„Einmal im Jahr wollen die Frauen richtig die Sau rauslassen“
 Elke Götze, Schönewalder Landfrauen


Wenn die Schönewalder Land frauen zur Weiberfastnacht einladen, dann herrscht - noch schlicht ausgedrückt - im Saal der Ausnahmezustand. „Wehe, wenn sie losgelassen!“ Trotz Kaffeeausschank, mit einem Kaffeekränzchen hatte das alles nichts mehr zu tun.

Männer sind bei dieser Veranstaltung weder erwünscht, noch geduldet und taugen an diesem Tag allenfalls als Chauffeur. Und ehrlich gesagt, kein Mann würde oder sollte sich dieser Gefahr freiwillig oder aus Neugierde aussetzen.
Liebende, fürsorgliche Mütter, treue Ehefrauen, belastbare Managerinnen des Alltags - alles nur Fassade, wenn man einmal einen ungetrübten Blick auf das Treiben im Saale werfen darf.

Männer können das nicht
Eine Fußballfete ist dagegen ein Kindergeburtstag. „Eines steht fest, Männer können das so nicht“ , erklärte Elke Götze von den Schönewalder Landfrauen, und da kann man ihr auch nur schwer widersprechen. „Einmal im Jahr wollen die Frauen richtig die Sau rauslassen, den ganzen Alltagsstress einfach vergessen, auf nichts und niemanden achten und Rücksicht nehmen müssen. Das wird von Jahr zu Jahr verrückter und macht allen einen riesigen Spaß.“
14.30 Uhr war offiziell Start, 20 Minuten später war der Saal schon bis auf den letzten Platz gefüllt. Einfach hinfahren und mitmachen geht nicht, die Karten werden gehandelt wie Goldstaub. Am besten ist es, wenn man gleich ein Jahr im Voraus bucht. „Eigentlich müssten wir aufgrund der Nachfrage in einen größeren Saal ziehen“ , erklärte Elke Götze. „Doch das wollen wir nicht. Hier hat alles begonnen, hier werden wir weitermachen, und hier herrscht immer die beste Stimmung.“
Ein als „Spülwasser“ selbst zusammengemixter hochprozentiger Schnaps musste gleich beim Eintritt von jedem „Weib“ geschluckt werden und obwohl die Sonne noch hoch am Himmel stand, das „Spülwasser“ war nur ein kleiner Auftakt. Fortan flossen Sekt und Wein in Strömen - und das bis Mitternacht. Neun Stunden exzessiv feiern, den „Weibern“ kann man da nur Respekt zollen.
Gut zwei Stunden nach dem ersten Startschnaps standen schon die ersten Damen tanzend auf den Tischen. Bemerkenswert dabei auch, das Modebewusstsein der Frauen wurde fast völlig ausgeblendet. Hauptsache lächerlich aussehen, schien bei vielen Frauen die Devise zu sein. Einige verstiegen sich gleich so weit und kamen als das, was sie vermutlich schon immer gerne sein wollten, als Mann.
Und natürlich gab es von den Schönewalder Landfrauen wieder ein Programm. „Ein Kessel Buntes“ , der es in sich hatte, hatten sie angesetzt. Dreckige Wäsche wurde dabei nicht gewaschen, im Gegenteil. Durch das Programm führte, ganz im Stile und mit der Sprache von Helga Hahnemann, Johanna Hennischen. Vom Lampenfieber geschüttelt, meisterte sie diese Aufgabe souverän. „Alle müssen sparen, wir nicht. Wir haben weder Kosten noch Mühen gescheut und nationale und internationale Stars nach Schönewalde geholt.“

Mit besonderem Charme
Jede Nummer wurde von den „Weibern“ mit frenetischem Beifall honoriert. Die Schlichtheit und Einfachheit der einzelnen Programmnummern, die Liebe und die Mühe, die investiert wurden, das Zusammenspiel der Generationen - es standen auch Mutter und Tochter auf der Bühne, das ist der besondere Charme, den dieses Programm ausstrahlt.
Die knapp 200 verrückten Weiber zollten den Schönewalder Landfrauen einen gebührenden Respekt, bevor sie sich wieder mit Hingabe der Ausgelassenheit widmeten.