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950 km von Schönborn nach Schönborn

Die Bürgermeister und The Flying Rockets mit den Dokumentarfilmern sowie den Gasteltern und Dolmetschern.
Die Bürgermeister und The Flying Rockets mit den Dokumentarfilmern sowie den Gasteltern und Dolmetschern. FOTO: Lehmann
Schönborn. Begeistert kehrten Schönborns Bürgermeister Daniel Mende und die Band The Flying Rockets aus dem ukrainischen Schönborn zurück. Es soll nicht bei dem einen Besuch bleiben. Heike Lehmann

Die ersten herzlichen Kontakte sind geknüpft. Über 950 Kilometer hinweg entwickelt sich eine Partnerschaft zwischen Schönborn (Elbe-Elster) und Schönborn (Ukraine). Mehrere Tage waren Bürgermeister Daniel Mende und die Band The Flying Rockets mit dem Schlagzeuger Hannes Scharf aus Schönborn auf Kennenlerntour im namensgleichen Dorf kurz hinter der slowakischen Grenze. Was sie dort erlebt haben, soll den übrigen Einwohnern vom Lausitzer Schönborn bei einem Reiseberichtsabend Anfang November geschildert werden. Auch über weitere Kontakte in die Ukraine wird dann geredet. Symbolträchtig ist das Foto der beiden Bürgermeister, Wiktor Lehesa und Daniel Mende, in der ukrainischen Amtsstube, wo auch Eheschließungen vollzogen werden.

Der ukrainische Dokumentarfilmer Maksym Melnyk, der als Korrespondent in Berlin lebt, ist vor zwei Jahren auf die namensgleichen Dörfer gestoßen. Seit Herbst 2016 dreht er eine Dokumentation für das ukrainische Staatsfernsehen und sucht nach Parallelen, aber auch Besonderheiten in Schönborn und Schönborn.

Jenes Schönborn im Elbe-Elster-Kreis hat gerade wieder seinen 1000. Einwohner willkommen geheißen. Rückkehrerwelle und Geburtenrate stimmen Bürgermeister Daniel Mende optimistisch für die Zukunft. Schönborn in der Ukraine, eigentlich Schenborn geschrieben, ist ein deutschsprachiges Dorf im Rajon Mukatschewo. Es wurde nach 1728 durch den Fürstbischof Karl Friedrich Schönborn mit mainfränkischen Einwanderern besiedelt. Mal gehörte das Dorf zu Ungarn, dann zur Tschechoslowakei, wieder zu Ungarn und schließlich zur Sowjetunion. Seit 1991 nun zur Ukraine. "Bis in die 1990er-Jahre lebten dort zu 90 Prozent Deutsche. Heute sind es noch 15 von insgesamt 550 Einwohnern", hat Daniel Mende erfahren. Zu ihnen gehören seine Gasteltern, die gleichzeitig in die Rolle der Dolmetscher schlüpften.

Die kleine Lausitzer Delegation - Daniel Mende mit den Musikern Hannes Scharf, Steven Demmel und Christian Beyer sowie Techniker und Kraftfahrer Mathias Els - nahm die fast 1000 Kilometer durch Deutschland, Polen und die Slowakei bis in die Ukraine auf sich, um neue Leute kennenzulernen und neues Terrain zu erschließen. Die Band ist sogar mit vollem Equipment gereist, um zwei Konzerte zu spielen - eines in einem Pub in Mukatschewo, einer etwa 85 000 Einwohner zählenden Stadt, und das andere direkt in Schönborn beim Dorffest. "Ich durfte das Fest eröffnen", beschreibt Mende die Ehre, die ihnen in der Ukraine zuteil wurde. Und die Flying Rockets wurden wie Popstars hofiert. "Ungewöhnlich viele Einwohner sollen es beim Dorffest gewesen sein, was selbst Bürgermeister Wiktor überrascht hat. Und gefühlt waren alle Kamerateams, die es in der Ukraine gibt, vor Ort. Die haben sich gegenseitig auf den Füßen gestanden", schildert Mende. Das Kulturprogramm wurde kurzerhand ins Freie verlegt. Strahlender Sonnenschein und 22 Grad machten es möglich. Am gleichen Abend wurde es im Gemeindesaal gemütlich, als ehemalige Schönborner, die mittlerweile in Deutschland leben, zum traditionellen Kirchweihfest dazustießen.

In Schenborn gibt es eine Kita, die derzeit 22 Kinder kostenfrei besuchen und für die noch selbst gekocht wird, zwei deutsche Pastoren, ein Dorfgemeinschaftshaus mit Bücherei und einer hauptamtlichen Kraft, die auch Veranstaltungen organisiert. "Im Dorf gibt es einen Entwicklungsplan, wo freies Feld als Bauland ausgewiesen wird", zeigt sich Mende angetan von den Möglichkeiten. Hintergrund ist der Trend, von der Stadt aufs Land zu ziehen. Besorgt berichtet Mende aber über den dortigen geringen Monatsverdienst und die noch geringere Grundrente. Zwangsläufig herrsche das Prinzip der Eigenversorgung vom Gemüse bis zur Butter. Das Fazit von Daniel Mende nach der Stippvisite ist dennoch eindeutig. "Ich bin begeistert. Freundschaft, die sich so entwickelt und nicht verordnet wird, ist schön."

Die Ukrainer sind jetzt zum Gegenbesuch eingeladen, Bürgermeister Lehesa sei sehr interessiert, so Mende. 2018 wollen auch die Elbe-Elster-Schönborner wieder in die Ukraine fahren, vielleicht wieder zum Kirchweihfest. Dann mit großem Bus und Vereinsleuten aus dem Dorf. Natürlich will das gut organisiert sein. Auch finanziell.