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| 02:35 Uhr

Zwei Gästeführerinnen aus Überzeugung

Monika Werner (r.) und Brigitte Schröder, die beiden Plessaer Gästeführerinnen, stehen für die neue Saison ab 1. März bereit.
Monika Werner (r.) und Brigitte Schröder, die beiden Plessaer Gästeführerinnen, stehen für die neue Saison ab 1. März bereit. FOTO: mcl1
Plessa. Es ist ruhig geworden um das Kraftwerk in Plessa. Die Veranstaltungstätigkeit, so scheint es, ist komplett eingestellt. "Nicht ganz", melden sich die Gästeführerinnen Brigitte Schröder und Monika Werner zu Wort. "Wir organisieren immer noch Führungen." Mona Claus / mcl1

Lange schon ist im roten Kochstudio der letzte Topf vom Herd genommen, das Licht nach dem Public Viewing ausgemacht, und der einst vom Unkraut befreite Kraftwerksgarten droht wieder zuzuwuchern. Was als touristischer Magnet angedacht war, hat seine Anziehungskraft verloren. So scheint es jedenfalls.

"Nicht ganz", erklären mit ziemlicher Überzeugung in der Stimme Brigitte Schröder und Monika Werner. Sie gehören zum Förderverein Kraftwerk Plessa e.V.. Beide sind Gästeführerinnen vor Ort und stehen bereit, wenn am 1. März die nächste Saison startet.

Im Jahr 2005 ist Brigitte Schröder über eine ABM zur Gästeführertätigkeit gekommen. Seit drei Jahren erfolgt die Entlohnung über das Kommunal-Kombi-Programm. Obwohl sie in Plessa ihre Wurzeln hat, musste sie die Geschichte um das Kraftwerk erst einmal aufschreiben, um sie dann den Gästen näher bringen zu können, verrät sie. "Klar", erzählt sie, "hat man die verschiedenen Fakten erst einmal intus, dann will man immer mehr wissen, noch besser unterhalten. Aber keinesfalls weiß ich so viel, dass ich es wieder anfahren könnte", sagt sie. Anderthalb Stunden brauche sie mittlerweile mindestens, um das Gros des Industriedenkmals Besuchern skizzieren zu können.

Hilfreich zur Seite steht ihr dabei Monika Werner. Eigentlich müsste es die 59-Jährige ganz genau wissen. Schließlich hat sie im Kraftwerk ihre Berufsausbildung zum Maschinist für Wärmekraftwerke absolviert. Doch das Interesse für die Technik habe sich bei ihr in Grenzen gehalten. "Ich habe den Beruf gelernt, weil es gerade gepasst hat", ist sie ehrlich, erzählt vom Leben in der Werkswohnung und ihrem eigentlichen Traumberuf, einen mit Kindern. Von Trattendorf ging es während der Lehre über Plessa nach Lauta - sie wurde für das BKK Plessa ausgebildet. Mit 35 Jahren kam die Arbeitslosigkeit. Im April 1992 war ihr letzter Arbeitstag im Kraftwerk. 1997 startete Monika Werner in eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, 2001 war sie bei der Anlage des Kraftwerksgartens dabei. Seit 2005 ist sie im Besucherdienst tätig.

"Bis dahin habe ich lieber in Modezeitschriften geblättert, als Jahreszahlen und technische Daten von Turbinen und anderen Maschinen auswendig zu lernen", erzählt die Plessaerin. Die Bedeutung des ältesten Braunkohlekraftwerks (BKK) Europas ist beiden Gästeführerinnen mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen - das BKK wurde gefördert, saniert und jetzt? Monika Werner zeigt in die Runde und erklärt mit Brigitte Schröder ein Team zu sein, eins mit Heimatverbundenheit. Gäste durch das BKK zu führen, ist fast wie eine Trotzreaktion auf den jetzt wieder eingetretenen Stillstand bei der Sanierung und Betreibung.

Seit der Insolvenz im Jahr 2013 sei es schwieriger geworden, erzählen die beiden Frauen, aber immer noch würden bis zu bis zu 1000 Besucher im Jahr zum europaweit einmaligen Industriedenkmal finden. Traurig stimmt sie, dass Event-Nachfragen eine Absage erteilt werden muss, obwohl es doch immer so einmalig war im Kraftwerk zu feiern.

Der Vergangenheit gehören ebenso die Kaffeetafeln im Kraftwerksgarten an. Viel sei davon sowieso nicht mehr da. Dabei hatten beide Frauen vor dem geistigen Auge viele Menschen im Kräutergarten an den Pflanzen schnuppern sehen - Urlauber, Schulklassen, Fotografen und Studenten die Ruhe, Schönheit und Geschichte genießen. Solange es Monika Werner und Brigitte Schröder gibt und sie dürfen, starten auch zukünftig Führungen durch die einmalige Industriekultur an der Turbine vor dem Haupteingang des Verwaltungsgebäudes, durch die Kondensationshalle, das Kesselhaus mit Stopp am Maschinentisch, vorbei an der Schaltwarte, über den Kabelboden zu Umformer und Schaltanlage bis zum Schalthaus. "Wir machen solange weiter, wie wir dürfen und bieten auch jenen ideale Blicke, die mitunter nur Spinnweben und kaputte Fenster in ihrer Kamera speichern."

Los geht es wieder ab dem 1. März. Von Dienstag bis Sonntag führen sie in der Zeit von 10 bis 14 Uhr wieder Gäste durch das Kraftwerk. Wer einen anderen Termin vereinbaren möchte, kann die am Besucherzentrum befindliche Handynummer wählen. Nach Voranmeldung und ebenso spontan sind die beiden Gästeführerinnen bereit, jedem Besucher den Wunsch nach einer Führung zu erfüllen. Mitunter auch, wenn eine Taschenlampe den Weg erleuchtet.