ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:57 Uhr

Abschied für immer
Vom „prophetischen Berg“ und seinem „eiskalten Daumen“

Bewegender Abschied vom Restaurator, Maler, Grafiker und Gartenkünstler Hanspeter Bethke in Saxdorf.
Bewegender Abschied vom Restaurator, Maler, Grafiker und Gartenkünstler Hanspeter Bethke in Saxdorf. FOTO: Frank Claus / LR
Saxdorf. Der Restaurator, Maler, Grafiker und Gartenkünstler Hanspeter Bethke ist am Mittwoch in Saxdorf beigesetzt worden. Von Frank Claus

Der mit den Früchten des Saxdorfer Pfarrgartens geschmückte Weihnachtsbaum neben seinem Sarg und den bereits jetzt wieder üppig blühenden Pfarrgarten um sich herum, allein dieser Gegensatz hätte Hanspeter Bethke gefallen. Am 7. Februar ist er im Alter von 82 Jahren verstorben. Am Mittwoch findet er bei schönstem Sonnenschein und empfindlicher Kühle seine letzte Ruhe. Genau neben der Kirche, die er in den 70er-Jahren restauriert hat. Viele langjährige Gefährten und Freunde sind gekommen, um Abschied zu nehmen vom „prophetischen Berg, bunt angetan, mit zierlichem Zöpfchen“, wie ihn der Altenauer Künstler und Freund Paul Böckelmann beschreibt.

Hanspeter Bethke, das war ein besonderer Mensch, „ein starker Geist, der sich seiner Schwächen immer bewusst war, und das lose Maulwerk trefflich nutzend, schützend und verteidigend stets den Austausch mit Menschen suchte. Rechthaberisch bis ins Gegenteil. Manchmal vielleicht genial in seiner Gedankenakrobatik. Man konnte manches an Hanspeter bemäkeln, aber eines nicht: Er war nie langweilend, sondern charismatisch und vielwissend, polarisierend, manchmal bis zur bitteren Konsequenz beleidigten Rückzugs des Angesprochenen.“ So trefflich beschreibt Paul Böckelmann den Freund, und fast jeder im Saxdorfer Kirchenschiff hat beim Trauern geschmunzelt: „Genau so war er!“

Bethke, körperlich in seinen letzten Jahren zwar angeschlagen, aber im Kopf bis zum Schluss ein Kraftquell, ein Mann, der zum Nachdenken, zum Widerspruch, zum Lernen anregte.

Paul Böckelmann erzählt aus einem Gespräch, als Bethke über sich und seine Einstellung sagte: „Das Ideal geht nie auf. Träume, die aufgehen, sind keine Träume mehr. Ich habe nie geträumt, dazu bin ich zu realistisch.“ Und: „Warum habe ich die Lexika fast auswendig gelernt? Weil, ohne Bildung ist im Grunde alles Scheiße.“

Paul Böckelmann erinnert an den Restaurator und den Gartenkünstler, über dessen außergewöhnliches Reich in Saxdorf so viel geschrieben, gezeigt und vorgelesen wurde. Dabei sei es bedauerlich, dass Hanspeter Bethke „in den letzten Jahren seiner Malerei so wenig Zeit gegönnt hat. Ich hätte mir gewünscht, dass er das zum Geburtstag geschenkte Schild: ,Bitte nicht stören, der Meister gießt nicht, der Meister schöpft!` als Schirm gegen die Gartenbesucher und als Schutz für das Wachsen seiner Kunst genutzt hätte“.

Wie groß der Verlust ist, verdeutlicht Elbe-Elsters Kulturamtsleiter Andreas Pöschl: „Hanspeter Bethke hatte viele Begabungen – jede für sich formte er zur Meisterschaft: als Maler und Grafiker, als Baurestaurator, als Gartengestalter und als exzellenter Kenner und Genießer von Musik. Diese Auflistung setzt einen subjektiven Reichtum voraus, der ihm eigen war und im Verbund mit seinem angeeigneten Wissen eine Persönlichkeit ergab, die auch ein Mensch in Erinnerung behält, der nur kurz seine Bekanntschaft gemacht hat.“ Dass „Quintessenz“, seine Lieblings a-capella-Herren, extra gekommen sind, um für ihn zwischen Orgelspiel von Dieter Voigt und kirchlichem Geleit von Pfarrer Michael Seifert zu singen, das hätte auch Bethke zu Tränen gerührt.

Freunde hatte Bethke viele, so auch Andreas Rothe, der sich erinnert: „Kein Tropfen Regen ist in Saxdorf angekommen“ – wer kennt ihn nicht, den Spruch, mit dem der Gartenkünstler meist begrüßte. Doch wer weiß schon vom eiskalten Daumen vom Wasserstrahl aus dem Schlauch? „Hanspeter hat ihn stundenlang ausgehalten, diesen eiskalten Schmerz.“ Bei Hanspeter Bethke sei Denken immer „erlaubt, erwünscht, gefordert“ gewesen, weil – „er schätzte keine Leute, die platte Sachen sagten“.

Seine „Magie“ habe er „auch durch die Liebe seines Partners Karl-Heinrich Zahn gewonnen. Ohne sie, so Paul Böckelmann, „hätte er all die Jahre nicht leben können.“ Und so nehmen sich alle Trauergäste viel Zeit, dem nun hinterbliebenen Pfarrer viel Kraft zu wünschen und ihm ihre weitere Unterstützung zuzusichern.