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1981 musste Stiebsdorf dem Tagebau weichen

Finsterwalde.. Will man heute den ehemaligen Standort von Stiebsdorf erkunden, muss man in der Nähe von Fürstlich Drehna suchen. Ein Gedenkstein erinnert an den verschwundenen Ort. Der Stiebsdorfer See, welcher am Fuße des Weinberges bei Bergen im Entstehen ist, ist nur Namensträger, nicht standortbestimmend. Gudrun Driesen


Die sorbische Sprache war bis 1850 aus dem Alltag nicht wegzudenken, musste dann aber immer mehr dem Deutschen weichen und ist nun in unserer Region fast gänzlich aus dem Sprachgebrauch verschwunden. Auf Sorbisch bedeutet das Wort "Sciwjojce" sorbischer Patron oder auch ehrenvoller Kämpfer. Urkundlich erwähnt wurde "Stivestorff" erstmals 1486. Das Bild von Stiebsdorf wurde durch eine unregelmäßige Siedlungsform geprägt, bei der die Höfe rechteckig um die Dorfaue angelegt waren. Die ersten Besiedlungen konnte man schon bis in der Jung-Steinzeit, also 2000 Jahre vor unserer Zeit, nachweisen.
Stiebsdorf, das seit dem 15. Jahrhundert zur Standesherrschaft von Fürstlich Drehna gehörte, befand sich in seiner Geschichte in den Händen von vier Familien: Von 1589 bis 1697 bestimmten Friedrich, Joachim und dann Johann von Minckwitz in Folge die Geschicke des Gutes, bis Moritz zu Lynar es 1877 an den Handelsherren von Wätjen für 1 860 000 Mark veräußerte. Seine Witwe, die spätere Frau Wallenberg-Pachaly, verkaufte das Kohle-Abbaurecht 1936 an Bubiag in Berlin. Die 154 Hektar Grundbesitz wurden dann bei der Bodenreform 1946 enteignet. Zum Gut gehörte um 1800 auch eine Schäferei. Das Vorwerk von Stiebsdorf umfasste 342 Hektar Wald sowie 140 Hektar Acker und Wiesen. Bewirtschaftet wurden hier überwiegend Sandböden und entwässerte Moorböden. Die Stiebsdorfer Bauern konnten auf 80 Hektar Land für den Eigenbedarf anbauen, denn diese Fläche stand ihnen zur freien Bewir tschaftung zu Verfügung. Neben den Schafen wurden Rinder gehalten und eine große Fischzucht betrieben. In der Nachbarschaft des Lorenzteiches befand sich der "Große Teich", einer der größten Teiche der Niederlausitz, der bis 1893 intensiv genutzt wurde. Dann legte man die Gewässer trocken, um sie als Wiese und Acker zu nutzten. Es entstanden mächtige Moore. Das Getreide wurde in der 500 Meter südwestlich des Ortes im Jahre 1864 erbauten Bockwindmühle gemahlen, die aber nur wenige Jahrzehnte in Betrieb war. Arbeit fanden viele Bewohner in der Ziegelei, in der seit dem 18. Jahrhundert bis 1917 jährlich 80 000 Mauersteine hergestellt wurden. Für die Pflege und Instandsetzung der Park- und Waldwege ließen dann die Gutsherrschaften in Drehna und Stiebsdorf um 1900 einige Kiesgruben erschließen. Die Schule und die Kirche besuchten die Stiebsdorfer im nahe gelegenen Für stlich Drehna.
Der höchste Bevölkerungsstand konnte 1900 mit 108 Einwohnern verzeichnet werden, der dann 19 Jahre später mit nur 50 Personen den niedrigsten aufwies. Als dann 1981 der Tagebau Schlabendorf-Süd bis an den Ort heran war, mussten noch aus 17 Häusern 60 Einwohner umgesiedelt werden.
Mit Stiebsdorf verschwanden ebenso Orte und Bezeichnungen wie: Flachsröten, Schafbrückenbusch, Schafbrückentritt, Eichenbüschchen, Fuchsberg und der Mahlsteich. Die Traditionen des Zampern, der Fastnacht, der Kirmes des Ostereierwalen, der Ernte- und Kinderfeste wurden mit an den neuen Wohnort genommen und sind nicht in Vergessenheit geraten.

Service Ausstellung im
Naturparkzentrum

 Die Ausstellung „Verschwundene Orte“ im Naturparkzentrum Wanninchen ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Sie zeigt auch historische Dokumente über Stiebsdorf.