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Als eine Schwangere unterm Lkw lag

Firmengründer Werner Walther (m.) mit Thomas Walther (l.) und Karsten Schüler.
Firmengründer Werner Walther (m.) mit Thomas Walther (l.) und Karsten Schüler. FOTO: Eberhard Melzer/eml1
Sorno. Mit einem Lanz Bulldog fing vor 60 Jahren in Sorno alles an. Jetzt gehören 22 moderne Lkw zur Fahrzeugflotte von Walther-Transporte. 200 000 Kilometer legen die Autos jeden Monat zurück – das ist fünfmal um die Erde in nur vier Wochen. Von ihren Touren können die 29 Mitarbeiter viel erzählen – nicht immer nur Erfreuliches. Dieter Babbe

"Dreimal auf Holz geklopft", sagt Geschäftsführer Thomas Walther. "Von ein paar Blechbeulen abgesehen - wir hatten in all den Jahrzehnten nie einen schweren Unfall." Doch der 52-Jährige fügt schnell an: "Keinen selbst verschuldeten Unfall!" Und dann erzählt er von zwei schlimmen Crashs nach der Wende, in einem Fall habe es gleich vier Tote gegeben. Auf der Autobahn bei Berlin war ein Lkw von hinten auf ein Walther-Fahrzeug gebrummt - dazwischen fuhr ein vollbesetzter Pkw, der bei dem Aufprall völlig zerquetscht wurde. Bei einem zweiten Unfall hatten alle Glück: Bei Holzdorf fuhr ein Pkw beim Überholen einem Walther-Lkw ins Vorderrad, der Lkw kippte um und begrub mit der Steinladung einen anderen Pkw unter sich. "Wie ein Wunder: Unser Fahrer und die Fahrerin vom Pkw, eine schwangere Frau, kamen mit dem Schrecken davon. Sie hatte sich noch die Hand gebrochen, brachte später aber einen gesunden Jungen zur Welt", erinnert sich Thomas Walther.

Ganz andere Geschichten kann dagegen Werner Walther erzählen. Der heute 84-jährige Vater hat schon in jungen Jahren als Landwirt Milchkannen von Staupitz und Sorno in die Massener Molkerei gefahren, später kamen Holztransporte im Auftrage der sowjetischen Kommandantur dazu. Im Februar 1954 erhielt Werner Walther die offizielle Gewerbeerlaubnis für sein Fuhrunternehmen. Sind zu DDR-Zeiten ein Skoda, ein W50 und ein H6 von fünf Mitarbeitern kutschiert worden, kam nach der Wende der große Boom - das Unternehmen expandierte. Bereits 1990 wurden für einen Halbe-Million-Kredit vier neue Lkw angeschafft. Alle vier Jahre müssen die Fahrzeuge im Fernverkehr, die anderen alle acht, neun Jahre erneuert werden.

"Unsere Lkw rollen, die Auftragslage ist sehr gut", sagt Thomas Walther, der seit 1994, mit seinem Vater und Karsten Schüler als Mitgesellschafter, die Geschicke der Firma leitet. Unterstützt wird er auch von seiner Frau Bettina im Büro.

Waren Walther-Lkw nach 1990 noch von Italien bis Norwegen, Frankreich bis Litauen in ganz Europa unterwegs, bleiben sie inzwischen in Deutschland. Wichtigster Auftraggeber ist das nahe Betonwerk in Rückersdorf. Von hier aus werden Materialien zum Bau vor allem von kommunalen Einrichtungen transportiert. "Wir beliefern zwischen 50 und 70 Baustellen von Kitas, Altenheimen, Krankenhäusern, Polizeistationen und Gerätehäusern der Feuerwehr", sagt Thomas Walther.

Am heutigen Sonnabend bleiben die Lkw in den Garagen. Dann feiert die Belegschaft das 60-jährige Bestehen von Walther-Transporte - und insbesondere ihren noch immer rüstigen Gründer und Seniorchef. Werner Walther ist weiter mit seiner Firma eng verbunden, dessen Rat weiter gefragt ist - und der immer noch als "Hausmeister" tätig ist.