Gewiss ist derartiges für jeden Schüler ein einschneidendes und prägendes Ereignis, aber auf diesen Zehn lastete eine besondere Verantwortung. Mit ihnen wurden gleichzeitig auch die Schule und deren Lehrer einer direkten Gütekontrolle unterzogen. Denn es waren die ersten Abiturprüfungen, die in Finsterwalde überhaupt abgelegt werden sollten. Aus diesem Grunde hatte sich auch Oberschulrat Umbsen vom Provinzial-Schulkollegium eingefunden, um höchst selbst den Vorsitz der Kommission zu übernehmen. Man kann sich denken, dass Dr. Teichmann als Rektor seinen Schützlingen unter diesen Umständen besonders viel Glück wünschte.
Der Weg zur Möglichkeit, in Finsterwalde das Abitur abzulegen, war weit und steinig. Den ersten Anlauf, hier eine über die übliche Volksschule hinausgehende Bildung zu erlangen, unternahm man 1840. Die gerade neu geschaffene Schuldeputation schlug vor, auf die Elementarschule eine zweiklassige Bürgerschule folgen zu lassen. Dort sollten als zusätzliche Fächer Latein, Französisch, Mathematik (neben dem Fach Rechnen) und Physik angeboten werden. Freilich musste dafür mit jährlich sechs Talern ein weit höheres Schulgeld gezahlt werden, als in der Elementarschule. Ab Januar 1841 erfolgte schließlich der Unterricht nach dem neuen Lehrplan. 51 Schüler zählte die untere und 23 die obere Klasse der neuen Bildungseinrichtung, die allerdings in dem einzigen Schulgebäude der Stadt gemeinsam mit der Elementarschule untergebracht war. (Terrain der heutigen Sparkasse in der Berliner Straß e). Jedoch schmolz die Schar der Scholaren rasch zusammen. Schon nach sechs Wochen Unterricht in der neuen Anstalt besaß deren Oberklasse nur noch neun Schüler. Dass dadurch eine Akzeptanz in der Bürgerschaft kaum erreicht werden konnte, versteht sich von selbst. 1860 traf schließlich die Stadt die Entscheidung, das Experiment Bürgerschule abzubrechen und somit wieder nur Elementarwissen in Finsterwalde anzubieten.
Ein neuer Versuch startete 1868, weil durch den Neubau der Mädchenschule in dem nun als Knabenschule bezeichneten Gebäude in der Berliner Straße mehrere Räume zur Verfügung standen und vor allem das Bedürfnis nach besserer Bildung in der Bürgerschaft gestiegen war.
Drei höhere (Knaben-) Schulklassen, Sexta, Quinta und Quarta, wurden eingerichtet. Über mehrere Zwischenstufen brachte es Finsterwalde bis 1903 dann endlich zu einer (lateinlosen) Realschule in sechs Klassenstufen. Dass dafür das alte Gebäude, das ohnehin mit der Knabenvolksschule schon ausgelastet war, nicht mehr genügte, sahen auch die städtischen Behörden. Ein neues Schulhaus in neogotischen Formen wurde nun errichtet. Dennoch vergingen wiederum viele Jahre, bis am 1. 3. 1928 die preußische Regierung die Erlaubnis zur Bildung eines Reform-Realgymnasiums erteilte. Die Kosten für diese Einrichtung beliefen sich im ersten Abiturjahr auf 103 790 Mark, dem standen Einnahmen von 68 710 Mark gegenüber. 51 610 Mark davon kamen als Schulgeld von der Elternschaft.
Nicht alle unserer zehn Delinquenten vom März 1931 schritten mit stolzem Selbstbewusstsein aus dem Portal heraus. Vier genügten den Anforderungen nicht. Helmut Düsterwald und Kurt Schulz erreichten dagegen das Prädikat Bestanden und Elfriede Suttmann, Günther Frost, Herbert Michel, Erhard Wunsch, Hubertus Herz und Paul Klotz sogar die Gesamtnote Zwei. Mit diesem Ergebnis lag die Schule dennoch über dem Durchschnitt der Provinz Brandenburg, und Oberschulrat Umbsen bestätigte, dass nicht allein die Schüler, sondern auch die Lehranstalt das Examen bestanden hatte.
Da unsere Frage nach dem Namen des durch die Tür repräsentierten Gebäudes etwas sehr einfach wäre, wollen wir heute wissen, in welchem Jahr das Realschulhaus (erstmals) eingeweiht wurde.

RUNDSCHAU-Serie Adventstürchen
 Zum vierten Mal hat die Finsterwalder Rundschau für ihre Leser einen Adventskalender gebastelt. Täglich veröffentlichen wir ein Foto mit einem Türchen und einer geschichtlich und architektonisch geprägten Beschreibung des Gebäudes, zu dem das Türchen gehört, geschrieben von Kreismuseumsleiter Dr. Rainer Ernst. Am gleichen Tag können Sie unter 03531 608621 von 13 bis 14 Uhr anrufen, uns die Lösung sagen und am nächsten Tag im RUNDSCHAU-Beitrag lesen, ob und wie das Leben heute hinterm Türchen brodelt. Alle Namen der Anrufer mit richtigen Antworten kommen in den Lostopf, aus dem Gewinner wertvoller Preise gezogen werden.