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| 15:37 Uhr

Verkehrstag in Elbe-Elster
Massen auf dem Weg zur Motorsport-Hochburg

 Verkehrsschulung in Finsterwalde unter freiem Himmel unter einem schockieren Unfallauto.
Verkehrsschulung in Finsterwalde unter freiem Himmel unter einem schockieren Unfallauto. FOTO: Dieter Babbe
Massen/Finsterwalde. Gefahrentrainer schockiert in Finsterwalde mit „Unfall-Denkmälern“.

Ein 21 Jahre junge Frau fährt auf der Landstraße mit Tempo 90. Während der Fahrt kramt sie das Handy hervor und will ihrer Schneiderin eine Mail schreiben, sie möchte doch bitte ihr Kleid ändern. Plötzlich prallt sie gegen einen Baum – die Frau ist sofort tot. Bei dem Kleid handelt es sich um ihr Hochzeitskleid. „Ihr letzter Griff war zum Handy“ – so steht es auf ihrem Grabstein. Ihre fast fertig geschriebene E-Mail kommt nie an, ist aber für die Polizei ein Beweismittel für die Unfallursache.

Diese und viele andere tragische Geschichten erzählte Arthur Möller am Wochenende beim Verkehrstag der Kreisverkehrswacht Elbe-Elster. Der Mann kam extra aus Frankfurt/Main, wo er als kompetenter Gefahrentrainer einen guten Namen hat, in die Sängerstadtregion gereist – im Schlepptau seines Mercedes eine andere Unfallsituation: Auf dem Anhänger ein Pkw Golf, in dem ein Vater beim Telefonieren zu Tode kam – und seine beiden kleinen Kinder, vier und sieben Jahre alt, auf den Rücksitzen ebenso. Mit solchen „Unfall-Denkmälern“ reist Arthur Möller durch ganz Deutschland – und will mit den schockierenden Bildern Menschen wachrütteln, durch eine vernünftige Fahrweise sich und andere vor solchen tragischen Schicksalen zu bewahren.

Verkehrsteilnehmerschulung unter freiem Himmel

 Die neuen Karts vom FIWA Racer Verein waren den ganzen Tag über auf der Strecke.
Die neuen Karts vom FIWA Racer Verein waren den ganzen Tag über auf der Strecke. FOTO: Dieter Babbe

Bei einer Verkehrsteilnehmerschulung unter freiem Himmel und vor dem Rathaus von Finsterwalde versammelten sich am Sonnabendmorgen etliche Marktbesucher. Arthur Möller erzählte die Unfallgeschichten und informierte, wie sie hätten vermieden werden können.  So erinnert sich Erwin Hallmann an seinen Neffen, der zwischen Doberlug und Schönborn auf dem Weg zur Arbeit zu Tode kam, weil ein entgegen kommendes Fahrzeug beim Überholen eines Busses frontal auf ihn zufuhr.

Als Möller vor 15 Jahren ebenfalls seine beiden Neffen durch Verkehrsunfälle verlor – einer starb bei seiner ersten Autofahrt am Tag  des Erhalts seines Führerscheins, als er auf einer Kreuzung den Motor abwürgte und von einem Raser seitlich angefahren wurde – gründete der studierte Fahrzeugtechniker eine Stiftung zur Vermeidung von Verkehrsopfern. Unter ihrer Flagge reist  er kreuz und quer durch Deutschland, mehr als 20 Städte im Jahr – und besuchte jetzt erstmals Südbrandenburg. Der erfahrenen Verkehrssicherheitsingenieur und Unfallanalytiker präsentiert nicht nur dramatische Unfallszenen, sondern auch anschaulich, wie man die vermeiden kann.

In Massen ist der Startschuss gefallen

Als der Gefahrentrainer, wie es ihn in Deutschland keinen zweiten gibt, der eng mit der Polizei zusammenarbeitet und für sein Engagement von der Stadt Frankfurt/Main mit dem Bürgerpreis ausgezeichnet wurde, am Sonnabend noch auf dem Finsterwalder Marktplatz stand, war auf dem Autodrom in Massen bereits der Startschuss für den Verkehrstag gefallen. Die Mitglieder vom MC Lebusa hatten einen Parcours für ein Kart-Slalom um den „Großen Preis des Elbe-Elster-Kreises“ vorbereitet. Am anderen Ende des Platzes luden die Mitglieder vom FIWA Racer Verein zu Runden mit den neuen Kart-Autos ein, die sie kurz zuvor von Andy Hoffmann, dem Geschäftsführer der Finsterwalder Stadtwerke, gesponsert und übergeben bekamen. Am Ende des Tages gingen der zehnjährige Florian Ruich aus Hohenleipisch, sein Bruder Lucas belegte Platz 2, und der 14-jährige Maximilian Kummer aus Gruhno als Sieger in ihren Altersklassen hervor, sie bekamen Pokale und Geldprämien überreicht. Florian und Maximilian sind Fußballspieler und fahren eher selten mit Kart-Autos.

Verein will Kart-Sport wieder aufleben lassen

Bisher jedenfalls – denn das könnte sich  ändern, wenn Massen wieder zur Hochburg für den Motorsport wird. Die Weichen dafür sind jedenfalls seit dem Wochenende gestellt. Der FIWA Racer Verein, der sich beim Verkehrstag auch um die Vorbereitung und in vorbildlicher Weise um die Versorgung gekümmert hat, will hier den Kart-Sport wieder aufleben lassen. Bereits am Sonnabend herrschte Andrang beim Einfahren der neuen Autos. „Das macht uns Mut, in Sachen Kart-Sport jetzt richtig Gas zu geben“, sagen Loreen Schäffter und René Hadasch von den FIWA Racern.

Auch Jörg Ehrich und Tino Deutschland waren wieder mit kleinen Fahrzeugen der Marke Eigenbau mit von der Partie. Sie wollen jetzt eine RC-Rennserie ins Leben rufen und Bastler aufrufen, daran teilzunehmen.  „Bedingung: Basismotor 6,5 PS von Baumaschinen und Kart-Räder, die Bauweise kann aber sehr individuell sein“, erklären beide – und verweisen auf fahrende Bierkisten, Schubkarren und andere originelle Gefährte.

Neben diesen kleinsten Autos stand am Sonnabend ein riesiger 40-Tonner. Der rollte aus Peitz an, am Steuer saß Arno Eggert von der Firma LkwTeile24.de. Von der Wirkungsweise des Abbiegeassistenten hat sich nicht nur Rainer Genilke, der Präsident der Landesverkehrswacht Brandenburg, persönlich überzeugt. Auch Verkehrswächter aus Herzberg und Oranienburg haben die Veranstaltung, die auf dem Wege zu einer Tradition ist, besucht.

 Einem Mitglied der Kreisverkehrswacht Elbe-Elster wurde erst vorige Woche das angeschlossene Fahrrad vor der Haustür gestohlen. Es hat eine eingravierte Code-Nummer. Sollte es gefunden werden, ist der Besitzer leicht zu ermitteln. Am Verkehrstag wurden deshalb wieder zahlreiche Fahrräder codiert.
Einem Mitglied der Kreisverkehrswacht Elbe-Elster wurde erst vorige Woche das angeschlossene Fahrrad vor der Haustür gestohlen. Es hat eine eingravierte Code-Nummer. Sollte es gefunden werden, ist der Besitzer leicht zu ermitteln. Am Verkehrstag wurden deshalb wieder zahlreiche Fahrräder codiert. FOTO: Dieter Babbe