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| 19:30 Uhr

Aber nur von Montag bis Freitag
Ab 2022 wieder direkt nach Berlin

 Züge des Typs Stadler KISS sollen ab 2022 ab Elsterwerda und Finsterwalde nach Berlin zum Einsatz kommen.
Züge des Typs Stadler KISS sollen ab 2022 ab Elsterwerda und Finsterwalde nach Berlin zum Einsatz kommen. FOTO: LR / ODEG – Ostdeutsche Eisenbahn Gmb
Finsterwalde/Elsterwerda. Die Sängerstadt Finsterwalde wird ab Dezember 2022 wochentags zu den Hauptverkehrszeiten wieder einen Direktanschluss nach Berlin haben. Die Strecke bedient dann die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG), die auf der Strecke Elsterwerda-Berlin die Deutsche Bahn ablöst. Von Frank Claus

Die Finsterwalder bekommen ab Dezember 2022 die neuerliche Chance zu beweisen, dass ein Bahn-Direktanschluss nach Berlin dringend erforderlich ist. Nach Abbestellung des damaligen RE3 (Senftenberg-Finsterwalde-Berlin) im Dezember des Jahres 2006 hatten sie vehement gegen das Aus protestiert. Das Land Brandenburg hatte nur noch 80 Pendler täglich ausgemacht – zu wenig, um die Verbindung aufrecht zu erhalten, hieß es damals.

Auch eine extra eingerichtete Buslinie zum BER nach Berlin wurde mangels geringer Nachfrage wieder eingestellt. Weil der BER immer noch nicht am Netz ist, habe es kein Interesse gegeben, hieß es. Sicher nur die halbe Wahrheit, da allein das schnelle (77 Minuten), kostengünstige Erreichen Berlins nicht reichte, um mehr Fahrgäste zu gewinnen.

Nach der Neuvergabe des Regionalverkehrs wird Finsterwalde ab Dezember 2022 nun im Zweistundentakt wieder angebunden – allerdings mit Einschränkungen. Nach Angaben von Dietmute Graf, Leiterin Marketing und Kommunikation der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (ODEG) – das Verkehrsunternehmen wird die Linie dann fahren – aber nur von Montag bis Freitag zu den Hauptverkehrszeiten am Morgen und am Nachmittag/Abend. Da dürfte man die Touristiker, die sich vor allem am Wochenende mit besserer Bahn-Taktung noch mehr Besucher aus Berlin in der Sängerstadt-Region erhoffen, schon aufschreien hören.

Dabei sind selbst Bahnkenner skeptisch, was die mögliche Auslastung der Strecke von Finsterwalde betrifft. Wenn ab Dezember 2019 im Zweistundentakt IC-Züge auf der Strecke Rostock-Berlin-Dresden zunächst wieder auf dem Bahnhof Elsterwerda und vermutlich geraume Zeit später auch auf dem Bahnhof Doberlug-Kirchhain halten, erhöht sich die Anbindung der Elbe-Elster-Region an die Bundeshauptstadt, Elbflorenz und die Urlaubsregion Ostsee deutlich.

Wie ein Bahnsprecher erklärt, müsste auf dem Bahnhof Doberlug-Kirchhain die Bahnsteighöhe verändert werden, um IC-Halte zu ermöglichen. „Wir wollen eine provisorische Lösung schaffen, wissen aber noch nicht genau, ob das bis zum Fahrplanwechsel zu realisieren ist“, sagt er.

Gut möglich, dass die Finsterwalder dann bis Doberlug-Kirchhain mit anderen Verkehrsmitteln fahren, um den schnellen IC anstelle des vielfach haltenden Regio zu nutzen. Zumal der IC nach jetzigem Antragsverfahren ebenfalls mit dem kostengünstigeren VBB-Ticket nutzbar sein soll.

Nach ODEG-Angaben soll Elsterwerda wie jetzt schon durch die DB Regio auch ab 2022 weiter im Zweistundentakt bedient werden. Das gelte auch, wenn voraussichtlich ab 2025 die sogenannte Dresdner Bahn in Berlin in Betrieb geht und Berlins Zentrum und der BER schneller erreicht werden sollen. Die rund 16 Kilometer lange, jetzt im Ausbau befindliche Bahnlinie der Dresdner Bahn beginnt hinter dem Bahnhof Südkreuz, wo die Strecke von der Anhalter Bahn abzweigt. Sie führt über die Ortsteile Marienfelde und Lichtenrade. Dahinter überquert sie die Grenze zwischen den Ländern Berlin und Brandenburg, führt über Mahlow und Blankenfelde weiter in Richtung Dresden.

ODEG-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann reagiert erfreut über den Vergabegewinn der Strecke nach Berlin: „Mit dem heutigen Tag starten wir mit der Umsetzung des Betriebskonzeptes, von A wie Ausbildung, über F wie Fahrzeugumbau, W wie Werkstatterweiterung bis Z wie Züge beim Hersteller beauftragen. Es gibt also viel zu tun.“

Auf den Strecken nach Elsterwerda und Finsterwalde sollen umgebaute Fahrzeuge der Baureihe KISS zum Einsatz kommen. Nach ODEG-Angaben werden alle Sitze neu bezogen, Tische und WC-Zellen aufgearbeitet. Die 1. Klasse erhalte Ledersitze. Die Wand- und Deckenverkleidungen im Innenraum inklusive Fußböden werden erneuert. Zur Ausstattung sollen dann Fahrgastzählsensoren und neue Monitore für Fahrgastinformationen gehören. Alle Züge würden zudem WLAN erhalten.