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| 02:38 Uhr

Zwei Aufzüge für 20 Reisende?

Eine von zwei neuen Treppenanlagen auf dem neuen Bahnhof Hohenleipisch. 52 Stufen müssen Reisende steigen.
Eine von zwei neuen Treppenanlagen auf dem neuen Bahnhof Hohenleipisch. 52 Stufen müssen Reisende steigen. FOTO: Frank Claus
Hohenleipisch. Die Bahn hat den Bahnhof Hohenleipisch modernisiert und ihn in diesem Zuge an einen neuen Standort verlegt. Die zwei Bahnsteige sind über je eine Treppenanlage und somit nicht barrierefrei erreichbar. Für die CDU-Landtagsabgeordnete Anja Heinrich ist das "planerischer Unsinn". Die Bahn verteidigt ihr Projekt. Frank Claus

Es sind genau 52 Stufen, die Reisende nutzen müssen, wenn sie zum Zug wollen oder aus diesem aussteigen, um das Bahnhofsgelände in Hohenleipisch zu verlassen. Der neue Bahnhof der Gemeinde liegt an der Döllinger Straße und ist damit einige hundert Meter vom alten Standort mit dem ehrwürdigen Bahnhofsgebäude entfernt. Aufgrund der Lage der Gleise zwischen zwei hohen Böschungen, hat die Bahn die Erreichbarkeit der zwei Bahnsteige mit je einer Treppenanlage realisiert und aus Kosten- und Effizienzgründen auf den Einbau von je einem Aufzug an jedem Bahnsteig verzichtet.

Die CDU-Landtagsabgeordnete Anja Heinrich will das so nicht hinnehmen, fordert Nachbesserungen und hat sich mit einer Kleinen Anfrage an die Landesregierung gewandt. Sie sagt zur Begründung: "Man muss gesund und sportlich sein, um den Zustieg am neuen Hohenleipischer Bahnhof nutzen zu können. Es wirkt wie ein Schildbürgerstreich und doch ist es das neue, sarkastisch anmutende Angebot des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs." Aus Gesprächen wisse sie, selbst in Hohenleipisch aufgewachsen, dass "die älter werdende Bürgerschaft mit dem Kopf schüttelt über das, was die Moderne ihnen an Angebot unterbreitet." Für sie steht deshalb fest: "Das akrobatische Angebot, was auch jedem Kinderwagen und Rollstuhl den Zugang faktisch unmöglich macht, muss nachgebessert werden."

Michael Bung, Projektleiter Technik der Bahn für die Ausbaustrecke Berlin-Dresden, verteidigt das realisierte Projekt. "Nach unseren Fahrgasterhebungen nutzen täglich 20 Fahrgäste den Bahnhof Hohenleipisch." Die Aufzuganlagen für den Bahnhof Hohenleipisch würden 750 000 Euro kosten, "die allerdings nicht der Bund bezahlt hätte", wie er sagt. "Das hätten wir aus Eigenmitteln der Bahn tun müssen, und wir haben Bahnhöfe mit 200, 300 und mehr Fahrgästen pro Tag, die auch noch keine Aufzüge besitzen." Denn im Bund gebe es eine klare Regelung: Die Kosten für Aufzüge übernimmt er erst ab 1000 Fahrgästen.

Michael Bung macht noch auf einen anderen Fakt aufmerksam: Den Personennahverkehr bestellt das Land. Im Zuge des Ausbaus der Strecke Berlin-Dresden habe lange nicht festgestanden, ob der Bahnhof Hohenleipisch überhaupt noch bedient werde. Die jetzt geschaffene Lösung sei unter diesem Gesichtspunkt, so Michael Bung, sicher eine gute für die Mehrheit der Einwohner von Hohenleipisch, zumal der barrierefreie Bahnhof Elsterwerda in vertretbarer Entfernung zu erreichen sei.

Zum Thema:
In Hohenleipisch halten täglich 19 Züge in Richtung Berlin und Elsterwerda. Der erste Zug nach Berlin stoppt 4.43 Uhr. Der letzte Zug fährt 23.20 Uhr nach Elsterwerda. Hohenleipisch zählt zu den wenigen Gemeinden im Kreis, die so komfortable Zugverbindungen aufweisen können. Ab August bleibt der 63 Kilometer lange Mittelabschnitt der Strecke Berlin-Dresden von Wünsdorf bis nach Elsterwerda für 16 Monate vollgesperrt.