Mit dem Neubau der Bahnbrücke in der Sonnewalder Straße und der Demontage des südlichen Bahngleises rollt seit Mittwoch voriger Woche sämtlicher Zugverkehr über das neue nördliche Gleis. Das bedeutet: Jeder Zugreisende muss über die Personenüberführung zum Gleis 2. Im Oktober 2016 in Betrieb genommen, geben die Aufzüge keine gute Visitenkarte für deren Hersteller ab. Klaus Globig, der jeden Tag mit der Bahn fährt und sein Fahrrad mitnimmt, hat in den zurückliegenden Tagen glücklicherweise häufig Hilfe beim Transport des Rades bekommen. Immerhin sind jeweils gut 40 Treppen hinauf und hinunter zu überwinden. Und noch schlimmer: Klaus Globig ist, als der Aufzug für kurze Zeit einmal funktionierte, schon darin stecken geblieben und musste befreit werden.

Holger Drechsler, der häufig zwischen Berlin und Finsterwalde pendelt, zeigt sich weniger betroffen. Sportlich fit klemmt er sein Rad unter den Arm und absolviert die Höhenmeter hinauf und hinunter. Gefahrenpotenzial sieht jedoch auch er, besonders beim Hinabsteigen der steilen Treppe mit dem Rad.

Undenkbar ist es derzeit, dass Rollstuhlfahrer auf dem Bahnhof selbstständig zurecht kommen.

Cornelia Hinz, die in der DB Agentur Rosenthal tagtäglich den Ärger der Reisenden über die defekten Aufzüge entgegennimmt, zeigt sich ratlos. Sie habe die Störung schon mehrfach bei der Bahn angezeigt. Hin und wieder habe die Technik morgens für kurze Zeit funktioniert, dann sei sie wieder ausgefallen.

Auch Torsten Ratke, privater Bahnunternehmer aus Finsterwalde, kann ein Lied von dem Problem singen. „Es ist nicht mehr lustig. Es gibt immer wieder Störungen.“ Er habe diese schon mehrfach sowohl bei der DB Service-Zentrale in Potsdam als auch beim Bahnhofsmanagement in Cottbus gemeldet. Offenbar, so habe er dort erfahren, kämen die Aufzüge mit den extremen Temperaturen dieses Sommers nicht zurecht. Finsterwalde sei kein Einzelfall. Das bestätigt am Donnerstagnachmittag Jan Steeger vom Aufzug-Hersteller Schindler in Berlin. Durch hohe Temperaturen und intensive Sonneneinstrahlung komme es in den unverschatteten Glasschächten zum Hitzestau. „Die Aufzüge schalten automatisch ab, wenn die Betriebstemperatur im Schacht den zugelassenen Höchstwert von 40 Grad Celsius überschreitet. Das geschieht zum Schutz der Personen im Fall eines Einschlusses und ist in der Aufzugsnorm EN 81-20 so vorgeschrieben“, erklärt Steeger. Wenig Trost für Bahnreisende. Wo liegt die Lösung?

„Eine Minimierung dieser Ausfälle ist nur möglich, wenn die Temperatur im Glasschacht gesenkt wird“, so der Pressesprecher. Dies könne beispielsweise durch sonnenabweisende Folien oder verbesserte Belüftung des Schachtes erfolgen. „Gemeinsam mit der Deutschen Bahn arbeiten wir hier an einer nachhaltigen Verbesserung der Situation“, verspricht Steeger. Bleibt zu hoffen, dass über den nahenden Herbst und die sinkenden Temperaturen das Problem nicht in den nächsten Sommer verschoben wird.