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2015: Zug des Lebens und der Hoffnung

Tröbitz. Zu einem "Zug des Lebens und der Hoffnung" ruft eine Gruppe Christen der Region auf. Die Aktion – als Besinnungs-, Buß- und Gedenkwanderung auf den Spuren des "Verlorenen Transports" angelegt – beginnt am Sonntag in Schipkau und endet am Donnerstag in Tröbitz. Heike Lehmann

Vor 70 Jahren fuhr ein Transport mit Menschen jüdischer Herkunft kreuz und quer durch das umkämpfte, immer kleiner werdende Deutschland und wurde schließlich in Tröbitz befreit. Er ging als "Verlorener Transport" in die Geschichte ein. Die Initiative "Zug des Lebens und der Hoffnung" möchte aus diesem Anlass eine Besinnungs-, Buß- und Gedenkwanderung (in drei Etappen) initiieren und durchführen. Die Initiative ist ein loses Bündnis von Christen aus der Region.

Bereits seit vielen Jahren halten Menschen durch ihr Engagement das Gedenken an den "Verlorenen Transport" an verschiedenen Orten wach. Die Initiative möchte jetzt ihrerseits "einen Akzent in die Reihe der Erinnerung und ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen", heißt es in einer Presseerklärung. Reinhard Wild, neben Tobias Höhne und Steffen Dombrowe einer der Ideengeber und aktiven Organisatoren, ergänzt angesichts aktueller fremdenfeindlicher Tendenzen in mehreren deutschen Orten: "Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass unterschwellige Hetze gegen bestimmte Personengruppen aus dem Ruder laufen kann. Damals hat das deutsche Volk kollektiv geschlafen. Einige sind vorangegangen und andere nicht dagegen aufgestanden. Eine solche Hetze, die nicht an Argumente anknüpft, sondern nur an niedere Ängste, können wir nicht gebrauchen."

Nicht nur der Name der Aktion erinnert an die Zugfahrt der Gefangenen, auch die Strecke soll sich an den letzten Etappen der Bahnstrecke dieses Zuges orientieren.

Wanderung am Sonntag, 19. April, ab Gedenkstein Schipkau (an der Südspitze des Lausitzringes, Koordinaten Parkplatz 51.52042,13.908224) über Sallgast (etwa 10 Kilometer/Dauer: zwei Stunden) nach Massen (11,5 Kilometer/ etwa 2:15 Std.). Beginn ist 9.30 Uhr mit einer Andacht am Denkmal. Am Ende gibt es eine Ausstellung sowie um 16 Uhr einen Gottesdienst zum Thema in der evangelischen Kirche in Massen.

Gedenkweg mit historischen Ausführungen und Geleitworten am 21. April in Finsterwalde Dr. Rainer Ernst, Leiter Museumsverbund Elbe-Elster, und Markus Herrbruck, Pfarrer in Finsterwalde. Er beginnt um 18 Uhr am Bahnhof Finsterwalde und endet am Kreismuseum, wo um 19 Uhr zu einem musikalisch-literarischen Abend mit hebräischen Liedern und Texten aus jüdischer Literatur eingeladen wird (Eintritt: 6 Euro).

Gedenkweg vom Bahnhof Schönborn am 23. April, der um 13 Uhr am Bahnhof Schönborn mit einer Andacht von Pfarrer Stefan Branig beginnt. Der "Zug des Lebens und der Hoffnung" wird sich dann den offiziellen Feierlichkeiten in Tröbitz anschließen.

Neben Erinnerung, Gedenken und Ausdruck der Nächstenliebe will man mit den Aktionen mahnen, es möge so etwas nie wieder geschehen. Und sie sind als Angebot zu verstehen: "Wir strecken die Hand aus - als Einladung für ein friedliches Leben miteinander", so die Organisatoren.

Geworben wurde für die Teilnahme am "Zug des Lebens" vor allem bei Gremien des evangelischen Kirchenkreises Niederlausitz und in Gottesdiensten der Region. Ein Flyer macht mit der Idee und den einzelnen Höhepunkten vertraut. "Wir haben das Vorhaben aber auch auf politischer Ebene über die Parteien im Kreistag bekannt gemacht", so Reinhard Wild. Die Teilnahme stehe jedem offen, der den Grundgedanken positiv mitträgt.