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57 Crinitzer Helfer motzen ohne einen Euro altes Teehaus auf

Geschäftsführer Bernd Krause (l.) und Bürgermeister Horst Hofmann. Foto: Dieter Babbe
Geschäftsführer Bernd Krause (l.) und Bürgermeister Horst Hofmann. Foto: Dieter Babbe FOTO: Dieter Babbe
Crinitz. Crinitz ist noch immer hoch verschuldet, könnte sich praktisch kaum etwas leisten. Dass Crinitz doch immer wieder zu großen Sprüngen ansetzt und sogar ausgeflippte Ideen verwirklicht, hat nicht nur was mit dem umtriebigen Bürgermeister zu tun. Von Dieter Babbe

Horst Hofmann ist als Klinkenputzer im Dorf bekannt, der Leute zusammentrommeln kann. Eine Klinke hat er besonders oft in der Hand - hinter der Tür sitzt ein Mann, dessen Firma jetzt geehrt wurde: Bernd Krause, Geschäftsführer der Baukeramik GmbH. Der 47-Jährige ist in Merseburg geboren, hat in Freiberg studiert und zehn Jahre in Bayern gearbeitet. Als Krause 1998 als Mitgesellschafter das alte Steinzeugwerk übernahm, wollte er sich als eingefleischter Städter eigentlich in Dresden eine Wohnung suchen. "Doch dann habe ich gemerkt: Auch in Crinitz lässt es sich gut leben." Inzwischen hat der Firmenchef aber auch erkannt: Ohne Ehrenamtler und die Hilfe der Unternehmen dreht sich nicht viel in den Dörfern wie Crinitz. "Wir können als Betrieb zwar kein Geld verschenken - aber wir haben qualifizierte Mitarbeiter und wir haben Technik." Damit hat Bernd Krause die Gemeinde immer wieder aus der Patsche geholfen - kostenlos versteht sich. Im Freibad, in der Schule, in der Feierhalle . . . - überall, wo in den letzten Jahren Fliesen und Platten neu verlegt wurden, steht praktisch Baukeramik dran. Winterdienste werden mit dem Schneepflug wie selbstverständlich von Firmenleuten geschoben - es fallen die Namen von Ralf Kleibert, Wolfgang Schmidt und Peter Ernst, die mit dem Herzen dabei sind.

Von einem echten Gemeinschaftswerk, wo auch Baukeramik seine Finger mit im Spiel hat, erzählt Bürgermeister Hofmann besonders gern. Seit mehr als 100 Jahren stand im Garten vom früheren Sägewerk ein Pavillon, der inzwischen baufällig geworden und vom Unkraut völlig eingewachsen war. "Der gehört ans Töpferdenkmal an der Straße nach Babben, damit die vielen Radler Halt und Rast machen können", schmiedete Hofmann den Plan. Nur ein Jahr lang brauchte es, bis 57 (!) Firmen und Bürger der Gemeinde und darüber hinaus in ungezählten Einsätzen das wacklige und halbverfaulte Teehaus aufgemöbelt hatten. "Die Sitze haben wir sogar vom Berliner Olympia-Stadion rangeschafft, die dort 1936 eingebaut wurden und praktisch nicht kaputt gehen", erzählt der Bürgermeister - und auch das: "Die alte Tür des Pavillons fanden wir in einer Gartenlaube wieder." Die Crinitzer Baukeramiker hatten die Klinker für den Sockel, die Bodenplatten und das Gebälk fürs Dach beigesteuert.

Inzwischen ist der Pavillon zu einem Magnet nicht nur für Radfahrer geworden. Eltern treffen sich hier mit den Kindern zum Spielen, Crinitzer zum Plausch, manche Männer auch zum Kartenspielen. Stellvertretend für die vielen tüchtigen Leute im Dorf ist Bernd Krauses Firma, die Baukeramik, jetzt mit der SilbeElster des Amtes Kleine Elster ausgezeichnet worden. "Die 500 Euro Preisgeld schmeißen wir in den Gemeindetopf, damit mal alle als Dankeschön zu einem gemeinsamen Essen eingeladen werden", hat der Geschäftsführer so festgelegt.