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| 19:29 Uhr

Radtour durch das Amt Plessa
Der Amtschef verordnet Schweißperlen

 Durch das Amt Plessa mit dem Fahrrad – Amtsdirektor Göran Schrey (2.v.r.) und Gästeführerin Carola Meißner (l.) an der Spitze.
Durch das Amt Plessa mit dem Fahrrad – Amtsdirektor Göran Schrey (2.v.r.) und Gästeführerin Carola Meißner (l.) an der Spitze. FOTO: LR / Frank Claus
Im Amt Plessa wird auch die zweite Rundfahrt zu einem schönen Erlebnis mit viel Erkenntnisgewinn. Von Frank Claus

Die Rollen waren sofort verteilt. Logisch. Der Amtsdirektor fährt in Gelb. Fast gelb jedenfalls. Etwas schwarz und weiß mischt sich auch noch in seinen Wetter-Blouson. Dazu ist er mit sportlichem Rennrad und bis zum Ende mit flachem Blutdruck unterwegs.

Spaß beiseite. Ganz ohne Leistungsdruck, wohl aber mit Leistungsbereitschaft, geht die zweite Radtour durch das Amt Plessa am Sonntag über die Bühne. Amtsdirektor Göran Schrey, Gästeführerin Carola Meißner und Gottfried Heinicke, Ortsvorsteher im Start­ort Plessa, freuen sich über exakt 52 Teilnehmer. Das „Starterfeld“ kommt aus allen Nationen, äh Ortsteilen, des Amtes Plessa. Mit dabei sind Radelfans aller Altersklassen und fast alle Ortsvorsteher. Dass es am Ende ein 52-Kilometer-Kanten wird, das haben selbst die Organisatoren in der Einladung zur Rundfahrt nicht gewusst.

Höhepunkt der Rundfahrt ist eine „Bergetappe“, an der BMX-Fan Hans-Joachim Weinhold, Bauamtsleiter vorm Ruhestand in Plessa und fit auf dem Rad unterwegs, seine helle Freude gehabt haben dürfte. Kurz davor trennt sich die Spreu vom Weizen. Ehrgeizige wollen es wissen – es ohne abzusteigen durch den weichen Sand und ausgespülte Regenrinnen wissen. Der Autor dieses Beitrages gehört dazu  und muss kapitulieren. Kann es sein, dass mich mit strahlendem Lächeln gerade eine Frau überholt hat?

 „Bergetappe“ zur „Schönen Aussicht“ bei Hohenleipisch.
„Bergetappe“ zur „Schönen Aussicht“ bei Hohenleipisch. FOTO: LR / Frank Claus

Die Belohnung ist für alle – ob Rad-Schieber oder Rad-Fahrer, mit oder ohne Schweißperlen gleich: ein Blick von der „Schönen Aussicht“ hinüber nach Hohenleipisch und bis hinein nach Sachsen. Klar, auch fürs ideale Wetter hat das Amt gesorgt und so kommen die Geografieexperten zu ihrem Recht. „Da hinten, siehst du, das ist der Hutberg bei Kamenz“, sagt mir ein Herr. Wieder was gelernt. Wie schon davor, als Carola Meißner mit Sachkenntnis über den Schradenwald und die Friedenseiche berichtet sowie über Gepflogenheiten der kurfürstlichen Jagd. Jagdbräuche wie in der Schorfheide zu Honeckers Zeiten, so erfahre ich, gab es früher schon. „Damals hieß das Jagdgarten“, erzählt die Gästeführerin, spricht vom eingezäunten Terrain, wo die hohen Herren von der Jagdkanzel meist mühelos Hirsch, Reh, Fasan und Auerhuhn zur Strecke brachten.

 An der ausgebrannten Friedenseiche im Schradenwald.
An der ausgebrannten Friedenseiche im Schradenwald. FOTO: LR / Frank Claus

Und liebe Einwohner aus Plessa-Süd: Überspringt mal lieber diese Zeilen. Denn Insider der Fahrt wissen nun auch, weshalb die Siedlung einst ihren Beinamen Mause-Blesse erhielt. Das soll nicht nur mit dem vierbeinigen Kleingetier in Zusammenhang stehen...

 Die Grube Gotthold, wo heute noch gebadet wird, ist nur ein Zeugnis der ehemaligen Bergbaugeschichte im Amt Plessa.
Die Grube Gotthold, wo heute noch gebadet wird, ist nur ein Zeugnis der ehemaligen Bergbaugeschichte im Amt Plessa. FOTO: LR / Frank Claus

Die Radelfreunde schmunzeln und loben zugleich: „Ist aber schön hier, feine Häuschen, alles gepflegt.“ Das trifft auf Kahla in ganz besonderer Weise zu. Ortsvorsteher Steffen Klotzsch und Matthias Schubert lassen es sich nicht nehmen, den „Touristen“  von Nebenan ihre Kirche und ihr Dorfgemeinschaftshaus zu zeigen.

Zurück zur „Schönen Aussicht“. Wer hoch will, muss auch wieder runter. Diesmal zur Grube Gotthold, eine der vielen Zeitzeugen einstiger Bergbaugeschichte. Heute werde dort gebadet. Hohenleipischs Feuerwehr hat Biertischgarnituren bereitgestellt, die Triftschänke reicht Kesselgulasch, kühle Getränke und Kaffee. Dort hätt’ man Stunden verweilen können. Göran Schrey will es wissen: „Wer sind heute unsere Ältesten?“ und erfährt, dass sich Siegfried Philipp aus Hohenleipisch mit 88 und Rudi Pallmann aus Schraden mit 86 Jahren noch heute regelmäßig aufs Rad setzen. Respekt!

Weiter geht es nach Döllingen in die Kirche, zum Bertzitturm nach Kahla und zurück ans Plessaer Kulturhaus. Die Teilnehmer der Radfahrt sind begeistert und der Mann im gelben Trikot ist es auch: „Diese Atmosphäre, die vielen netten Gespräche, die Freude über das, was wir in den Orten schon geschafft haben, das ist wunderbar“, sagt er. Quasi Doping für den Amtsdirektor. Und die Einwohner. Aber alles ohne Nachspiel.