neben einer Wohnung, einer Fleischerei und einer Lebensmittelverkaufsstelle gab es anfangs darin auch einfache Übernachtungsmöglichkeiten für auswärtige Gäste. Diese wurden später zu Wohnungen umgenutzt.

War es in den 1930er-Jahren eine Familie Wober, die die Gaststätte und die Fleischerei betrieb, so war es bis in die 1950er-Jahre eine Familie Bernd.

Ende der 1990er-Jahre verkaufte die Gemeinde Sallgast das Anwesen an einen privaten Investor. Dessen Pläne ließen sich aber vermutlich nicht verwirklichen. Heute steht das Gebäude leer und verkommt immer mehr zur Ruine. Kein schöner Anblick so direkt an der Hauptstraße.

Bernd Güttes aus Sallgast erzählt, dass sein Großonkel Willy Wober am 19. Mai 1931 die Konzession zum Betrieb der Gast- und Schankwirtschaft Werksgasthaus-Poley beantragt hat. Wie er sie betrieb, weiß er nicht. Aber eine Werbeanzeige von Willy Wober hat er noch. Dort wirbt der Wirt für seine „angenehme Gaststätte, gut gepflegte Biere, 1a-Küche und solide Preise.“

Das einstige Werksgasthaus Poley ist kein schöner Anblick.
Das einstige Werksgasthaus Poley ist kein schöner Anblick. FOTO: Heike Lehmann
(mf/leh)