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| 20:31 Uhr

Adventskalender der besonderen Art
Sallgaster haben „Türchen öffnen“ wörtlich genommen

 Volle Hütte beim Sallgaster Adventskalender: Zum ersten Mal öffneten während der Adventszeit 24 Familien und Einrichtungen in Sallgast ihre Türen und Tore, um die Vorweihnachtszeit gemeinsam mit alten Bekannten und neuen Freunden zu feiern.
Volle Hütte beim Sallgaster Adventskalender: Zum ersten Mal öffneten während der Adventszeit 24 Familien und Einrichtungen in Sallgast ihre Türen und Tore, um die Vorweihnachtszeit gemeinsam mit alten Bekannten und neuen Freunden zu feiern. FOTO: LR / Josephine Japke
Sallgast. Weil die Sallgaster näher zusammenrücken wollten, luden sie alte Nachbarn und neue Bekannte zum Dorf-eigenen Adventskalender ein. Von Josephine Japke

24 Türchen im Dezember, dahinter 24 Mal Schokolade - oder Glühwein, Bratwurst und Räucherfisch, wenn man in Sallgast lebt. Die Einwohner der etwa 530-Seelen-Gemeinde öffneten zum ersten Mal ihre Türen und Tore und luden ein zum Adventskalender der besonderen Art.

„Die Idee war, dass wir uns im Dorf besser kennenlernen können, näher zusammenrücken und den ein oder anderen Streit aus dem Weg räumen“, erklärt die Sallgasterin Sandra Schellnock mit einem Glühwein in der Hand. Ringsherum ist alles weihnachtlich geschmückt, die Lichterketten sind an, das Feuer brennt und die Bratwurst brutzelt. Etwa 20 Leute haben sich an diesem Abend bei Familie Göhl eingefunden, die sich hinter Türchen Nummer 18 verbargen. Alte Bekannte und neue Gesichter treffen hier aufeinander. Einige von ihnen, wie Sandra Schellnock, waren selber Gastgeber beim Adventskalender, andere wollten nur mal zum Quatschen vorbeikommen.

 Für den Sallgaster Adventskalender wurden 24 Schilder gebastelt, die seit dem 1. Dezember an den teilnehmenden Häusern hängen. Das bunt geschmückte Haus von Thomas Berg verbrigt sich hinter Tür Nummer 19.
Für den Sallgaster Adventskalender wurden 24 Schilder gebastelt, die seit dem 1. Dezember an den teilnehmenden Häusern hängen. Das bunt geschmückte Haus von Thomas Berg verbrigt sich hinter Tür Nummer 19. FOTO: LR / Josephine Japke

„Hier aus der Siedlung kennen wir viele, aus dem Dorfkern allerdings nicht. Das sollte sich mit dieser Aktion ändern“, verrät Nicole Göhl. Den ganzen Tag war sie aufgeregt, weil ja niemand ahnen könne, wie viele Leute die Einladung annehmen würden. „Aber als die ersten dann hier waren, legte sich das und jetzt kann ich den Abend aus vollen Zügen genießen“, verrät sie.

 Thomas Berg und Nicole Göhl waren die Gastgeber an den Tagen 18 und 19. Ersterer sammelt seit mehr als zehn Jahren Nussknacker und führte seine Gäste durch sein geschmücktes Haus, das einer Ausstellung glich.
Thomas Berg und Nicole Göhl waren die Gastgeber an den Tagen 18 und 19. Ersterer sammelt seit mehr als zehn Jahren Nussknacker und führte seine Gäste durch sein geschmücktes Haus, das einer Ausstellung glich. FOTO: LR / Josephine Japke

Die Idee zum Sallgaster Adventskalender hatte Felix Bannach schon vor einigen Monaten: „Zugegeben: In Bierlaune erzählte mir ein Kumpel aus Dresden davon und ich dachte, dass wir das auch bei uns mal probieren könnten.“ Ein paar Aushänge am Schwarzen Brett und Treffen in der Kneipe später war klar: Das wird ein voller Erfolg.

Bis zum 24. Dezember wurde schon gesungen, Billard gespielt, Räucherkäse und -fisch gegessen, am Feuer gestanden und vor allem viel Glühwein getrunken. „Bei uns kam am 6. Dezember sogar der Nikolaus ganz unangekündigt vorbei und verteilte kleine Geschenke“, erzählt Sandra Schellnock und sagt, „Es war so gesellig, dass wir die letzten erst so gegen 23 Uhr rausgeschmissen haben.“

Wer sich vornahm, zu jedem Türchen zu gehen, der erlebte in Sallgast einen Dezember voller guter Gespräche und neuen Bekanntschaften. „Im Dorf und auf der Internetseite gab es einen Plan, wer an diesem Abend dran war. So manches Mal dachte ich mir ‚Wer sind die denn? Da muss ich hingehen’“, erklärt Christian Nikolajczak, der zusammen mit Frau Nadine am 13. Dezember Gastgeber war. So lernte er zum Beispiel nur durch den Adventskalender Thomas Berg kennen, der am 19. Dezember dran war.

Der leidenschaftliche Weihnachts-Liebhaber sammelt seit zehn Jahren Nussknacker aller Art und hat sein ganzes Haus nicht nur von außen, sondern auch von innen weihnachtlich geschmückt. „Und das nicht extra für den Adventskalender. Das sieht bei mir jedes Jahr so aus“, sagt Thomas Berg und führt durch sein Erdgeschoss. Hier stehen Pyramiden, Nussknacker, Engelschöre und Räuchermänner dicht aneinander gereiht. „Wow. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hingucken soll“, sagt auch Nicole Göhl beim Anblick der hunderten Figuren.

„Es ist eine geniale Geschichte, was hier auf die Beine gestellt wurde. Einige Nachbardörfer gucken schon neidisch zu uns herüber“, ist sich auch Ortsvorsteher Rene Babben sicher, der am 15. Dezember seine Tore öffnete. „Der ganze Kalender war ein voller Erfolg. Im nächsten Jahr werden wir wohl schon im September damit anfangen müssen, damit jeder mitmachen kann.“

Das 24. Türchen ist die Kirche im Dorfkern. Dort finden Heiligabend traditionell Gottesdienste und Krippenspiel statt.