Dass ein Leichenwagen mal derart bestaunt würde! Der Austro Fiat von Daniel Rogenz aus Bad Muskau, übrigens selbst auch in diesem Metier tätig, ist schon ein ganz besonders edel verarbeitetes Fahrzeug mit Verzierungen und spezieller Technik.

Im Jahr 1928 ist der Wagen als eines der zehn Fahrzeuge der Wiener Bestattung zugelassen worden. Im Jahr 1952 wechselte die schwarze Karosse nach Hainburg an der Donau und war dort gut 60 Jahre im Einsatz. Für Daniel Rogenz ist der rechtsgesteuerte Wagen – bis 1938 galt in Österreich Linksverkehr – ein Liebhaberstück, das bislang nur einmal in seinem eigentlichen Zwecke zum Einsatz kam. „Wir haben einen Oldtimer-Freund beerdigt“, erzählt er und verweist auf eine weitere Besonderheit: „Guck mal, bei mir ist das Gaspedal in der Mitte zwischen Bremse und Kupplung.“

Obwohl es bereits die 6. Oldtimer-Rallye ist und der Treff längst Wiedersehenscharakter für viele Fans der betagten Legenden hat, kommen immer wieder neue Lenker mit ihren fahrbaren Schmuckstücken dazu. So auch am Sonntag. Die Rallye genießt einen guten Ruf, erzählen viele Teilnehmer und mancher lacht, als immer wieder gesagt wird: „Bei Euch ist stets Sonnenschein!“ Und nicht nur Sonne schlechthin. Fast alle Ausfahrten fanden bislang bei 30 Grad und mehr statt. Für die vielen Cabriofahrer ein Traumwetter, aber auch für alle Oldtimerfreunde. „Ein Traumsommer“, sagt Jens Lahne, der Chef des Vereins. Denn die Schätzchen würden halt nur aus der Garage geholt, wenn Trockenheit für den Tag prognostiziert wird.

Das Starterfeld ist so breit gefächert wie die Modellpalette. So mancher nimmt mehrere Hundert Kilometer Anfahrtsweg in Kauf, um in Doberlug dabei sein zu können. Und natürlich gehört in die schnuckeligen Wagen auch immer charmante Begleitung. Viele tragen die Mode der Baujahre ihrer Autos und Motorräder.

Geflachst wird bei so einem Termin immer. Schon gewusst, was ein Gänsefänger ist? Das sind die Autos, deren Türen sich nach hinten öffnen, also mit Rechtsanschlag. „Wenn du damit durch die Dörfer fährst und auf der Straße die Gänse gackern, brauchst du nur die Tür aufmachen, die Gänse einsammeln und du hast deinen Gänsebraten sicher“, berichtet ein Fahrer keck.

Die „Alpenpost“, Baujahr 1929,  von Dr. med Ernst Peter Kühn aus Cottbus darf bei der Ausfahrt ebenso wenig fehlen, wie die Neustadts aus Elsterwerda, die gleich mit zwei Fahrzeugen angereist sind. Horst Müller aus Löhsten bei Herzberg hat den Motorengeruch seit seiner Kindheit in der Nase. „Mein Vater hat in Torgau bei Opel gearbeitet. Ich habe später immer mit ihm geschraubt“, berichtet der Mann, der mit seinem Opel 4/12 mit Holzverkleidung ein Schätzchen aus dem Jahr 1929 mitgebracht hat. Zunehmend mehr werden Importe aus den Staaten vorgestellt, reiht sich einstige Armee- und Feuerwehrtechnik in den Pulk ein. Vielfalt ist Trumpf in Doberlug. Kein Wunder, dass schon jetzt der Termin für 2019 blockiert wird. 28. Juli - wieder ein Hitzetag?