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| 01:04 Uhr

78 Jungstörche aus einem Horst

MÜNCHHAUSEN.. Enten, Gänse, Hühner, Kaninchen, Katzen und Hunde – nichts Außergewöhnliches auf einem Münchhausener Gehöft.

Herta und Walter Rippich zählen zu ihren Zöglingen aber auch noch die Störche, die seit 1971 Jahr für Jahr wiederkommen, um in dem Horst auf der Esche vor dem Rippich-Grundstück ihre Jungen auszubrüten und großzuziehen.
Vor 33 Jahren hatte Walter Rippich die Krone der Esche abgesägt und den Horst eingerichtet. Auf der anderen Seite des Dorfes gab es einen Horst, um den sich schon seit mehreren Jahren immer wieder die Störche um das Brutrecht stritten. Dem wollte er Abhilfe schaffen, und zur großen Freude der tierliebenden Familie wurde der Horst schon 1971 angenommen. „Wir haben ein bisschen nachgeholfen mit Kartoffelkraut“ , erinnert sich Herta Rippich. „Da hatten die Störche schon das erste Material für ihr Nest.“ Seit dem führt die Frau, die einst die Post im Dorf ausgetragen hatte, mit sauberer Handschrift genauestens Buch über die Ereignisse im Horst. „Zuerst kommt immer der Papa.“ Die Rippichs nehmen an, dass es seit Jahren derselbe ist. Das lässt sich aber nicht feststellen, weil die Tiere nicht beringt sind. „Aber wie der Vogel den Horst anfliegt und wie er dann mit langem Klappern seine Ankunft vermeldet, das“ , so meinen die beiden, „sind sichere Zeichen dafür, dass es immer wieder derselbe ist, der auch mal gegen einen Konkurrenten sein Nest verteidigt.“ Ein paar Tage später kommt das Weibchen. Auch das muss eine langjährige Vertraute des Hahnes sein. „Die gehen gleich zur Sache“ , hat Walter Rippich beobachtet. Er schlussfolgert daraus, dass sich Männchen und Weibchen nicht fremd sein können. Dann beginnt das Warten, bis irgendwann die Jungstörche ihre Hälse aus dem Horst der Futterlieferung entgegenstrecken. „In diesem Jahr sind es wieder vier Junge“ , berichten die beiden mit Stolz, als hätten sie Anteil an der Kinderstube der Rotschnäbel. Damit beläuft sich die Summe der Jungtiere, die über Rippichs Haus aus der Eierschale kamen, auf 78! Es gab auch schon Jahre, in denen der Nachwuchs ausblieb oder Eier aus dem Nest fielen. Dann passierte es mitunter, dass Jungtiere sich verletzten und der Tierarzt gerufen werden musste.

„Einer unserer Störche kam in den Finsterwalder Tierpark. Der hatte einen Flügel gebrochen und konnte nicht mit auf die Reise in den Süden gehen.“ Einen anderen Vogel hatten sie im Vorjahr mit Hundefutter aufgezogen. Die Rippichs nehmen an, dass er sich beim Hochwasser vergiftet haben könnte. „Ich habe ihm ein Mittel gegeben, das man eigentlich für Kleintiere nimmt. Und das Futter habe ich ihm schön vorsichtig den Hals lang runtergestrichen. Der ist wieder gesund geworden und konnte sogar mit ins Warme fliegen.“

Auf eine Tafel an der Esche schreibt Walter Rippich seit Jahren an, wann die Vögel eintreffen, wie viel Junge sie großziehen und wann sie abfliegen. „Das ist schon eine tolle Sache, zu beobachten, in welch kurzer Zeit die Tiere heranwachsen. Wenn sie dann abfliegen, sind wir immer ein bisschen traurig.“ Mit jedem Abflug schicken die Rippichs ihren Störchen gute Wünsche mit auf die Reise: Dass sie nicht in Starkstromleitungen verletzt werden, dass sie den anstrengenden Flug überstehen und dass sie im nächsten Jahr wiederkommen möchten. Und was wünschen sich die Tierfreunde noch? „Dass der Horst auf der anderen Seite des Dorfes wiederbelebt wird. Der Marco Fellenberg hat sich darum gekümmert. Es wäre schön, wenn auch zu ihm wieder ein Storchenpaar kommen würde.“