| 02:39 Uhr

Zwei Lustmacher auf Luther

Hannelore Engelmann (2.v.l.) führt eine Gruppe durch die Innenstadt und erinnert an die Zeit der Reformation.
Hannelore Engelmann (2.v.l.) führt eine Gruppe durch die Innenstadt und erinnert an die Zeit der Reformation. FOTO: Claus
Bad Liebenwerda. Bad Liebenwerda ist gestern in das Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation gestartet. In der Kurstadt ist mit dem tags zuvor stattgefundenen Symposium zu Luther im Kreismuseum und den zwei neuen thematischen Stadtführungen am Sonntag der Auftakt zu mehr als 70 Veranstaltungen in diesem Jahr im Landkreis Elbe-Elster gegeben worden. Frank Claus

Es ist nicht überliefert, ob Martin Luthers Ehefrau Katharina von Bora, zuletzt in Torgau zu Hause, jemals im damaligen Liebenwerda war. Im Neuzeitlichen jedenfalls war sie es. Gestern. Genau an ihrem 518. Geburtstag. Stadtführerin Cornelia Dietze alias Katharina von Bora berichtete "von ihrem wilden Gatten und dicken Reformator". Während sie sich auf Luther konzentrierte, erklärte Stadtführerin Hannelore Engelmann in einem zweiten Rundgang, wie Liebenwerda zur Zeit der Reformationen ausgesehen haben könnte.

Nach der Veröffentlichung seiner Thesen und dem vermeintlichen Anschlag an die Kirchentür zu Wittenberg 1517 - es war der Beginn der Reformation - traf sich Martin Luther Geschichtsüberlieferungen zufolge 1519 in Liebenwerda mit dem Nuntius Karl von Miltitz zu einem Streitgespräch. Der päpstliche Abgesandte sollte den widerspenstigen Denker aus Wittenberg überzeugen, von seinen Thesen abzurücken. Es ist hinlänglich bekannt, dass er nicht widerrief. "Hier stehe ich und kann nicht anders!", seine berühmt gewordenen Worte am Ende seiner Rede auf dem Reichstag zu Worms 1521 stehen dafür. Nach der Durchsetzung der Reformation führte Luther 1544 während eines erneuten Aufenthaltes in der Stadt mit Martinus Gilbert de Spaignarts den ersten Superintendenten Liebenwerdas in sein Amt ein.

500 Jahre Reformation - Bad Liebenwerda begeht das Jubiläum vielschichtig. Auch amüsant. "Herr Käthe", wie Luther seine Ehefrau nannte, weil sie doch eher der "Herr im Hause" war, berichtete gestern von seinem enormen Wissen, seiner Sturheit, seinen Launen und Gelagen, die die Familie des Öfteren tief in die Schulden trieb. Und dennoch verehrte sie ihn. Luthers bildhafte Sprache, die er auch bei der Übersetzung der Bibel anwandte, ist bis heute aktuell geblieben. Cornelia Dietze: "Wer weiß schon noch, dass Wortschöpfungen wie Lästermaul, Lockvogel, Schandfleck und Feuertaufe von Luther stammen?" Während der Ausspruch "warum rülpset und furzet Ihr nicht, hat es euch nicht geschmecket" vielen bekannt ist, ordnen wohl nur noch wenige die Redewendungen "es ist ein Buch mit sieben Siegeln", "im Dunkeln tappen", "ein Herz und eine Seele", "der Wolf im Schafspelz", "den Leuten aufs Maul schauen" Luther zu.

Mit wenig Jahreszahlen, dafür aber mit geschichtlichen Beschreibungen erklärte Hannelore Engelmann die Entwicklung Bad Liebenwerdas mit knappen Fakten. Beide, knapp einstündigen Führungen können freilich nur eins sein: Lustmacher, um sich mit Luther und der Reformation tiefer vertraut zu machen. Gelegenheit dazu gibt es jetzt genug.

Zum Thema:
Reformations-Führungen in Bad Liebenwerda gibt es am 26. Februar und 26. März sowie von April bis Oktober an jedem zweiten Mittwoch und jedem letzten Sonntag im Monat. Infos: Tel. 035341 6280. Die Touristinfo und das Kreismuseum sind auch Luther-Pass-Ausgabestelle. Mit Luther-Torte überrascht die Konditorei&Café Beeg in der Kurstadt.