Schiller war alles andere als staubtrocken und nur kränklich. Er war empfindsam, voller Phantasie, Arbeitskraft und Lebenslust, und er konnte lieben, sogar zwei Schwestern gleichzeitig. All das haben wir zwar schon gewusst, aber vor lauter klassischer Ehrfurcht kaum zur Kenntnis genommen.
Mit dem bekannten Balladen- und Gedichtschaffen des Weimaraners, der Jena ebenso liebte, wollen Cornelia und Thomas Kieck in einem literarisch-musikalischen Programm bekannt machen bzw. daran erinnern. Das Weimarer Theater gastiert erstmals in Finsterwalde.

Die Texte Schillers werden mit den Mitteln des Schauspiels und der Pantomime verbunden. Schließlich wusste schon der Geheimrat Goethe, dass die Ballade nach Belieben mit erzählenden, lyrischen und dramatischen, also spannungssteigernden, Elementen umgehen kann. Bei den Kiecks kommen noch die Mittel der Tonmalerei und der Musik hinzu.
So kann ein spannender Literaturabend erwartet werden: für die älteren Besucher mit Erinnerungseffekten an einst gelernte Schiller-Texte und für die jüngeren Zuhörer vielleicht mit einem Aha-Effekt. „Wer wagt es Rittersmann oder Knapp', / zu tauchen in diesen Schlund?“

Im Gegensatz zu Schillers „Taucher“ wird keiner der Besucher heute ab 19 Uhr im Finsterwalder Kreismuseum verschlungen werden, sondern vielleicht mit neuer Schiller-Begeisterung auftauchen. (jw)