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Klage gegen Stadionverbot des FC Energie Cottbus
FCE verteidigt Stadionverbot für langjähriges „Inferno“-Mitglied

Randale im April 2017 in Potsdam-Babelsberg. Gegen die Rädelsführer solcher Aktionen aus dem „Inferno-Umfeld“ will der FCE konsequent vorgehen.
Randale im April 2017 in Potsdam-Babelsberg. Gegen die Rädelsführer solcher Aktionen aus dem „Inferno-Umfeld“ will der FCE konsequent vorgehen. FOTO: Jan Kuppert / dpa
Cottbus. Der FC Energie Cottbus kämpft vor Gericht um den Bestand eines bundesweiten Stadionverbotes gegen ein langjähriges Mitglied der rechtsextremen Hooligan-Gruppe „Inferno“. Eine Entscheidung in dem Zivilverfahren vorm Cottbuser Amtsgericht ist erst in einigen Monaten zu erwarten.

Zunächst sieht es so aus, als ob der Termin am Cottbuser Amtsgericht am Dienstagvormittag platzt. René Lau, der Berliner Anwalt des Klägers, verspätet sich bei seiner Anreise. Doch dann wird doch noch in diesem Zivilstreit verhandelt. Es geht um ein Anfang Mai vom FC Energie Cottbus für vier Jahre ausgesprochenes bundesweites Stadionverbot. Der betroffene Forster klagt dagegen.

Für den Verein ist der 27-Jährige einer der wichtigsten Rädelsführer der Fan-Gruppe „Inferno“, die vom Verfassungsschutz als klar rechtsextremistisch und mit besten Verbindungen in das Neonazimilieu bezeichnet wird. Die Gruppe war seit Jahren immer wieder in Propaganda- und Gewaltaktionen bei Auswärtsspielen des FCE verwickelt. Allein die „Inferno“ zugerechnete Jagd auf Fans des SV Babelsberg 03 und üble Beleidigungen der Potsdamer im Cottbuser Stadion im Herbst 2016 brachten dem Verein eine Geldstrafe von 10 000 Euro ein.

Der Forster, der sich nun gegen das Stadionverbot wehrt, bestätigt auf Nachfrage von Richterin Petra Malek auch unumwunden seine Mitgliedschaft in der rechtsextremistischen Gruppe, verweist jedoch darauf, dass „Inferno“ sich Anfang Mai selbst aufgelöst habe: „Inferno gibt es nicht mehr.“ Szenekenner sind jedoch davon überzeugt, dass diese Selbstauflösung nur scheinbar erfolgte, um einem möglichen Vereinsverbot zuvor zu kommen. In dem Zivilverfahren spielen solche Erwägungen jedoch keine Rolle.

Wie schwierig es im Einzelfall für Fußballvereine sein kann, ein Stadionverbot gegen mutmaßliche Drahtzieher von Zwischenfällen durchzusetzen, wurde in der kurzen Sacherörterung der Klage gegen den FCE deutlich. Der Anwalt des 27-jährigen Klägers hält dem Vertreter des Vereins, Rechtsanwalt Wolfgang Schreiber vor, dass die meisten Vorwürfe gegen seinen Mandanten schon vier Jahre und länger zurücklägen. Außerdem sei ein solches Stadionverbot gleichlautenden Inhalts mehreren Personen erteilt worden. Damit fehle ein personengezogener sachlicher Grund für das Verbot.

Während Anwalt Lau den Schwerpunkt auf konkretes Verhalten seines Mandanten und weniger auf seine Rolle bei „Inferno“ legt, macht die Richterin deutlich, dass eine Mitgliedschaft und führende Rolle in der Gruppe durchaus von Bedeutung sein könnte für die Entscheidung über das Stadionverbot. Von der Selbstauflösung von „Inferno“ hört sie in dem Verfahren jedoch zum ersten Mal am Dienstag im Gerichtssaal.

Beide Seiten haben nun noch mal bis Anfang Dezember Zeit, in Schriftsätzen ihre Argumente zu ergänzen und zu vertiefen. Zumindest bis dahin bleibt das Stadionverbot zunächst in Kraft. Eines schloss FCE-Anwalt Wolfgang Schreiber jedoch grundsätzlich aus, einen Vergleich. Das bestätigt auch FCE-Geschäftsführer Norman Kothe ausdrücklich: „Wir werden nach unseren Möglichkeiten alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, damit das bundesweite Stadionverbot weiterhin Bestand hat.“

Die Auseinandersetzung um das Verbot für das langjährige „Inferno“-Mitglied fällt für den FCE in eine schwierige Phase. Vor einem Monat erst hat der Fußball-Verein einen Maßnahmeplan vorgelegt, um gegen Extremismus und Gewalt in seiner Fanszene konsequent vorzugehen. Im Focus stehen dabei „Inferno“ und deren noch nicht aufgelöste Jugendabteilung „Unbequeme Jugend“. Die Anhängerschaft dieser Szene wir auf rund einhundert Personen geschätzt. Mehrere davon sind mit Stadionverboten belegt.

Vor einem Monat wurde außerdem bekannt, dass „Inferno“-Anhänger auf andere Fans der Ultraszene in Cottbus Druck ausgeübt haben sollen, um unter einem neuen Namen gemeinsam aufzutreten. Damit würde die rechtsextreme Gruppe ihr Darstellungsverbot im Stadion unterlaufen. Die Gruppe „Ultima Raka“ verweigerte sich. Mehr Erfolg scheinen die „Inferno“-Aktivisten dagegen bei der Ultra-Gruppierung „Colletivo Bianco Rosso“ (CBR 02) zu haben, die auf ihrer Facebook-Seite den Plan einer einheitlichen Gruppenfahne verteidigte.

Vielleicht gibt es auch mehr ideologische Nähe zwischen CBR 02 und „Inferno“ als bisher bekannt. Bei einer Feier zum 15-jährigen Bestehen von CBR 02 mit etwa 150 Teilnehmern im Oktober sollen zwei Mitglieder der bekannten Rechtsrockband „Frontalkraft“ aufgetreten sein. Der Sänger der Band war ebenso Mitglied der 2012 verbotenen Neonazistruktur „Widerstand Südbrandenburg“, wie auch zwei führende Mitglieder von „Inferno“.