Von Annett Igel-Allzeit

Klavierlehrer Matthias Hentschel muss nicht warten. Die kleinen Geiger der jüngsten Altersklasse I A – 2011 und später geboren – müssen sich strecken, um ihn hinterm Flügel zu sehen, aber sie sind schnell mit ihren Dreiviertel-Geigen auf der Bühne. Auch Tjorben Müller. Fest drückt er die Fingerchen auf die Saiten und streicht los. Die leichten Stücke von Edward William Elgar hat er alle im Kopf: Andante, Allegretto, Allegro. Die Schlüsse gelingen ihm auf den Punkt genau, auch beim „Stiefeltanz“. Die Jury um Ulrich Stein, Bereichsleiter der Musikschule des Landkreises Oberspreewald-Lausitz, macht sich Notizen. Violinenlehrerin Philine Jobst bestätigt in der Pause. „Das Auswendigspielen in jungen Jahren ist ausgezeichnet für die Haltung. Die Kinder können sich ganz aufs Hören konzentrieren.“ Das ist auch bei Jolina Große so. Eben noch stand die Elfjährige mit roter Wollmütze und beschlagenen Brillengläsern an der Tür zum Festsaal des Spremberger Schlosses. Sie ist aus Doberlug-Kirchhain zum Regionalwettbewerb Süd „Jugend musiziert“ angereist und gehört zu den Talenten der Musikschule Finsterwalde. Mit viel Temperament spielt sie den Czardas von Vittorio Monti.

Unter den 298 Kindern und Jugendlichen, die sich dem Regionalwettbewerb in Spremberg stellen, sind 35 Solo-Streicher. Zahlenmäßig übertrumpft werden sie von den Sängern. 44 junge Menschen treten im Pop-Gesang an. Und das freut Christiane Altmann, Lehrerin für Popular-Gesang am Cottbuser Konservatorium. „Mit der Wertungskategorie Pop-Gesang können wir endlich mal zeigen, dass auch wir mit den Schülern in der Stimmbildung trainieren und alles für die Stimmgesundheit tun.“

Die zwölfjährige Alena Kühn, ein Talent aus Doberlug-Kirchhain, überrascht mit der A-Capella-Version von Manfred Krugs „Auf der Sonnenseite“. Patrick Schülzke, ihr Lehrer, hatte ihr das Lied mitgebracht. „Ich fand das ganz lustig mit den Sorgen, die man einfach in die Ecke stellen soll. Und als wir es dann am Klavier durchspielten, gefiel es mir immer besser.“

Sonja Junghänel ist froh, dass die Wettbewerbe gut laufen. Sie begleitet immer wieder Musiker und Lehrer in Einspielräume und Säle. Und ist sich mit den Techniker der Landeskirchlichen Gemeinschaft einig: Spremberg braucht eine Festhalle. Aber dann kommt Tereze Rozenberga, die neue Leiterin der Kreismusikschule Dahme-Spreewald. 40 Jahre Musikschule Spremberg und 25 Jahre Kreismusikschule Dahme-Spreewald – die beiden Frauen müssen unbedingt miteinander reden, sich austauschen. „Auch das ist das Schöne an den regionalwettbewerben - man trifft sich, tauscht sich aus, sieht, was die anderen Schulen machen“, sagt Sonja Junghänel. Im Vorfeld hat sie viel organisieren, viel bedenken müssen. Mehr Publikum in den Wertungsvorspielen hätte sie sich schon gewünscht. Am heutigen Samstag sind das Kulturschloss, das Gymnasium, die Astrid-Lindgren-Grundschule und die BOS noch einmal voller Musik. In der Landeskrichlichen Gemeinschaft spielt ab 10 Uhr eine Band nach der anderen. In der Evangelischen Kreuzkirche wird um 19 Uhr die Abschlussveranstaltung mit der Preisvergabe beginnen.