Seit letzten Freitag ist in der ehemaligen Schule ein Kommen und Gehen: Fahrzeuge fahren vor, Frauen, Männer, auch junge Leute schleppen Dutzende Kisten und Kartons in das Gebäude, x-mal treppauf und treppab. „Diesen Freitag wollen wir alles an Ort und Stelle haben“ , hofft Gisela Irrgang, die Leiterin - „und am Montag soll das Freizeitzentrum am neuen Standort wieder öffnen.“ Bis dahin gibt es noch viel zu tun: Alles muss ausgepackt und verstaut werden, Elektriker und Klempner werden noch erwartet - „und dann müssen wir uns einen Kopf um die Gestaltung der Räume machen“ , Gisela Irrgang weiß: „Maler wird wohl die Stadt nicht schicken, das Tapezieren der Räume müssen wir allein machen.“ Alleine heißt: Sie rechnet fest mit der Hilfe der Jugendlichen - wie schon beim Umzug, wo Jonny Nemitz, David Saupe und Willi Tostlebe, um nur drei zu nennen, tüchtig mit zugefasst und in dieser Woche täglich viele Stunden zugebracht haben. Acht ehemalige Klassenräume stehen dem Freizeitzentrum in einer ganzen Etage vorübergehend zur Verfügung. Und Gisela Irrgang weiß auch schon, wo was hinkommt: „In einem Raum richten wir unser Jugend-Café ein, ein anderer wird die Disco. Es gibt einen Naturraum, einen zum Tanzen, für den Sport, für den Keramikkurs, für die Computer, und dann haben wir hier auch wieder eine Küche mit Teestube.“
Gisela Irrgang hofft, die vielen Sachen vom alten Freizeitzentrum neben dem White-House hier am neuen Standort auch verstauen zu können. Eins weiß sie aber schon: Für die großen Aquarien - die gab es bereits in der alten „Station Junger Techniker und Naturforscher“ - wird künftig kein Platz mehr sein. Inwieweit auch das Außengelände der früheren Schule für das Freizeitzentrum genutzt werden kann, steht noch nicht fest: „Unseren schönen gemütlichen Hof werden wir am meisten vermissen.“ Bei der Stadt will Gisela Irrgang auch mit der Bitte anklopfen, die Sporthalle am Langen Damm mehr als bisher nutzen zu können - „zwei Termine in der Woche sind einfach zu wenig.“ Immerhin 50 bis 60 Kinder - von sechs bis 18 und mehr Jahren - sind ständig Gäste in der städtischen Freizeiteinrichtung. „Sie wird erstaunlich gut angenommen, vor allem dann, wenn wir Veranstaltungen organisieren“ , freuen sich Gisela Irrgang und ihr kleines Team.
Dabei weiß die Leiterin des Freizeitzentrums, dass die ehemalige Lang-Damm-Schule nur eine Unterkunft auf Zeit sein wird - so lange, bis das White-House rekonstruiert wird. Hier hat die Bauerei inzwischen bereits begonnen, Handwerker baggern und hämmern am alten Gemäuer, das zunächst trockengelegt werden muss. „Der Umzug war unbedingt notwendig, weil ein Freizeitzentrum unmittelbar neben einer Baustelle nicht ungefährlich ist. Außerdem wird der Hof für die Baustelleneinrichtung und als Materiallager gebraucht“ , so Bauamtsleiter Frank Zimmermann. Ist die ehemalige Fabrikantenvilla fertig, wird sie zum neuen Domizil des Freizeitzentrums. Gisela Irrgang rechnet damit, in etwa einem Jahr erneut und endgültig umziehen zu können.
Bleibt zu hoffen, dass das Finsterwalder Freizeitzentrum in der Übergangszeit weiterhin viele jugendliche Besucher erlebt. Allein der Weg könnte vielleicht manchen abschrecken: Der Jugendtreff befindet sich zwar nur über die Straße, aber ganz oben im zweiten Geschoss der früheren Grundschule. „Mit den beiden unteren Etagen haben wir andere Pläne“ , heißt es im Rathaus. Doch das ist schon wieder eine andere Geschichte - über die noch zu berichten sein wird.

Hintergrund Altes Jugendzentrum vor dem Abriss
 Mit etwas Wehmut zogen die jungen Leute aus dem Freizeitzentrum in der Geschwister-Scholl-Straße aus und in das Provisorium in der Lang-Damm-Schule bis das White-House fertig ist: Die Gebäude, in denen seit Jahrzehnten junge Leute ihre Freizeit in Arbeitsgemeinschaften und Zirkeln verbracht haben, wird demnächst abgerissen. „Die Mauern sind zu marode, eine Sanierung lohnt sich nicht“ , heißt es im Rathaus. Nicht nur Fritz Haase, der langjährige Leiter der Station Junger Techniker und Naturforscher, der gelegentlich vorbei kommt, verbindet viele Erinnerungen mit dem Gebäude.