An diese Episode gleich nach Kriegsende in der Sonnewalder Schule, wo Russisch plötzlich zum Pflichtfach geworden war, ist am Wochenende beim Klassentreffen der 80-Jährigen bei ihrem Lehrer Konrad Ziegler erinnert worden. Der hatte seine Schüler, die nur acht oder neun Jahre jünger sind als er, weil Ziegler 1947 als Junglehrer nach Sonnewalde kam, in seine Wohnung im alten Schulhaus, das jetzt das Rathaus ist, eingeladen. Hier trafen sich neun ehemalige Schüler von insgesamt 30 Mädchen und Jungen, die 1942 von Fräulein Dukat, einer älteren und "sehr strengen Lehrerin", wie alle sich erinnerten, eingeschult wurden.

Unterricht im Keller

Die Schüler ließen die letzten Kriegsjahre in Sonnewalde an sich vorüberziehen, als die Todesnachrichten von der Front sich häuften und immer mehr Flüchtlinge auch im Schulhaus untergebracht werden mussten. "Wir haben in den letzten Kriegsmonaten im Keller der Schule Unterricht gehabt - wegen der vielen Fliegeralarme", weiß Johanna Stief noch - bis ab März überhaupt kein Unterricht mehr war. Der habe in Sonnewalde - "auf Befehl der Russen" - erst wieder am 1. Oktober 1945 im Schloss begonnen, weil die Schule zu einem Getreidelager umfunktioniert worden ist. "Der Unterricht musste wegen der vielen Kinder in Schichten vormittags und nachmittags stattfinden - wir mussten immer am Nachmittag ins Schloss", erinnert sich Paul Weichert.

Als die Klasse 8a im Jahre 1950 die Schule verließ, wollte Karl Günthermann Autoschlosser werden - und bekam dabei die Wirren der Zeit zu spüren. Nachdem er bereits in der Schulzeit ein fahrbereites Fahrzeug "zusammengezimmert" hat, wie seine Mitschüler bis heute nicht vergessen und ihn schon damals bewundert haben, begann der junge Karl bei einem Sonnewalder Meister seine Lehre. "Doch der war plötzlich in den Westen abgehauen. Als ich endlich meine Lehre in Finsterwalde fortsetzen konnte, war auch der Meister von heute auf morgen weg, er wurde eingesperrt." Und dennoch ist aus Karl Günthermann ein guter Autoschlosser geworden - der sich als leidenschaftlicher Feuerwehrmann fast drei Jahrzehnte lang insbesondere um die technische Einsatzbereitschaft der Fahrzeuge bei der Finsterwalder Wehr gekümmert hat.

Anerkennung für den Lehrer

Konrad Ziegler, der die Klasse in den Fächern Biologie, Physik und Chemie unterrichtete, kam im Urteil seiner Schüler gut weg. "Er war ein guter Lehrer, der es vor allem verstand, uns für die Natur zu begeistern", erinnert sich nicht nur Paul Weichert an die Exkursionen im Sonnewalder Schlosspark oder daran, wie die Schüler nach dem Krieg Lehrmittel selbst bauen mussten, weil es noch keine gab.